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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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Im Allgemeinen wird diesem Material auf Baustellen je-doch nicht die Sorgfalt geschenkt, die es seiner Kostbarkeitwegen und zur Erreichung wichtiger Bauzwecke verdient.

Man sieht nicht selten auf Baustellen die Cement-Tonnenblofs unter einem nothdürftigen, undichten Bretterdache, undzuweilen nicht einmal auf Unterlagen, sondern auf blofser,oft feuchter Erde gelagert.'

Cement-lonnen, die im Magazin angebrochen, und worauskleine Quantitäten Cement zum Verbrauch entnommen werden,sind jedesmal sorgfältig wieder zuzudecken; ebenso sind die,auf Verbrauchsstellen eines Baues befindlichen, zum Theil nochmit Cement angefüllten Tonnen nach Feierabend nicht alleinzuzudecken, sondern nach dem Magazin zurückzuschaffen, daein Regen oder heftiger Sturm des Nachts die oft nachlässigeUeberdeckung durchdringen, oder abwerfen und den Rest desCements verderben kann.

Bei eintretendem Regen während der Arbeit, namentlichbei einem plötzlichen Gewitter-Regen, pflegen die Maurer mög-lichst schnell Schutz zu suchen, ohne das Zudecken und Bergender Cement-Tonnen zu besorgen; auch hierdurch wird nichtselten der Cement in den Tonnen verdorben.

Nicht allein also, dafs der Cement gut eingekauft wordenist, sondern auch die sorgfältige Aufbewahrung bis zu seinerVerwendung ist wesentlich.

Obwohl alle diese Dinge sich bei einem geregelten, ord-nungsmäfsigen Betriebe des Baues von selbst verstehen müfs-ten, so werden diese doch wirklich oft auf Baustellen nichtbeachtet, und einestheils mit hierin, anderntheils in der nichtrichtigen Verwendung liegen hauptsächlich die verschiedenenResultate, die bei Anwendung der Gemente erzielt worden sind.

Beim Verbrauch kleinerer Quantitäten Cement wird der-selbe gewöhnlich, von den Arbeitern aus dem Magazin inMollen lose aufgefüllt, nach den Verbrauchsstellen ge-* tragen. Durch diese Art des Transports wird der Cement,bei der staubartigen Natur desselben, von dem heftigen Wind-züge, der namentlich in, im Ausbau begriffenen Gebäuden vor-handen, aus der Molle abgeweht und dadurch wesentliche Ver-luste herbeigeführt. Statt dieser Mollen sind zum Transportdes Cements, in dergleichen Fällen, Fässer oder Eimer mitDeckel, am bequemsten in der Gröfse der gewöhnlichen Was-serfässer oder Eimer, und in gleich gewöhnlicher Art derVerbindung je zweier dergleichen Fässer, nothwendig zu ver-wenden.

Sind mehrere Polire mit ihren Arbciter-Colonnen auf ei-nem Bau beschäftigt, so ist eine Controlle über den Verbrauchdes Cements um so nothwendiger, als bald Dieser, bald JenerCemente aus den Beständen entnimmt. Bei dem Fa^aden-Putz eines Cavallerie-Casernements mit Portland-Cement, wurdediese Controlle zweckmäfsig in der Art erzielt, dafs jeder Polirim Magazin sein Cement-Conto für jede Woche hatte, undjeden Sonnabend die mit seiner Mannschaft gefertigte Arbeitberechnet wurde; die Summe der Quadrat-Ruthen, multiplicirtmit dem, durch die Erfahrung ermittelten Bedarf Cement proQuadrat-Ruthe Putz, ergab dann die Anzahl Tonnen, die ermit seiner Mannschaft, bei sorgsamem Umgehen mit dem Ce-ment, verbrauchen konnte.

Diese Controlle ist auf Baustellen, wo den Policen undderen Mannschaften, die mit dem Cemente nicht allein sparsamumgehen, sondern auch für dessen gute Bewahrung auf denVei’brauchsstellen Sorge tragen sollen, eine Gratification beidergleichen Arbeiten zugedacht wird, um so nothwendiger,als sonst der Maafsstab bei Beurtheilung des Nutzens, welchensie dem Bau-Fonds durch ihre Sorgsamkeit gestiftet, fehlenwürde.

