Buch 
Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
Entstehung
Seite
43
JPEG-Download
 

43

Tannenholz auf steinigtem Boden gewachsen, von geschlosse-nem Wüchse d. i. von dichter Textur und im November oderDezember gefällt und 5 — 6 Jahre ausgelaugt, giebt haltbareRöhren; im Lehmboden ist bei den Soolenleitungen, unter gün-stigen Umständen, eine Dauer von 30 — 40 Jahren nachgewie-sen, während Holz bei Leitungen süfsen Wassers nur höchstens20 Jahre dauert. Auch ist dargethan, dafs die Röhren von In-nen deswegen nicht angegriffen werden, weil, die Röhrenwändeschnell mit Niederschlägen von schwefelsaurem Kalk (Gyps)überzogen werden. Diese Niederschläge wachsen aber durchtheilweise Krystallisirung im Verlauf von 5—7 Jahren so an,dafs der Durchflufs der Soole behindert wird, daher die Röh-ren gereinigt werden müssen, was dadurch geschieht, dafs circaalle 7 Jahre statt der Soole süfses Wasser eingeleitet wird, wel-ches die Röhren in 6—7 Wochen bis auf die feste, unmittel-bar an den Wänden aufsitzende Kruste, reinigt.

Diese Kruste ist so fest und unzerstörbar, dafs viele Fällevorkamen, wo das Holz gänzlich verfault gefunden und dieLeitung doch nicht unterbrochen Avurde.

Die meisten Reparaturen kommen an den Holz-Röhrendurch das Rosten der eisernen Verbindungsbüchsen vor, inwelchem Falle jedoch die Röhren keineswegs unbrauchbarsind, sondern nur an beiden Enden abgeschnitten und zumTheil frisch ausgebohrt und verwendet Averden.

Marmor- Röhren.

zeichnen sich durch ihre eigenthümliche, schöne Glätte* ausund verhindern dadurch das Anlegen von Schlamm. In Prag,avo man vielfach Marmor-Röhren zu Wasserleitungen verwendethat, beAvähren sie sich sehr gut und Aviderstehen, nach denVersuchen, einem bedeutenden Wasserdruck; sie sind jedochim Allgemeinen zu kostspielig und werden nur da, wo dasMaterial in der Nähe sich vorfindet, eine billigere und grö-fsere Venvendung zulassen.

Der Architekt Krann er in Prag hat eine Methode „Marmorzu bohren“ erfunden, wodurch Wasserleitungen aus diesemMaterial billiger herzustellen sind als selbst mittelst gufsei-serner Röhren, Avährend jene Marmor-Röhren, deren Inneresdurch dieses Bohrverfahren so glatt Avird, als wären sie ge-schliffen, den Vortheil besitzen, dafs sie nirgends Unreinigkeitenansetzen, noch von den chemischen Bestandteilen des Wassersangegriffen Averden können. Der Erfinder ist bereits für Oester-reich und Bayern patentirt. Dies Verfahren kann nicht nurbeim Marmor, sondern auch bei andern nicht porösen Steinen,wie bei dichtem Kalkstein u. s. w. die im Bruche weich sindund an der Luft hart werden, Amvendung finden*).

Sandstein-R Öhren

sind im Grofsen zu Wasserleitungen, in Dresden, Prag undRegensburg verwendet worden.

In Dresden werden täglich 400,000 Cubikfufs Wasserin einer Leitung von 180,000 Fufs Länge den Strafsen undPlätzen, soAvie 800 Hausbesitzern, zugeführt.

Die dortigen Röhren sind in Quader-Sandstein gebohrt. DasRöhrbohrwerk an der Elbe bei Dresden wurde 1838 auf Kostender Stadt, durch Herrn Blochmann, nach eigenthümlicherConstruction eingerichtet. Nach gemachten Versuchen con-struirte derselbe einen Bohrer, welcher so eingerichtet war,dafs er Avährend des Bohrens selbst seine Schärfe ergänzteund gelang es ihm durch neu construirte Vorrichtungen, Röhrenvon 2—11 Zoll Bohrweite und 5 —10 Fufs Länge in festenSandstein, von einer Seite geradlinig bohren zu können. Dieeinzelnen Bohrmeifsel werden, statt in offenem Holzkohlen-

*) Dingler’s polyt. Journal. Jalirg. 1843 pag. 235.

feuer, in 2 Zoll weiten gufseisernen Röhren, Avelche durch Coaksoder Steinkohlen zum Glühen gebracht Averden, ohne Berüh-rung mit diesem Brennmaterial geglüht, gehärtet und danngeschärft, und diese Meifsel sonach in der Bohrvorrichtungvermittelst Blei, vereint befestigt, wodurch bedeutende Erspar-nisse an Brennmaterial, Zeit und Stahl herbeigeführt Avurden.

