Rinnen.
Allgemeines.
Die Rinnen zur Ab- oder Zuleitung von Flüssigkeitenwerden von verschiedenem Material dargestellt.
Gewöhnlich werden Gossen-Rinnen von runden Feldsteinen,Fig. l. nach nebenstehender Fig. 1, gefertigt. Der-artige Rinnen sind sehr mangelhaft. DieRundung der Steine, die vielen nicht dichtschliefsenden Fugen hindern den raschen Ab-flufs des Wassers und in den durch die Reinigung der Gossen-Rinnen stets geöffneten Fugen oder Zwischenräume bleibenFlüssigkeiten mit vegetabilischen und animalischen Ueberrestenzurück, die in Strafsen und auf Höfen bei heifsen Tagendann einen penetranten Geruch verbreiten. Liegen überdemsolche Rinnen in Strafsen oder Höfen mit nur mäfsigem Ge-fälle, wie z.B. in Berlin, so ist bei demHineingiefsen von so vielemunreinem Wasser aus den Häusern, leicht erklärlich, wie Berlinmit seinen Gossen - Rinnen in so üblen Ruf gekommen ist.Wie in so vielem Andern wird auch Berlin in dieser Beziehungvon vielen kleineren Städten mit Gossen-Rinnen, vorzüglich be-arbeitet aus Sand oder festem Kalkstein, Basaltlava und Granitu. s. w. weit übertroffen, selbst von Städten, die ein derartigesMaterial nicht in der Nähe haben.
Wenngleich in Berlin seit Einführung der öffentlichenWasserleitung auf die verbesserte Anlage der Strafsen-Rinnengrofse Aufmerksa mk eit verwendet wird, so bleibt doch bei deinnur langsamen Fortschreiten noch Vieles zu wünschen übrig.
Bei dem noch mangelhaften Zustande der Gossen-Rinnenvon kleinen runden Feldsteinen in so vielen Städten, wäre danneine bessere Herstellung dieser Rinnen sehr zu wünchen, umso mehr, da oft zu viel weniger Allgemein-Nützlichem immerhinGeldmittel vorhanden sind.
Anfertigung der Rinnen in gewöhnlicher Art.
Je glatter die Sohle und die Wandungen einer Gossen -Rinne sind und je weniger Fugen diese hat, je schneller undvollständiger wird der Abflufs bewirkt werden können.
Um einen bessern Abflufs in der Sohle zu erzielen, hatman diese statt von runden Feldsteinen mit gut gebranntenKlinkersteinen, nach nebenstehender Fig. 2,oder auch die Rinne ganz von Klinkersteinennach Fig. 3 construirt. Nicht selten wurdeneinzelne solcher Klinkersteine vom Frost be-schädigt und es bildeten sich dann theilsin der Sohle, theils in den Wandungen derRinnen Löcher und sonst durch die Ver-witterung entstandene Unebenheiten. Dieeinzelnen Löcher wurden sodann mit Port-land - Cement - Mörtel ausgefüllt, oder dieRinnen ganz in der Sohle und den Wandun-gen von Feldsteinen, oder Klinkersteinen, mit diesem Cement-mörtel § Zoll stark überzogen.
Fi s- 4. In Ställen hat man in ver-
besserter Weise die Rinnen, stattvon Feldsteinen, gleichfalls vonKlinkersteinen, nach Fig. 4, herge-stellt.
In Höfen, Gärten und Park-Anlagen u. s. w. werden Rinnenhäufig nach Fig. 5, 6 und 7 ebenfalls von Klinkersteinen, jedoch
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 7.
auf flacher Seite in den Wandungen angefertigt. Aber dieseder Witterung ausgesetzten Rinnen leiden in gleicher Weise,wie die Strafsen-Rinnen, durch den Frost und werden dahertheils gegen das Auswittern, theils der besseren Dichtung wegen,in den Fugen noch mit Cement-Mörtel oder Asphalt überzogen.
Eine von Klinkei-steinen ausgeführte und mit Portland-Oement-Mörtel, 1 Theil Cement und 3 Theile scharfen Sand| Zoll stark überzogene Rinnen-Anlage im Park des SchlossesBabelsberg bei Potsdam, stellt noch Fig. 3 und 4 Bl. 7 dar.
Zur Vermeidung der vielen einzelnen Theile und Fugen,aus der eine von Klinkersteinen construirte Rinne besteht, so-wie wegen bequemer Anfertigung und Verlegung, werden dieGossen-Rinnen in Längen von 3 — 5 Fufs, häufig von natür-lichen Steinen, Granit, Sandstein, festem Kalkstein, Schieferu. s. w., je nach dem das eine oder andere Material in derNähe sich findet, gefertigt.
Auch aus künstlicher Steinmasse, aus gebranntem Thonoder Cement, werden Gossen-Rinnen hergestellt.
Fig. 8. Die aus gebranntem Thon gefertigten
Rinnen, wovon Fig. 8 und 9 zwei Durch-schnitte darstellen, wie solche der Verfasseran den Abdachungen der Elb-Ufer bei Ham-burg ausgeführt fand, leiden, wie die ausKlinkersteinen gefertigten, mehr oder weni-ger durch Frost.
Weit vorzüglicher und dauerhafter sinddie von dem Herrn March in Charlottenburgbei Berlin erfundenen, aus künstlichen Stein-hnassen (s. Lieferung I, S. 4) geformten Rinnen mit glasirtenauch unglasirten Wandungen. Sie widerstehen dem Frosteund zeichnen sich durch grofse Sauberkeit und Nettigkeit aus.
Gossen-Rinnen aus hydraulichem Mörtel sind in Frank-reich seit über 50 Jahren bereits im Gebrauch. Dieselben
Fig. 9.
wurden insbesondere in der Werkstatt des Professor der Archi-tektur an der Militair-Schule in Paris, Herrn Fleuret, von einemMörtel, 1 Theil Cement und 2 Theile scharfen Sand und 1 Theilgestofsenen Ziegelstücken, dauerhaft und gut hergestellt.
In neuerer Zeit werden Gossen-Rinnen vielfach von Port-
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