Beschaffenheit der, zur Anfertigung eines guten Cement-Mörtels, erforderlichen Zusatz-Materialien.

Zur Erreichung der bestmöglichsten Resultate bei Ver-wendung der Cemente gehört nicht allein die gute Beschaf-fenheit des Cements selbst, sondern auch, dafs die Zusätzezum Cement-Mörtel von möglichst ausgezeichneter Güte undBeschaffenheit sind.

Das gewöhnlichste und sehr zweckmäfsige Zusatz-Materialist Sand; jedoch nicht jeder Sand ist hierzu brauchbar.

Je nach den Lagerstätten findet man die einzelnen Sand-körner bald scharf und eckig, oft rund, bald von ziemlichgleichem Korn, bald von verschiedener Gröfse, bald rein, ge-wöhnlich jedoch mit erdigen Theilen vermengt.

Der Quell-, Flufs- und See-Sand ist meistens rein, jedochsind die Körner durch die stete Bewegung des Wassers mehrabgerieben, daher meist rund und glatt geschliffen, gemeinig-lich von ungleicher Gröfse und auch oft mit vielen Schlamm-theilchen vermischt.

Der Gruben- und Berg-Sand ist in der Regel scharfund eckig, von ziemlich gleichem Korn, meistens jedoch mitvielen erdigen Theilen vermengt.

Gruben-Sand, aus reinen glänzenden Quarzkörnern be-stehend, wird, wo sich dieser findet, dem Flufs-Sande vorzu-ziehen sein, da dessen mehr eckige, scharfkantige Körner demCemente mehr Oberfläche zum Anhängen und Festhalten dar-bieten, als die kugelförmigen Körner; und da ein Körper destoschwerer zu trennen, je gröfser seine Bruchfläche ist, so setzendie eckigen Sandkörner auch der trennenden Kraft einen grö-fseren Widerstand entgegen als die runden.

Die gewöhnlichen Proben bei Beurtheilung der Güte desSandes sind folgende:

Der Sand wird im Allgemeinen für gut erachtet werdenkönnen, wenn man etwas davon in die flache Hand nimmt,oder auf ein Blatt reines, weifses Papier schüttet und reibt,der Sand hierbei sich scharf anfühlt, knirscht und beim Weg-werfen aus der Hand, oder vom Papier, keinen Staub odersonstige Unreinigkeiten zurückläfst.

I Viele erproben die Güte des Sandes nebenbei noch da-durch, dafs man in ein Glas Wasser etwas Sand schüttet, die-sen tüchtig umrührt und dann zusieht, ob er das Wasser be-deutend trübt und färbt, oder nicht.

Bevor der als gut erprobte Sand zum Cement-Mörtelverwendet wird, müssen die groben Körner und sonstigenErdklümpchen durch Sieben entfernt, und wenn der Sandnicht ohnehin frei von erdigen Bestandtheilen ist, was wohlselten der Fall sein möchte, so mufs derselbe noch vor demGebrauch gewaschen und dadurch der erdigen Theile be-raubt werden. •

Dieses Waschen des Sandes ist durchaus nothwendig, undkann bei gröfseren Quantitäten füglich in der Art ausreichendvorgenommen werden, dafs man den Sand in einen gereinig-ten Kalkkasten schüttet, Wasser darauf giefst, mit einemstumpfen Besen den Sand tüchtig umrührt, und das getrübteWasser sodann rasch abgiefst. Dies Uebergiefsen des Sandesmit Wasser wird fortgesetzt, bis das Wasser klar und reinbleibt, was bei an und für sich so ziemlich reinem Sande etwanach 3 maligem Aufgiefsen ein tritt.

Nach diesem Waschen auf .Bretter-Unterlagen, unter einerBedachung ausgebreitet und möglichst getrocknet, eignet ersich dann vorzüglich als Zusatz zum Cement-Mörtel.

See-Sand mufs, zu Luftmörtel verwendet, vorzugsweise| o-ut ausgewaschen werden, um die Salztheile zu entfernen, diei sonst den Cement-Mörtel, namentlich zum äufsern Putz, durchj Anziehung der Feuchtigkeit aus der Luft, in seiner Erhärtung| beeinträchtigen würden.

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