Die viereckigen Sandstein - Quadern Averden nicht in lie-gender, sondern in verticaler Richtung mittelst Dampfkraftdurchbohrt, und das Bohren selbst Avird mehr durch Stofs be-Avirkt. Die inneren Wandungen jedes Rohrs erhalten als Schutz-mittel gegen Filtration einen Ueberzug von Portland-Cementin der Stärke von - — Zoll.

Das Herbei- und Himvegschaffen der Quadern geschiehtauf Eisenbahnen, in verschiedenen Höhen über einander mitLaufkrahnen versehen, Avodurch, Avie der Verfasser sich beiseinem Besuche dieses Bolirwerkes im Sommer 1860 über-zeugte, die Quadern von 4 — 40 Ctr. von den Lagerplätzennach der Bohrmaschine, und umgekehrt, in einigen Minutentransportirt, aufgestellt und gelagert Averden konnten.

Das Verlegen der Sandstein-Röhren wird mittelst trans-portabler Eisenbahn mit beweglicher Hebemaschine bewirkt.Im August 1842 wurde mit dem Verlegen der Sandstein-Röhrenbegonnen und die Wasserleitung 1850 vollendet.

Ueber die Brauchbarkeit sandsteinerner Röhren zu Was-serleitungen wurden vor Herstellung dieses Bohrwerks inter-essante Versuche angestellt, die in einem vortrefflichen Auf-sätze „Beiträge zur Geschichte der Wasserleitung von Sand-stein-Röhren in Dresden“ in der deutschen Gewerbe-Zeituno-von Wieck 1858 S. 121 seq. mitgetheilt sind.

Es Avurde, um die von dem Herrn Brandt bei Pirnaaus Cottaer Sandstein von beiden Seiten gebohrten Röhrenvon 4 Fufs Länge zu prüfen, eine Röhrenleitung von ange-messener Länge damit ausgeführt.

Beim Anlassen dieser Leitung mit Wasser ergab sich je-doch, dafs eine grofse Anzahl der Röhren wegen Porositätder Steine, wieder herausgenommen und durch andere ersetztAverden mufsten, obgleich nur ein Druck von circa 10 FufsWasserhöhe darauf einwirkte.

Röhren von festem, nicht filtrirendem Sandstein Avurdennun angefertigt und sodann ein Versuch zu einem Vergleichedieser in festen Stein gebohrten Röhren mit denen des HerrnBrandt, in Betreff der Porosität, angestellt.

Es wurde eine Brandfische Röhre von 3 Zoll Bohnveiteund 4 Fufs Länge in Cottaer Stein gebohrt, an dem unternEnde verschlossen und senkrecht auf eine trockene Unterlageaufgestellt, um sich so von der Dichtheit des Verschlussesüberzeugen zu können. Ebenso verfuhr man mit einer, inNiederkirchleithner festen Sandstein, im Dresdener Bohrwerkgebohrten Röhre A r on derselben Bohrweite, man füllte dieBrandfische Röhre ganz voll, die andere ebenfalls auf 4 FufsHöhe und erlangte dadurch folgendes Resultat:

Das Wasser sank

in der Brandt’sclien

in der Röhre von Nie-

Röhre aus Cottaer

derkirchleitliner Sand-

Sandstein :

stein aus dem Dres-

in der ersten Stunde

. 22 Zoll .

Jener Bohrwerke:

. . 2i Zoll

in der zweiten Stunde

. 17 „ •

• • Ijj 55

(Die Brandfische RöhreAvurde von Neuem gefüllt.)in der dritten Stunde

• 17| „ .

• • 11 „

in der vierten Stunde

• 16 , .

(Die Brandfische Röhrewurde von Neuem gefüllt.)in der fünften Stunde

• 16i .

1

• • 9 y>

Summa 89 Zoll .

. . 6| Zoll

12