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Praktische Anweisung zur Baukunst schiffbarer Canäle, wie solche zu entwerfen, mit allen dabey vorkommenden Werken anzurichten, zu erbauen, und die Anschläge davon zu verfertigen sind : wobei besonders der französische Canal von Languedoc und dessen vorzügliche Werke als Muster so aufgestellt, wie sie der Herr de la Lande beschrieben / von Johann Ludewig Hogrewe ...
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Fünfter Abschnitt.

. tz. 58-

Der von großen Männern in allen Fächern so fruchtbaren Regierung Lu-dewig XIV. war es vorbehalten, einen so oft verlassenen Vorsah wieder aufzu-nehmen, und alle dessen Hindernisse zu übersteigen.

Pierre Paul von Riquet Herr von Bonrepos, aus einer altadelichen Fa-milie, die aus der Provenze abstammte, besaß ein seltenes Genie; bloß dieNatur hakte ihm zum Geomeker gemacht, und schon verlangst hatte er stehzu dieser wichtigen Unternehmung vorbereitet. Man sagt, daß in seinenSchlössern zu Klein - Mourave und Bonrepos, Wasserleitungen, Schien-sen, Wasserabzüge, ja selbst ein durchgegrabencr Berg im Model zu sehen sey.Er war es, der nicht allein die Kühnheit hatte, dieses Unternehmen anzugeben,sondern auch den Muth, es zu verfolgen, und das Glück, es auszuführen. Erglaubte von dem Stolz Ludewig XIV. und dem Diensteifer Eolberts, der beide,jedem wichtigen Unternehmen geneigt machte, alles hoffen zu können. Es wurdeauch würklich 1660 die Idee und die Vorschläge des Hrn. RiqgetS ernstlichgeprüft und untersucht.

Es war schon seit langer Zeit anerkannt, daß der Boden bey Nouroufeam wenigsten über beide Meere erhaben, und der Ort war, wo der Canaldurchgehen konnte und mußte. Zugleich hatte man alhier kleine Quellen bemerkt,die theils nach dem Mittelländischen, theils nach dem Weltmeere ihren Laus.nahmen. Auch ist aus der einen Seite ein Thal, in welchem ein kleiner Bachbis in den Freöquel herunter fällt, der nach Osten ins ^Mittelländische Alke er ab-läuft. Aus der andern Seite befindet steh das Thal der kleinen Lers, die unter-halb Toulouse in die Garonne fällt. Die Quellen dieser Bäche liegen obenam Anfang der Thäler nur etliche hundert Klafter von einander entfernt. Eswar also nur die Frage, hinreichendes und so hoch belegenes Wasser zu finden,daß es dem Vertherlungspunkt bey Nonronse zugeleitet werden konnte, um eSvon da nach Gefallen und Bedürfniß gegen beide Meere zu vertheilen.

Herr Riquet beschäftigte sich vorzüglich damit, wenn er in Begleitung sei-nes Fontainiers, Meister Pierre, der im Nivelliren sehr erfahren war, oft denSchwarzenberg, aus welchem kleine Bäche entspringen und von diesem Gebirgenach allen Seiten herab laufen, besuchte. Er bemerkte, daß wenn er den Alzau-