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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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untern Durchmessers und der bestimmten Länge eines jedenRührstücks zugerichtet, im Uebrigen diese Form, wie die Röhreselbst, in gleicherweise wie auf Seite 40 beschrieben, gefertigt.

Statt in einer geschlossenen Form, nach Fig. 1—4 ßl. 9,werden diese Röhrstücke bequemer und leichter, nach Fig. 5und 6 Bl. 10, dargestellt, in der Weise, dafs man klein ge-schlagene Dachziegelstücke in den angetragenen Cement-Mörteleindrückt und diese mit gleichem Mörtel überzieht, wie diesauf Seite 40 bereits beschrieben.

Bei Röhren, die eine gröfsere Festigkeit erhalten sollen,läfst man die Dachziegelstücke fort und verwendet nur einenCement-Mörtel von 1 Theil Portland-Cement und 2 TheilenSand, der etwas strengflüssig bearbeitet an die Form allmäligangetragen und zur Erreichung einer accuraten äufsern Wan-dung durch eine Schablone sauber abgezogen wird. DieseSchablone, an einem eisernen Stabe in der Mitte der ober-und unterhalb befindlichen Scheibe, Fig. 5 und 6 Bl. 10, be-festigt, wird dann um die Form geleiert.

Die einzelnen Röhrstücke werden aufserhalb und inner-halb geglättet und stumpf über einander an Ort und Stellezu einem einzigen Rohr in Cement zusammengefügt.

Zu zwei Latrinen-Anlagen in dem Garnison-Lazareth inBerlin, wurden 1851 zwölf Abfall-Röhren von 32 und 37 FufsLänge in vorbeschriebener Weise, nach Fig. 1 und 2 Bl. 10,durch den Maurermeister Herrn Eyffert und Steingufsfabri-kanten Herrn Fehse vorzüglich gut und dauerhaft angefertigt.

Ein Abfallrohr 32 Fufs lang, konisch geformt, oben 10Zoll und unten 18 Zoll im lichten Durchmesser weit, mit 2Zoll starken, innen und aufsen geglätteten Wandungen, an denentsprechenden Stellen mit 3 Ansatz-Röhren zum Gesäfs undam untern Ende mit Ausmündung versehen, mit einem Mörtelvon 1 Theil Portland-Cement und 2 Theilen Sand, nach gege-bener Zeichnung sauber und dauerhaft anzufertigen und anOrt und Stelle aufzustellen, kostete incl. allen Materials, auchmit dem zur Befestigung an den Wänden erforderlichen Ei-senwerk, 60 Thlr.; demnach der laufende Fufs 1 Thlr. 26 Sgr.3 Pf. Dabei hatten die Entrepreneurs noch eine fünfjährigeGarantie für allen Schaden, der erweislich durch schlechte Ar-beit oder mangelhaftes Material entstanden, contractlich zuübernehmen.

Röhren von Eisen, die ursprünglich zu obigem Zweckeverwendet werden sollten, kostete, bei gleichem Querschnittemit i Zoll starken Wandungen und inwendig emaillirt, der lau-fende Fufs 7 Thlr.

Röhren von Portland - Cement - Mörtel, konisch geformt,von 14 Zoll mittlerm Durchmesser im Lichten, bei einer Längevon 30 Fufs, jedoch ohne die mühsam zu fertigenden Ansatz-Röhren, kostete der laufende Fufs nur 1 Thlr.

In den Latrinen des Militair-Lazareths zu Danzig sindAbfall-Röhren, im Querschnitt viereckig nach oben verjüngt,von Mauerziegeln mit Cement in den Wandungen, 5| Zollstark, nach Fig. 3 und 4 Bl. 10, ausgeführt worden. Fig. 7stellt einen horizontalen Querschnitt derselben mit den 4 Ge-säfs-Röhren, und Fig. 8 den verticalen Durchschnitt nach c d

im cröfsern Maafstabe dar.

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In dem Militair-Lazarethe zu Spandau sind in den Latrinengleichfalls Abfall-Röhren von Cement, jedoch mit durchweggleichem Querschnitt, von 14 Zoll inneren Durchmesser und2 Zoll starken Wandungen, 1853 durch den Maurermeister HerrnLehmann in Berlin gefertigt worden. In jedem Stockwerk er-hielt das Abfall-Rohr 2 Gesäfs-Röhren, von 10 Zoll inneremDurchmeser, nach Fig. 9 Bl. 10. Der laufende Fufs Abfall-Rohr mit den in jedem Stockwerke erforderlichen 2 Gesäfs -Röhren, incl. Aufstellung und Befestigung, wurden mit 1 Thlr.15 Sgr. bezahlt.

