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dert sich aber, wenn der Portland -Cement den Erhärtungs-Procefs im Wasser durchgemacht hat; wird er dann bis zurVerjagung alles Wassers erhitzt und wieder mit Wasser an-gemacht, so zieht er viel schneller an, d. h. er bildet in kür-zerer Zeit eine zusammenhängende Masse, die im Wasser nichtzerfällt, ohne jedoch die Härte zu erreichen, die er beim er-sten Anmachen bekam. Durch den Erhärtungs-Procefs istbeim Portland-Cement die glasige Masse verändert und derfreie Kalk seiner Decke beraubt worden.
Schon der Herr Professor Pettenkofer in München(Dingl er’s polyt. Journ. Bd. 113, S. 357) beobachtete, dafssich Portland-Cement und ein bayerischer hydraulischer Kalkim frischen Zustande an der Luft ganz ungleich verändereund nahm dabei an, dafs beim Portland-Cement der Aetzkalkallseitig von einer glasigen Decke umhüllt sei, eine Annahme,die von dem Herrn Feichtinger durch Versuche dann gleich-falls bestätigt worden ist.
Dadurch, dafs die Kieselerde und die bereits vorhandenenSilicate Wasser aufnehmen, erhalten die Tlieilchen eine ge-wisse Geschmeidigkeit, und der Kalk, der im Wasser gelöstist, kann sich damit leicht verbinden.
Die Tlxätigkeit des Wassers ist demnach;
1) Eine Ueberfülinmg des freien Kalkes, der freien Kiesel-säure und der bereits vorhandenen Silicate in den Hy-dratzustand.
2) Den Kalk zu lösen, damit er in Verbindung mit Kie-selerde oder den Silicaten treten kann.
Der eigentliche Erhärtungsprocefs tritt ein in Folge derchemischen Verbindung von Aetzkalk mit hydratisirter Kie-selerde oder mit den bereits vorhandenen hydratisirten Si-licaten.
Hierdurch und durch die Aufnahme von Kohlensäure,und in Folge dieser durch die allmählige Ueberführung desbei der Erhärtung nicht gebundenen Kalkes in kohlensaurenKalk, erlangen die hydraulischen Mörtel eine Härte wie natür-licher Stein.
Zur vollkommenen Erhärtung eines hydraulischen Mör-tels im Wasser ist daher das Vorhandensein von Kohlensäuresehr wesentlich. Jedes Wasser enthält Kohlensäure, und wiebekannt, ist die Verwandtschaft des Kalkes zur Kohlensäuresehr grofs.
Man nahm an, dafs die beste, wenn auch anfangs etwaslangsamere Erhärtung unter Wasser stattfände, wo aufserdemdie gleichmäfsige Temperatur die richtige Entwickelung desKrystallisations - Processes begünstige.
Nach anderen Erfahrungen wird jedoch der höchste Härte-grad erreicht, wenn die ausgeführte Cement-Arbeit einemWechsel von Nässe und Trockenheit ausgesetzt wird,wenn man z. B. ein Stück Cement-Arbeit an der Luft liegenläfst, jedoch täglich ein Mal, oder einige Mal, circa 10 Minutenlang unter Wasser bringt. Es erklärt sich dies dadurch, dafsdie Möglichkeit, direct aus der Luft eine gröfsere Menge Koh-lensäure aufzunehmen, nicht ohne Einflufs auf den Erhärtungs-Procefs ist.
Bei der Erhärtung ganz unter Wasser ist allerdingsnicht so leicht die Gefahr vorhanden, dafs die Cement-Arbeitrissig wird, in sofern ist die Erhärtung unter Wasser sicherer,wenn auch nicht gröfser. Bei regelrechter Befeuchtungläfst sich indefs auch für die der Luft ausgesetzten Cement-Arbeiten die gleiche Sicherheit erreichen.
