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Hiernach nahm die Brandt’sche Röhre, aus Cottaer Sandstein,in 5 Stunden 02 9,105 Cubikzoll auf, während die aus dem Dres-dener Bohrwerk in Niederkirchleithner-Sandstein gebohrte inderselben Zeit nur 45,910 Cubikzoll aufnahm und nicht filtrirte.
Diese, sowie fernere fortgesetzte Versuche gaben die Ue-berzeugung, dafs Röhren von Niederkirchleithner - Sandsteindem Zwecke vollkommen entsprechen und die erforderlicheSicherheit gewähren, zumal wenn die innere Rohrfläche miteiner dünnen Cementschicht versehen wird. Diese Sandstein-Röhren sind wesentlich wohlfeiler als gufseiserne Röhren her-zustellen.
Vor etwa 10 Jahren ist in Regensburg von dem HerrnKranner und den Gebrüdern Rehbach gleichfalls eine Stein-bohrerei zur Herstellung vonWasserleitungs- und Pumpen-Röh-ren etablirt worden*). Das Eigenthümliche in der Anfertigungderselben liegt darin, dafs die Steinmasse, welche zur Bildungeiner Höhlung entfernt werden mufs, nicht als Bohrmehl, wiebei der Anfertigungs-Art der Röhren in Dresden, sondern inder Gestalt eines kleineren Cylinders herausgeschafft wird, wel-cher letztere dann auf gleiche Weise zu einer Röhre von gerin-gerer Bohrweite verarbeitet werden kann.
Als Material zu diesen Röhren dienen verschiedene Kalk-und Grünsandsteine aus den Steinbrüchen von Solenhofen, Eich-städt, Frauendorf, Beiingries, Riedenburg, Kelheim und Kapfel-berg. Die aus diesem Material gefertigten Röhren sind dichtund fest in der Masse, frei vom Durchsiekern des Wassersund widerstehen einem starken Wasserdruck. Die Bohrungderselben Uifst in Beziehung auf Genauigkeit nichts zu wün-schen übrig. An dem einen Ende besitzen sie einen abgedrehtenVorsprung, an dem anderen eine entsprechende Vertiefung(s. Fig. 19 S. 41), um die Verbindung der einzelnen Röhrstückemittelst Oelkitt oder Cement leichter bewirken zu können.
Vor den gufseisernen Wasserleitung^ -Röhren zeichnen siesich durch gröfsere Billigkeit, Reinlichkeit und Dauerhaftigkeitaus, indem in denselben weder eine Ansammlung von Schlammnoch eine allmälige Zerstörung durch Oxydation stattfindet.Auch können an den schon gelegten Röhren an jeder beliebigenStelle, durch Anbohrung Seitenableitungen angebracht werden.
Eine der gröfsern, mit diesen Röhren bereits ausgeführtenUnternehmungen, ist die 1851 vollendete Wasserleitung vondem Dorfe Deckbetten bis zum Jacobs-Thore in Regensburg,welche sich auf eine Länge von 10,000 Fufs erstreckt, dieöffentlichen Springbrunnen und viele Wohnhäuser Regensburgsmit Wasser versieht und seit dem Frühjahr 1852 zur allge-meinen Zufriedenheit im Gebrauch ist.
Die etwa nöthige Reinigung dieser Wasserleitung ist da-durch ermöglicht, dafs von 100 zu 100 Fufs keilförmig gear-beitete Einsatzstücke angebracht sind, die erforderlichen Fallsausgehohen werden können. Die zur Sperrung des Wassersnöthigen Wechsel sind ebenfalls in den Stein-Röhren eingekittet,so dafs sie viel leichter als aufserdem angewendet werden kön-nen, dadurch ungleich billiger zu stehen kommen und auf dieseWeise auch vor Beschädigung und Diebstahl gesichert sind.
Mit der Ausführung von Pumpbrunnen wurden ebenfalls-gelungene Versuche gemacht. An demjenigen Stück der Stein-Röhre, in welchem das Ventil sitzt, wird dann eine verschliefs-bare Oeffnung angebracht, durch welche das Ventil zur Rei-nigung herausgenommen werden kann, und es bietet daherein solcher Brunnen, gegen die hölzerne Brunnen-Röhre, denVortheil, dafs das Rohr nie abgehoben zu werden braucht,im Falle das Ventil gereinigt oder ersetzt werden mufs.
