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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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Gufseiserne Röhren

haben bisher die allgemeinste Anwendung gefunden und sichals vorzüglich bewährt.

Röhren der alten Wasserwerke in Sanssouci bei Potsdam,welche seit 1752 in Verwendung waren, konnten 1840 wiedergebraucht werden.

Die eisernen Röhren äufsern keinerlei nachtheiligen Ein-flufs auf das Trinkwasser und das anfängliche Röthlichfärbendes Wassers bei neuen Röhren verliert sich bald wieder. Dadas Eisen unter dem Einflüsse der Luft, des Wassers und derdarin befindlichen Kohlensäure bald rostet und der einmal be-gonnene Rost sich mehr oder weniger schnell fortsetzt, je nachden besondern Eigenschaften des Eisens oder des Wassers, soist vorgeschlagen worden, den Röhren keinen gröfsern Durch-messer zu geben, als das durchzuführende Wasser - Quantumerfordert. Eine von Innen und Aufsen angewendete warmeTünche von Kalk (Kalkhydrat) schützt die Röhren gegen Rost.Eiserne Röhren können nicht benutzt werden, wo das Braun-gelbfärben durch eisenhaltiges Wasser nachtheilig ist, wie z. B.für Wasch-Anstalten, Papier-Mühlen u. s. w. Bei alten Röhrenfinden sich nicht selten Eisenhydratknollen, deren Ursache derim Wasser enthaltenen Luft und dem verwendeten grauenGufseisen zugeschrieben wird. Solche Röhren werden ausge-glüht und dann wieder verwendet. Bei Soolenleitungen habensich gleichfalls gufseiserne Röhren bewährt. Die Wändewurden mit einem Gypsniederschlage überzogen, welcher derBildung des Rostes entgegenwirkte.

Röhren von Eisenblech

inwendig verzinnt, oder mit Erdharz oder Cement ausgefütter-ten Wandungen, sind noch wenig zu Wasserleitungen in Anwen-dung gekommen.

Blei-Röhren

wurden schon in den ältesten Zeiten und in grofser Ausdeh-nung angewendet. Allein dieselben sind schon bei der erstenAnschaffung theuer und erfahrungsmäfsig von keiner grofsenDauer, sie halten 50—70 Jahre und müssen dann umgegossenwerden, wenn, wie häufig geschieht, dieselben durch eine Kru-ste von kohlensaurem Kalk verstopft wurden. Meistens wer-den sie nur von kleinem Querschnitte verwandt und insbeson-dere da, wo Biegungen und Krümmungen Vorkommen, diesich mit diesem Material leicht hersteilen lassen.

Ueber die Anwendung des Bleies, und beziehungsweiseüber dessen nachtheilige Einwirkungen auf die Gesundheit,sind die Urtheile mehrfach widersprechend.

Der Professor Herr Coppeni in Gent macht auf die Nach-tlieile der Anwendung des Bleies bei kohlensaurem oder chlor-haltigem Wasser aufmerksam. Es bilden sich kohlensaureBleiabsonderungen, der kohlensaure Kalk schlägt sich niederund verstopft die.Röhren und zerreibst dieselben.

Auch wird angeführt, dafs sich in den Röhren Bleiblütheansetze, aus welcher das Wasser eine Zeit lang Bleiweis auf-lösen kann. Daraus ergiebt sich, dafs das Blei hin und wiedervon nachtheiligem Einflüsse auf die Gesundheit ist, und eswurde dabei an die Bleivergiftung der Familie Louis Philipps,im Schlosse zu Clermont, erinnert.

Andrerseits wird bemerkt, dafs die Oxydation des Bleiessich so schnell entwickelt, dafs dieselbe die innern Röhren-wände gleichsam mit einem Firnifs überzieht. Es wird zwar'zimeo-eben dafs die Zusammensetzung des Wassers einen Ein-

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flufs auf die Veränderung des Bleies ausübe, aber auch ange-führt, dafs die in dem Wasser enthaltenen Säuren die Wirkungvermindern, ja ganz auf heben können.

