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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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In manchen Gegenden, wo es viele Braunkohlen giebt,ist der Sand oft mit kleinen Kohlenstückchen gemengt; wirdsolcher Sand zum Oement-Mörtel verwendet, so hat dies dengrofsen Nachtheil, dafs die Kohlenstückchen bei der Erhär-tung des Cements erweicht werden, und durch ihr Anschwel-len den Cement-Putz sprengen, so dafs durch jedes kleineKohlenstückchen ein Loch entsteht. Sand dieser Art ist da-her, besonders da, wo es auf Wasserdichtigkeit ankommt, zuverwerfen.

Ein Gleiches findet statt beim Sande, in welchem hin undwieder kleine feste Torf- und Kohlenstückchen Vorkommen.Obwohl diese durch sorgsames Waschen des Sandes erweichtund hierbei in ihren Wirkungen wesentlich unschädlich ge-macht werden, so markiren sich dennoch manche dieser Torf-stückchen in den Putzflächen durch ihre braunrothe Stellen,die später auswittern und kleine feine Löcher bilden.

Im Allgemeinen ist zu dem Cement-Mörtel ein feinerSand, wenn er die nöthige Schärfe hat, dem gröberen vorzu-ziehen, weil bei ersterem eine innigere Vermengung mit demCemente und eine bessere Vertheilung der Masse stattfindenkann. Staubartiger, mit erdigen Theilen vermischter Sand, istverwerflich.

Nur in besonderen Fällen ist ein rauher, grober Sand,oder Grand, diesem feinen vorzuziehen.

Am besten wird man jedoch in den meisten Fällen thun,wenn der gröbere Sand mit so viel feinerem Sande gemengtist, dafs dieser noch die, zwischen dem groben Sande blei-benden gröfseren Zwischenräume auszufüllen im Stande ist.Man kann dieses Verhältnis durch einen Versuch finden, wennman mit dem groben Sande zuerst ein, etwa einen Cubikfufsenthaltendes, Gefäfs füllt, und dann durch Schütteln noch soviel feineren Sand hinzufügt, bis der Umfang sich zu ver-mehren anfängt. Dasselbe kann Anwendung finden bei derMencung von dreierlei Sandsorten.

Ein ebenso vorzügliches Zusatz-Material wie Sand, undwelches bei feineren Arbeiten, wo in Ermangelung des feinen,reinen und scharfen Sandes, die Grobkörnigkeit des vorhan-denen Sandes hinderlich sein könnte, zweckmäfsig angewendetwerden kann, ist gestofsenes Glas, das man in jeder erfor-derlichen Feinheit erhalten kann.

Es haben diese beiden Zusätze noch den grofsen Vorzug,dafs sie fast gar kein Wasser in sich aufnehmen, alsodem Cement, wenn er damit vermischt ist, nichts davon ent-ziehen, was vom besten Einflüsse auf die Arbeit ist.

Ein weniger vorzüglicher Zusatz, der in Ermangelung ei-nes guten Sandes hin und wieder angewendet wird, ist Ziegel-mehl. Wegen der Härte und Scharf kantigkeit seiner Körner,zumal, wenn es von gut gebrannten Dachsteinen gewonnenwird, wäre es wohl dazu geeignet; allein da es das Wassereinsaugt, und vorher trocken mit dem Cement gemischt wer-den mufs, so entzieht es bei der späteren Behandlung diesemeinen nicht unbedeutenden Theil des zu seiner gehörigenErhärtung, erforderlichen Wassers. Nur in besondern Fällenkann es daher gerathen sein, Ziegelmehl als Zusatz zu ver-wenden.

Andere Zusätze statt des Sandes, wie z. B. in Mörsern oderauf Pochwerken zerstofsener Basalt, Granit, Feuerstein u. s. w.,sind zwar als vorzügliche zu nennen; jedoch werden alle diesekünstlich erst vorbereiteten Zusatz-Materialien nur in den Fäl-len guten Sand ersetzen können, wo dieser fehlt, oder dieTransport-Kosten desselben das Zerkleinen des, an Ort undStelle vorhandenen, tauglichen Steinmaterials noch übersteigen.

Die Beschaffenheit des, zur Verarbeitung des Cementserforderlichen Wassers ist nicht gleichgültig; es mufs rein undfrei von allen fremden Beimischungen sein.

