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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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3 Zoll hoch, einige Wochen bei mäfsigem Luftzug, ausgebrei-tet; derselbe ist später, ohne allen Nachtheil, zu einem Ent-wässerungs-Kanäle verwandt worden.

Zu den künstlichen Steinblöcken zur Erbauung der Wel-lenbrecher im Hafen von Cherbourg, in den Jahren 1845bis 1853, verwandte man fast auschliefslich theils Roman- undMedina-Cement aus der Fabrik von Francis & Sons in Lon-don, theils Portland-Cement aus der Fabrik von White inLondon. *)

Die Roman- und Medina-Cemente machten dadurch dieArbeit schwierig, dafs man bei ihrer schnellen Erhärtung oftnicht Zeit genug hatte, sie gehörig zu verarbeiten, besonderswährend der heifsen Jahreszeit; die Porti and-Cemente hin-gegen erhärteten zu langsam. Um eine Ausgleichung zwischendiesen beiden Eigenschaften herbeizuführen, machte man Blöckevon Mischungen aus beiden Cementgattungen zusammengesetztund zwar die eine Hälfte aus Portland- und die andere Hälfteaus Roman- oder Medina-Cement, öfter jedoch aus einer Mi-schung von ^ Theil Medina- und | Theil Portland-Cement.Ungefähr den dritten Theil der Blöcke zu den Dämmen sindaus diesen Cement-Mischungen gefertigt.

Die Blöcke wurden aus einem Mörtel von Cement undSand dargestellt und hatten einen Inhalt von 20 Cubik-Meter.

Bei der Verwendung von Medina- oder Roman-Cementnahm man 1 Theil Cement und l? i Theil Sand dem Volumennach, bei der Verwendung von Portland-Cement 1 Theil Ce-ment und 2 Theile Sand, und ein dazwischen liegendes Ver-hältnifs für die gemischten Cemente.

Eine Anzahl Blöcke von gemischten Cementen gefer-tigt, zeigte, einige Tage nach ihrer Anfertigung, sehr merk-liche Risse auf der Oberfläche, die bis in das Innere derMasse eindrangen.

Man liefs nun einige Blöcke von Portland - Cementallein, und andere von Medina-Cement allein, anfertigen,um zu erkennen, welcher von den beiden Cementen diese Be-schädigungen hervorbringe und um die Ursachen derselben zuermitteln.

Die Blöcke von Medina-Cement erhielten sich vollkom-men gut, bei den Blöcken von Portland-Cement hingegen mach-ten sich sehr bald tiefe Risse bemerkbar, welche bis zur Mittedes Blocks zu gehen schienen, und von denen einige mehrals 5 Centimeter Breite hatten. Drei bis vier von diesen Blöckenwaren dergestalt zerstört, dafs man kaum ihre ursprünglicheForm erkennen konnte.

Der Ingenieur schrieb diese Unfälle der Gegenwart vongebranntem, lebendigem Kalk (chaux vive) in dem Cementezu, der durch Unvollkommenheit in der Mischung der Be-standtheile, oder durch ungleichmäfsiges Brennen sich nochvorfinde. Er machte den Versuch, ungelöschten, pulverisirtenund durchgesiebten, dem Cemente an Feinheit gleichstehen-den Kalk mit Medina-Cement zu mischen und erhielt ähn-liche Wirkungen als die, welche bei dem schadhaften Port-land-Cement beobachtet worden waren. Andere Versuche, dieim Hafen mit Mischungen von gebranntem Gyps und Medina-Cement gemacht wurden, ergaben ähnliche Resultate.

Die chemische Analyse des schlechten Portland-Cements,welche in Cherbourg durch den Marine-Apotheker und sehrgeschickten Chemiker Herrn Besnou gemacht wurde, be-stätigte die Anwesenheit von schwefelsaurem Kalk (sul-phate de chaux) in ziemlich starken Dosen in diesem Cemente.

*) Travaux d’achevement de la Digue de Cherbourg de 1830 ä 1853 par M. Jo-seph Bonnin. Paris 1857, S. 172 seq.

Die Darstellungen künstlicher Blöcke und Platten in allen Grüfsen zu den ver-schiedensten Zwecken, und die dabei gemachten Erfahrungen bei englischen und fran-zösischen Hafenbauten, werden in den nächsten Lieferungen beschrieben werden.