Nach den in neuster Zeit angestellten Untersuchungen an

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verschiedenen Orten geht unzweifelhaft hervor, dafs das Bleiunter Umständen, je nach Beschaffenheit des Wassers, einennachtheiligen Einflufs auf die Gesundheit ausübt und dies Ma-terial, im Allgemeinen in den Fällen, wo das durch solcheRöhren zugeführte Wasser als Getränk oder zu Speisen ver-wendet werden soll, wohl nicht zu empfehlen ist. Wegen sei-ner Fähigkeit, jede beliebige Biegung anzunehmen, wird manes jedoch bei Wasserleitungs-Röhren von kleinen Querschnit-ten nicht ganz ausschliefsen können.

Zinn-Röliren

sind in Belgien zu Wasserleitungen verwendet worden. DemZinn wäre unstreitig vor dem Blei der Vorzug einzuräumen,weil es sich aus Gesundheits-Rücksichten vorzüglich empfiehlt;allein das Rohmaterial ist zu theuer, und zinnerne Röhren wer-den daher, wie Glas-Röhren, nur in wenigen Fällen Anwen-dung finden.

Zink-Röliren

empfehlen sich noch weniger als jene von Blei, weil diesesMaterial nicht so biegsam ist als Blei und die Röhren dahernicht von langer Dauer sind.

Cement-Röhren

sind seit langer Zeit in Frankreich, England, der Schweiz undin Deutschland vielfach zu Wasserleitungen im Gebrauch.

In Frankreich namentlich wurden Wasserleitungs-Röhrenaus gutem hydraulischen Kalk-Mörtel bereits im Anfänge diesesJahrhunderts, insbesondere durch denProfessor HerrnFleuret,dargestellt, und im Grofsen angewendet*).

Die von demselben zu Pont-ä-Mousson gefertigten Röhrenaus künstlicher Steinmasse hatten 1 Meter 32 Centimeter (4Fufs) Länge, 21 Centimeter (8 Zoll) Dicke und einen lichtenDurchmesser von 8 Centimeter (3 Zoll). Drei Monate nachihrer Anfertigung wurden dieselben transportirt, und obgleichsie nun auf dem Pflaster über eine Meile weit fortgeführtwurden, so erlitten sie doch durch die zahlreichen und hef-tigen Stöfse des Wagens nicht den geringsten Schaden. VierMonate nach ihrer Anfertigung wurden dieselben Röhren, welchenun sehr schönen mit Bohrern ausgehöhlten Bruchstein-Röh-ren glichen, in einem Garten dem Frost ausgesetzt; sie bliebenhier den ganzen Winter hindurch mit Wasser angefüllt undan beiden Enden mit Stöpseln von Töpferthon verschlossen,frei und senkrecht stehend zwischen der Schwelle und demSturz eines Thors, während das in den Röhren befindlicheWasser sehr stark zusammengeprefst war. Sie hatten sichwährend dieser Zeit nicht nur vollkommen gut erhalten, so

*) Die Versuche, wclelie Herr Fleuret aus künstlicher Steinmasse in einer Reihevon 24 Jahren gemacht, sind in dessem Werke: L Art de Composer des Pierres facticesetc. Paris 1807 beschrieben, wovon im Auszüge eine deutsche Uebersetzung unter demTitel: Anleitung zur Verfertigung künstlicher Steine, welche eben so hart wie der Kieselsind, 1836 in Nürnberg erschien.

Die im Grofsen aus künstlicher Steinmasse ansgeführten Werke, sowohl an freierLuft, als im Wasser, waren, nach dem Berichte des Präfecten der Meurthe an den Mi-nister des Innern d. d. April 1806, sowie nach den Zeugnissen des Ingenieur-Chefs desDepartements und mehrerer Stadträthe, von dem günstigsten Erfolg in Bezug auf Fe-stigkeit und Dauer.

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