Es sind mehrfach Fälle vorgekommen, bei welchen, durch

verschiedene Verunreinigungen des Wassers, das Erhärten desdamit zubereiteten Cement-Mörtels verhindert worden ist.So erwähnt Herr Ernst Koch in seiner kleinen, sehr nütz-lichen Schrift*) folgenden Fall:

„In einer Färberei sollte eine sogenannte kalte Küpedurch Mauerung mit Cement aufgeführt werden. Der ersteVersuch mifsglückte, da der Cement-Mörtel nicht die geringsteSpur von Erhärtung zeigte, vielmehr ganz weich blieb. DieMauerung wurde hierauf wieder abgebrochen, und von Neuemmit frischem Cement aufgeführt, ohne jedoch ein besseresResultat zu erzielen. Der Besitzer der Färberei legte nun dasMifsglücken der Arbeit der angeblich schlechten Beschaffen-heit des dazu verwendeten Cements zur Last, bis sich beinäherer Untersuchung ergab, dafs zur Anfertigung des Cement-Mörtels ein Wasser verwendet worden war, in welchem manFlachs geröstet hatte. Die in diesem Wasser aufgelöstenSchleiintheilchen des Flachses verhinderten vollständig jedesErhärten des Cements, was auch durch wiederholte Versucheauf das Unzweifelhafteste bestätigt wurde.“

Es ist daher die Verwendung von unreinem Wasser, inwelchem organische Substanzen aufgelöst sind, bei Cement-Arbeiten sorgfältig zu vermeiden, und dagegen ein reines,klares Flufs- oder Quellwasser jedem anderen vorzu-ziehen, wenngleich im Allgemeinen auch vom Brunnenwasser,wenn es nicht kalkhaltig ist, kein nachtheiliger Einflufs aufCement-Arbeiten bemerkt worden.

Auf Baustellen in Niederungen, wo die angelegten Brun-nen oft unreines, trübes Wasser liefern, und dasselbe durchanhaltende Dürre oder durch anderweitigen starken Verbrauchnoch mehr getrübt und schlammig wird, ist solches vor demVerbrauch zu seihen oder zu filtriren, was meist durch ein-fache Vorrichtungen mittelst Sand geschehen kann.

Nach den in letzterer Zeit gemachten Beobachtungen beiHafenbauten in Frankreich, soll das Meerwasser zerstörend aufCement-Mauerwerk eingewirkt haben. Die angegebenen Er-scheinungen, dafs das Meerwasser den hydraulischen Mörtelchemisch zersetze, wobei derselbe sich auf blähe und dasMauerwerk Risse bekomme, sind wohl nur auf den dazu ver-wendeten Cement von weniger guter Beschaffenheit zubeziehen, da bei den in England und Deutschland, sowie inandern Ländern, vielfach ausgeführten Bauwerken am Meeremit gutem Portland-Cement dergleichen Erscheinungennicht in der Weise bemerkt worden sind, um ausschliefs-lich dem Meerwasser einen so nachtheiligen Einflufs aufden Cement-Mörtel beimessen zu können, und dürfte (nachSeite 13) das Aufblähen des Cement-Mörtels und das Zer-sprengen des Mauerwerks wohl anderen Ursachen als demMeerwasser zuzuschreiben sein.

Im Uebrigen wird schon von Belidor und Smeatonempfohlen, Meerwasser zum Anmachen des Mörtels zu Bau-werken am Meere zu verwenden.

Verarbeitung des Portland-Cements zu Mörtel.

Bei der Art und Weise, den Cement zu einem tauglichenI Mörtel anzumachen, treten zwei Fälle ein: entweder

1) der Cement wird rein ohne Zusatz verarbeitet, oder

2) derselbe erhält eine Beimischung von Sand u. s. w.

Im erstem Falle wird der Cement, je nach der Binde-kraft desselben und dem Zweck der Arbeit, gewöhnlich jedochin Quantitäten von nur etwa | bis 1 Metze, in geeigneten

*) „Gesammelte Erfahrungen über die Verarbeitung und Anwendung des Cementsaus der Cement-Fabrik von Ernst Koch in Hessen-Cassel. “ Cassel, 1851. S. 34.(Dieser Cement ist in Bezug auf Bindekraft und Festigkeit so vorzüglich, dafs er demPortland-Cement an Güte gleich zu erachten ist.)