In dem Militair-Lazarethe zu Prenzlau sind in den LatrinenAbfall - Röhren von Cement, in ähnlicher Construction durchden Herrn Lehmann 1854 recht gut ausgeführt worden.

Anwendung, Dauer und Festigkeit der Cement-Röhren,im Vergleiche mit Röhren aus anderem Material.

Allgemeines.

Materialien, die sich zur Herstellung von Leitungs-Röhreneignen, sind: Holz, Marmor, Sandstein, gebrannter Thon, Ce-ment, Glas, Eisen, Blei, Zinn und Zink.

Die König!. Bayerische Regierung hatte, auf Veranlassungdes Magistrats der Stadt München, die bayerischen Gesandtenbeauftragt, genaue Erkundigungen darüber einzuziehen, welcheArt Wasserleitungs-Röhren in den Städten, in welchen sie re-sidiren, angewandt wird und welche Erfahrungen man daselbstüber Wasserleitungs-Röhren aus verschiedenem Material ge-macht hat. Es wurde dadurch ein äufserst schätzbares Materialaus den Städten London, Paris, Rom, Brüssel, Petersburg,Wien, Berlin, Dresden, Stuttgart, Carlsruhe und Frankfurt a.M.und auch durch Berichte aus Augsburg, Nürnberg gesammelt,welches der Ober-Baurath Beyschlag in einem vortrefflichenAufsätze in dem Kunst- und Gewerbe-Blatt des polyt. Vereinsfür Bayern, Jahrgang 1856 S. 196 seq. zusammengestellt hatund welcher bei Bearbeitung dieses Abschnittes mit benutztworden ist Diese Abhandlung enthält aufserdem interressanteMittheilungen über die Röhren zu Soolenleitungen in Bayern,verbreitet sich auf Grund der eingezogenenen Erkundigungenüber die Wahl der Röhren zu Wasserleitungen und über dieArt der Zusammenfügungen derselben, durch Zeichnungen er-läutert, und enthält am Schlüsse Mittheilungen über die Preisevon Wasserleitungs-Röhren von verschiedenem Material undaus verschiedenen Bezugsquellen.

II o 1 z - R ö h r e n.

Das Holz, obgleich wohl das älteste Material, welcheszu Wasserleitungs-Röhren verwendet wurde, wird doch fastüberall wegen seiner geringen Dauer und der deswegen oftvorkommenden Auswechselung und der daher sich ergebendenKostspieligkeit, immer mehr durch Röhren aus anderem Materialverdrängt. Ist das Holz in Verwesung übergegangen, so theiltes dem Wasser einen faulichten Geschmack mit. Hölzerne Was-serleitungs-Röhren dauern, je nach der Erdart in der sie ver-legt wurden, nur etwa 10—20 Jahre. Die Mittel zur Erhal-tung;: als Anstreichen mit Holztheeröl, Steinkohlentheer etc.sind nicht nachhaltig.

Zu Soolenleitungen verwandt, dauern Röhren 39 — 40Jahre.

Die Soolenleitungen der vier Salinen in Bayern, durchwelche die künstliche auf 26.}° gesättigte Soole aus dem Salz-bergbau zu Berchtesgaden nach Reichenhall und von daunter Beimischung einer reichen, dann graduirteu natürlichenSoole nach 1 raunstein und Rosenheim geführt wird, habeneine Gesammtlänge von 460,528 Fufs. Mit Ausschluss von kaumeiner Meile der Röhrenfahrt aus Gufseisen, besteht diese Längeaus hölzernen Röhren.

Nach den, von den bayerischen Salinenbaubeamten ge-machten Wahrnehmungen, hängt die Dauer des Holzes wesentlichvon der Beschaffenheit des Holzmaterials und diese wiederumvon dem Standorte ab, auf welchem dasselbe gewachsen ist.Nicht minder kommt die Zeit der Fällung, die Dauer derAuslaugung, sowie die Tiefe, in welcher die Röhren liegen,und endlich die Beschaffenheit des Bodens in Betracht,welchen die Leitung durchfährt. Fichten- und vorzüglich