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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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Unter den vielen Baulichkeiten dieser Art, die seitdemnach ähnlicher Constructionsweise von Ziegelsteinen und Port-land-Cement in Berlin ausgeführt worden, zeichnet sich der,Fig. 4 Bl. 6 im Grundrifs, Fig. 5 in der vordem Ansicht undFig. 6 in der Construction des Steinverbandes, dargestellteBalcon in der Bellevue-Strafse 19 a aus.

Der Balcon ist 21 Fufs 4 Zoll lang, 7 Fufs 3 Zoll breitund vom untern Fufsboden bis zum obern 14 Fufs 2 Zollhoch; er wurde 1854 durch den Bau- und MaurermeisterHerrn Hahnemann sehr schön ausgeführt.

Die Säulen sind incl. Sockel und Kapitäl 12 Fufs 9 Zollhoch, im Kerne achteckig von Ziegelsteinen, 10 Zoll stark,und Cement construirt, und dann mit Stuckmasse umkleidet.Die gegenüberstehenden Pilaster sind 10 Zoll im Quadratstark.

In den Fronten des Balcons, auf den Säulen und Pilastern,wurden eiserne Schienen gestreckt, in der Mauer des Wohn-

gebäudes befestigt und mit Bolzen für jede Säule und Brü-stungspfeiler versehen.

Auf diesen Schienen sind die Architrave scheitrecht 1 Steinhoch und breit eingewölbt, Fig. 6 Bl. 6. Die beiden mittle-ren Architrave ohne Eisenschienen hatten eine Wölbhöhe von1± Zoll erhalten und sind mit Cementputz zu einer geradenFläche ausgeglichen.

Die horizontalen Ueberdeckungen der drei Felder sindvon Ziegelsteinen mit Portland-Cement in zwei Lagen über-einander im Verbände ausgeführt.

Der Balcon ist in allen Theilen mit Portland-Cement ge-putzt und nach völligem Erhärten des Putzes mit Oelfarbeangestrichen.

Balcone und Altane werden in der vorbeschriebenen Artder einfacheren Construction der Architrave gegenwärtig inBerlin fast durchweg ausgeführt, und dabei nicht immer eiserneVerankerungen angewendet.

Ueber Treppenanlagen von künstlichen Steinen.

Seit der Anwendung vorzüglicher Bindemittel sind auchdie Constructionen steinerner Treppen mannigfaltiger und derBau derselben dadurch wesentlich erweitert worden. Nament-lich bieten die von künstlichen Steinen construirten Stufen undPodeste ein weites Feld dar, die Treppen nicht allein dauer-liaft und feuerfest, sondern auch elegant und mehr oder wenigerreich im Farbenschmuck mit den mannigfaltigsten Verzierun- jgen auszuführen, so dafs jetzt steinernen Treppen, auch inBezug auf Schmuck, bei geringeren Kosten, gegenüber deneisernen und hölzernen Treppen, der Vorzug gebühren dürfte.

Der Kern der Stufen und Podeste wird entweder vonZiegel- oder Dachsteinen und Portland-Cement gleich aufRüstung und Schaalung, oder auf zuvor hergestellterUnter Wölbung oder Untermauerung construirt, oderaber die Stufen und Podeste werden als Werkstücke in For-men oder schablonenartiger Zurüstung von Ziegel- oder Dach-steinen, von Böton, voll oder hohl, in Werkstätten gefertigt,und dann wie Sandsteinstufen und Podestplatten an Ort und jStelle versetzt. Je nach Anordnung und Zweck der Treppe 1

erhält dann der so hergestellte Kern eine Ueberdeckung ent-weder von Portland-Cement, Oel-Cement, Asphalt, Gipsmasse(Parian-Cement), oder eine Ueberdeckung mit Platten vonMarmor, Granit, Sandstein, Schiefer, gebranntem Thon u. s. w.Bei der Mannigfaltigkeit dieser Materialien kann demnach eineTreppe mehr oder weniger reich ausgestattet, ebenso Tritt-und Steigungsflächen auch durch eingebrannte oder ausge-legte farbige Verzierungen, Mosaiken u. s. w. besser ausge-schmückt werden, als dies bei den von natürlichen Steinenconstruirten Stufen und Podesten möglich ist.

Die mannigfaltigen Constructionen so ausgeführter Trep-pen sind ausführlich in dem, vom Verfasser herausgegebenenWerke: „der feuerfeste Treppenbau von natürlichenund künstlichenSteinen, zweite vermehrte Auflage,Berlin, bei Riegel, enthalten, und durch 16 Tafeln Zeich-nungen, zum grofsen Theil in Farbendruck und durch viele inden Text eingedruckte Holzschnitte zum practischen Gebraucherläutert worden.

Gedruckt bei A. W. Schade in Beruh, Griinstrafso 18.