In England ist die Herstellung steinerner Röhren zu Was-serleitungen vielfach zu verschiedenen Zeiten in Anregung ge-kommen.
Nach dem Mechanic-Magazin und der deutschen Gewerbe-zeitung 1858 S. 124 war der erste Unternehmer in diesem Zweigeder Industrie Johann Tuite, der sich im Jahre 1734 ein Pa-tent auf steinerne Röhren ertheilen liefs. Es geschah aber nichtseher in der Sache, als bis Johann Elwick im Jahre 1743das Patentrecht an sich kaufte und das Parlament den Terminauf neue 14 Jahre verlängerte. Elwick verwendete mehreretausend Pfund auf Verbesserung dieser Erfindung, konnte sieaber nicht zur allgemein nützlichen Ausführung bringen.
Im Jahre 1805 liefsen Wright, und im Jahre 1810Murdoch, sich Patente auf steinerne Röhren ertheilen; estrat darauf hin eine Gesellschaft zusammen, die eine MengeStein-Röhren für die Wasserleitungs-Gesellschaften zu Londonund Manchester verfertigte; allein diese Röhren entsprachenden Erwartungen nicht und wurden wieder herausgenommen.
Glas-Röhren
sind in Belgien zu Wasserleitungen verwendet worden.
Das Glas empfiehlt sich aus Gesundheits - Rücksichten,durch seine Reinlichkeit sowie durch die erprobte Glätte seinerWandungen. Der allgemeinen Anwendung dieses Materials ste-hen jedoch die Kostspieligkeit und Zerbrechlichkeit entgegen.
Thon-Röhren
werden bei nicht hohem Wasserdruck zu Wasserleitungen von2 Zoll bis 11 Zoll lichtem Durchmesser vielfach verwendet; ohneGlasur werden sie jedoch bald durch Wasserpflanzen verstopft,besonders bei geringem Gefälle der Leitung. Gut glasirteThon-Röhren zeichnen sich durch Glätte aus und werden vonkeiner Feuchtigkeit, noch von Säure oder Gasen angegriffen. Wodieselben der Erschütterung und dem Drucke von darüber hin-rollenden Lastwagen widerstehen sollen, ist insbesondere Vor-sicht bei dem Verlegen solcher Röhren zu empfehlen, in diesenFällen auch auf eine angemessene Verstärkung der WandungenRücksicht zu nehmen. Beschädigungen kommen hei diesenRöhren meistens in den Verbindungen mit Muffen vor. DieseVerbindungen kommen dreifach soviel vor, wie bei eisernenRöhren; denn während die Thon-Röhren nur in einer Längevon. etwa 3 Fufs hergestellt werden können, lassen sich eiserneleicht in einer Länge von 9 —12 Fufs anfertigen.
Gegen Frost sind diese Röhren durch hinreichende Tief-legung zu sichern und dieselben wenigstens einen halben Fufstiefer zu legen, als nach den darüber gemachten Erfahrungender Frost in den Boden dringt, um die Röhren absolut vordem Gefrieren zu bewahren.
In thönernen, unglasirten Röhren, zur Entwässerung undTrockenlegung feuchten Bodens verwendet, hat man insbeson-dere die Bildung von Pflanzen wahrgenommen; es scheint die-selbe ihren Grund hauptsächlich in einer schlechten porösenBeschaffenheit der Röhren und auch wohl im trägen Wasser-lauf zu haben.
Geprefste und glasirte thönerne Röhren, sowie die vonSteingut und die von gemahlenen Kapselschärben und Thon[künstliche Steimnasse] erzeugten, zeichnen sich durch Dicht-heit in der Masse und grofsen Widerstand aus. Letztere wer-den in der Ihonwaaren-Fabrik des Herrn M arch in Charlot-tenburg vorzüglich schön gefertigt.
Solche Röhren haben nach den, durch den Herrn ProfessorDr. Kayser in München damit angestellten Proben einemhohen Wasserdruck widerstanden.
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) Kunst- und Gewerbe-Blatt für das Königreich Bayern. Jahrg. 1852 S. 737.