Dafs bei dem Erhärtungs-Processe des Portland-Cementsin der That eine Krystallisation stattfindet, ist durch dieBeobachtung, wovon der Herr Dr. Bleib treu in der Archi-tekten- und Ingenieur-Versammlung in Frankfurt a. M. 1860kurze Mittheilung machte, bestätigt worden.
Derselbe erwähnte, wie vor einiger Zeit bei der BonnerPortland-Cement-Fabrik beim Cement-Verladen eine Tonnein den Rhein stürzte und er diesem Unfälle jene Beobachtungverdanke.
Als nämlich die Tonne nach etwa 6 Wochen, bei inzwi-schen gesunkenem Wasserstande, ans dem Rhein herausgezo-gen wurde, bemerkte Herr Dr. Bleib treu beim Abschlageneines Stückes von dem zu einem festen Block erhärtetenCement auf der, dem hellen Sonnenschein ausgesetzten Bruch-fläche ein eigenthümliches Glitzern und Flimmern. Hieraufdurch die Loupe betrachtet, zeigte die ganze Masse durchwegein deutlich krystallinisches Gefüge. Eine mikroskopischeUntersuchung bestätigte die stattgefundene Krystallbildung.
Hiernach ist anzunehmen, dafs der gröfste Theil der er-härteten Cement-Masse aus durchscheinender und theilweiseselbst durchsichtiger Krystall - Substanz besteht. Es ist zuerwarten, dafs durch Winkelbestimmung sich die Krystallfor-men näher werden präcisiren lassen. Anscheinend sind rhom-bische Säulen, Rhombenoktaeder und rhombische Tafelformenvorherrschend. Vielfach zeigen sich nadelförmige Krystallein büschelförmiger und durcheinandergewachsener Gruppirung,ganz ähnlich den in der Natur vorkommenden Zeolithformen.Einige der, dem Herrn Dr. Bleib treu unter dem Mikroskoperschienenen, und von demselben aufgezeichneten Krystall-formen stellt die nebenstehende Figur 41 dar. Derselbe hat
seitdem diese Erschei-.... , . , „ 41 ‘ ... . . „ nung der entwickelten
Mikroskopische Krystalle von erhärtetem Bonner °
Porüand-Cement. Kry stallisation nicht
nur an jener havarir-ten Tonne, sondernallgemein an dem vonihm dargestelltenPort-land - Cement wahrge-nommen.
Es ist nun durchdie Untersuchungendes H.v. Fuchs in derWissenschaft längstfeststehende Thatsa-che, dafs die Erhär-tung der hydraulischenCeinente auf der Bil-
dung
wasserhaltiger
Kalksilikate beruhe,dafs gleichsam eine zeolithartige Verbindung entstehe. Dafsaber diese Silikatbildung in der That auch in den entspre-chenden Krystallformen erfolge, ist seither noch nicht beob-achtet worden ; es wurde vielmehr auf Grund mikroskopischerUntersuchungen (nach Feichtinger) angenommen, dafs dererhärtete Cement amorphe (gestaltlose) Massen bilde. Letz-teres scheint auch überall da der Fall zu sein wo die Be-dingungen zu entwickelter Krystallisation fehlen. Hierzu istvor Allem das Erfordernifs einer gewissen Zeit zu rechnen,bevor eine völlige Erstarrung des Mörtels eintritt. Wenn einezu rapide Erstarrung stattfindet, so kann unmöglich eine aus-gebildete Krystallisation sich entwickeln, oder wenn sie ver-möge der chemischen Kraft sich geltend machen will, so zer-sprengt sie das ihr voreilig entgegentretende Hindernifs derfrühzeitigen Erstarrung, und so entstehen dann die Risse undSprünge, die so vielfach an Cement-Arbeiten wahrgenommenwerden.
Bei langsam fortschreitender Erhärtung der Masse habendagegen die Bestandtlieile Zeit sich chemisch zu ordnen undzu ausgebildeten Krystallformen zu gruppiren. Wie wesent-lich letzteres für die Festigkeit und Härte der Cement-Arbeit