Herr Vicat, von dem Director über diese Angelegenheit be-fragt, erwiederte:

„Die in Cherbourg gemachten Beobachtungen haben' sich„bei dem Portland-Cement, welchen Sie mir schickten, genau„wiederholt gezeigt, dessen Analyse hier folgt:

Analyse des

I. und II. Analyse in

Bestandtheile.

Herrn Vicat.

Cherbourg

gemacht

Wasser und Kohlensäure

3,20

2,25

—

Kieselerde.

21,20

19,56

20,05

Thonerde.

5,55

4,20

3,00

Eisen.

4,40

7,30

7,30

Kalk.

60,25

58,35

63,26

Magnesia.

—

0,90

0,82

Schwefelsaurer Kalk . .

5,40

9,25

6,66

100 ,oo

101,81

101,09.

„Meine Analyse ist in der Hauptsache von der Ihrigen„nicht verschieden. Wenn das Brennen der Bestandtheile„ des Cements nicht gleichmäfsig geschieht, kann es kommen,„dafs Theile von Kalk nicht genug in innige Verbindung mit„ den übrigen Massentheilen treten. Diefs allein würde schon„die Unfälle erklären, ohne den schwefelsauren Kalk, wel-cher das Uebel noch vergröfsert.“

Die Zahl der mehr oder weniger gerissenen Blöcke be-trug 43. Die Cementlieferanten nach Cherbourg beordert,um diese Unfälle zu besehen, kamen darin überein, dafs inder Fabrikation des Cements Mängel eingetreten seien, nament-lich dafs die Mischung der Bestandtheile, Kreide und Thon,nicht mit derselben Sorgfalt wie früher, behandelt wordenwäre, und dafs der Cement nach dem Brennen noch kausti-schen Kalk enthalte, dessen Löschen die beobachteten, zer-störenden Risse verursacht habe.

Was von dem schlechten Cemente noch im Vorrath blieb,wurde während einiger Monate im Magazin belassen und dannzu den Arbeiten, ohne weiteren Unfall verbraucht. Da selbstdie gerissensten Blöcke sich in ihren Theilen nach völligerErhärtung durch grofse Festigkeit auszeichneten, so wurdensie in angemessener Weise verwendet.

Aus diesen Darstellungen verschiedener Unfälle, welchedas Quellen natürlicher wie künstlicher Cemente nach ihrerVerwendung herbeigefübrt hat, geht hervor, dafs in Folgemangelhafter Fabrikation des Cements, insbeson-dere ein Gehalt an freiem Kalk durch nachträglicheAuflösung, das Quellen verursache.

Man könnte dagegen den Einwand erheben, wenn demso sei, so müsse ja auch bei gewöhnlichem Kalkmörtel, inwelchem in der Regel sich noch ziemlich viele mangelhaft ge-löschte Kalkkörner vorfinden, mit der nachträglichen Löschungderselben ein solches nachtheiliges Quellen Vorkommen. Stattdessen finde man im Gegentheil, dafs Kalkmauerwerke, an-statt zu quellen, sich sacken oder setzen. Zieht man aber inbeiden Fällen die näheren Umstände in Betracht, so ergiebtsich, um zunächst vom Kalkmörtel auszugehen, dafs wir hiervorwaltend freien ungebundenen Kalk, und zwar in einemsehr lockeren, voluminösen Zustande voraushaben. Indemder gebrannte Kalk sich löscht, dehnt sein Volumen sich aus;durch den Wasserzusatz bis zur Darstellung des verarbeitba-ren Kalkbreies, dehnt derselbe sich noch viel weiter aus.

Beim Austrocknen des Mörtels entstehen nun durch Was-serverdunstung nothwendig Poren durch die ganze Mörtel-masse hindurch. Theilweise tritt an Stelle des Hydratwassers,Kohlensäure, indessen wird dadurch das Volumen der betref-fenden Kalktheilchen nicht erheblich vermehrt, keinenfalls stehtdie dadurch bewirkte Volumen-Zunahme im Verhältnifs zuden, durch das Austrocknen entstandenen Poren. Da nun dieErhärtung des Kalkmörtels geraume Zeit hindurch eine sehrmäfsige ist, so ergiebt sich nothwendig durch den Druck der

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