Buch 
Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
Entstehung
Seite
36
JPEG-Download
 

36

land-Cement und in mannigfacher Weise gefertigt. Sie sindunter den von natürlichen wie künstlichen Steinen dargestelltenRinnen in Formstücken, die billigsten, bei grofser Festigkeitund Dauer.

Diese Rinnen werden entweder gleich an Ort und Stellein beliebigen Längen so geformt, dafs ihre Anfertigung undVerlegung einen Act bildet, oder sie werden in besonderenFormen zuvor dargestellt und dann verlegt.

Anfertigung der Rinnen gleich an Ort und Stelle.

Hierbei werden auf dem, nach dem Gefälle geebneten undfestgestampften Boden zwei Seitenbretter a a in nachstehenderFig. 10, in Längen von etwa 5 Fufs aufgestellt, zwischen diesen

Fig. 10.

in der ganzen Länge Portland-Cement-Mörtel, 1 Theil Cementund 2 auch 3 Theile scharfen Sand und Kies, bis zur Höhedes beginnenden Profils der Rinne ausgebreitet, dann der dieForm der Rinne darstellende Halbcylinder b von Holz mit demBrettstücke c auf den Cement und die Seitenbretter a a gelegtund auf letzteren verloren befestigt. Zwischen diesem Halb-cylinder und den Seitenbrettern wird nun weiter Cement-Mörtelbis zur Höhe der Form eingedrückt; die Form der Rinne, nachBeseitigung der Nägel, durch sachtes Rütteln herausgehobenund die innern Wandungen der Rinne dann geglättet.

Zur Vermeidung des Anhaftens an dem Mörtel wird dieHolzform zuvor mit einer Mischung von Oel und schwarzerSeife bestrichen. Nachdem der erste Theil der Rinne vollendet,werden die Seitenbretter weiter geschoben und in gleicherWeise wie oben beschrieben, verfahren.

Eine so construirteRinne, nachnebenstehender Fig. 11, bildet eincontinuirliches Ganze ohne Fuge.Bei der Schnelligkeit, mit welcherdie Anfertigung geschieht, wirdein Antrocknen der Holzform ban den Cement-Mörtel nicht leichteintreten, und etwaige kleine Be-schädigungen können beim Ausglätten der Rinne ausgebessertwerden. Zur leichtern Handhabung, sowie um ein etwaigesAnliaften des Mörtels an dem Halbcylinder von Holz zu ver-meiden, kann dieser auch von starkem Zinkblech gefertigtwerden, wodurch man überdem mehr glatte Wandungen durchdie Form erhält.

Bei vorkommenden Biegungen der Gossen-Rinnen vertrittLehmerde die Seitenbretter a a, und das Cylinderstiick b wirddann in kleineren Längen zur Bildung der Rinne angewandt.

In ähnlicher Weise, wie vorher beschrieben, werden inBerlin die Hausrinnen zur Ableitung des Wassers vom Hofedurch den Hausflur nach der Strafsen-Rinne, von Cement-Beton(Concrete) gleich an Ort und Stelle, nach Fig. 10 Bl. 7, gefertigt.Der Beton aus 1 Theil Portland-Cement, 2 Theilen scharfen Sandund 3 Theilen klein zerschlagenen Mauer-, oder Dachziegeln-,Granit-, Sand- oder Kalkstein-Stücken, in Gröfse einer Wallnufs

Fig. 11.

oder aus grobem Kies, in Gröfse einer Bohne bestehend, wirdungefähr nach der Form der Rinne vorerst in einer Länge vonetwa 3 — 5 Fufs ausgebreitet und darüber eine Lage von 1Theil Cement und 1 Theil Sand gelegt. Das Profil der Rinnewird dann mittelst Schablone Fig. 12 und 13 Bl. 7 gezogenund so fortgefahren.

Liegt die Rinne in einer Durchfahrt des Hauses vom hoch-kantigen Mauerziegelpflaster begrenzt, Fig. 11 BI. 7, so wirddie Kante e zum bessern Schutz eines etwaigen § Zoll starkenAsphalt-Ueberzuges noch mit einer Eckschiene gesichert.

Einige Anordnungen derartiger Haus-Rinnen, stellen auchdie Fig. 8 und 9 Bl. 7 dar.

Gröfsere Rinnen, selbst Strafsen - Gräben, wo ein fliefsendesWasser in lockerem Boden die Strafse beschädigen könnte,werden in folgender Weise, nach Fig. 9 und 10 Bl. 8, vonBeton hergestellt:

Nachdem man den Graben a b cd, Fig. 9, ausgehoben hat,wird auf die Sohle desselben, in vorerst einer Länge vonetwa 6 bis 8 Fufs, eine 4 bis 6 Zoll starke Betonlage n aus-gebreitet und fest gestampft. Ist dies geschehen, so setzt manden bereit liegenden Formkasten e e, Fig. 10, auf die Beton-lage n , während andere Arbeiter mit der Verlängerung derletzteren beschäftigt sind. Auf beiden Seiten der ganzen Längedes Formkastens wird nun in 3 Zoll hohen Lagen Beton ein-geschüttet, gut gestampft und so fortgefahren bis die beidenSeiten-Wandungen des Grabens m tu, Fig. 9, mithin der ganzeBeton-Graben in obiger Länge fertig ist. So wie dies 6 bis8 Fufs lange Stück wird der ganze Graben gebildet.

Ein fleifsiges Begiefsen und Nafserhalten der gefertigtenArbeit ist nothwendig.

Bei solchen gröfsern Arbeiten sind zum Beton zerschlageneSteine in Gröfse eines Hühnereies zu verwenden.

Kg. i 2 . In der vorbeschriebenen Art werden auch

Sl: ■ • .? .l kleinere und gröfsere Rinnsteinbrücken, Fig. 1

SP fl bis 4 Bl. 8, im Quer- und Längen-Durchschnitte

|| dargestellt, von Beton gleich an Ort und Stelle,jetzt mehrfach billiger, besser und dauerhafter alsvon Mauerziegeln ausgeführt und diese zuweilenauch nach nebenstehender Fig. 12 construirt.

Die nach der Baupolizei-Ordnung für Berlin v. 21. April1853 vorgeschriebenen Schlammbehälter, welche auf den Höfenzur Sammlung der nicht flüssigen Unreinigkeiten vor denAbzugsrinnen angelegt werden müssen, sind in Fig. 5 bis 8Bl. 8 im Grundrisse und Durchschnitte in zwei verschiedenenArten dargestellt: einmal wo das Küchen-Ausgufsrohr a, Fig. 5und 6, in dem Schlammbehälter und dem Zungenrinnstein b nachdem Strafsenrinnstein abfliefst und das anderemal wo das Wasserin der Rinne des Hofes c, Fig. 7 und 8, in dem Schlammbe-hälter und weiter durch die Umwährungsmauer in den Zun-genrinnstein d nach dem Strafsenrinnstein abfliefst.

Derartige Schlammbehälter werden gleichfalls an Ort undStelle von Beton mittelst Kastenform gefertigt.

Vorhandene Zungenrinnsteine c und d, Fig. 7 und 8 Bl. 8,in der Sohle von runden Feldsteinen gepflastert, erhaltenin Verbindung mit dem Schlammbehälter zum bessern Abflufseinen f Zoll starken Portland-Ueberzug.

Die Anfertigung der Rinnen in besonderer Form

geschieht in Werkstätten gewöhnlich in Längen von 5 Fufs.

Die Form zur Anfertigung einer Rinne, Fig. 2 Bl. 7 be-steht nach Fig. 1 aus dem Halbcylinder c, den beiden Stirn-brettern oder Lehren a a und den beiden Seitenbrettern b b.Die Form liegt auf einer festen, glatten Unterlage d.

Zum Mörtel nimmt man 1 Theil Portland-Cement und 2