67
„ Dafs der untersuchte Cement ein sehr guter sei, bezüg-lich seiner Bindekraft, seines Erhärtungs-Vermögens und„ seiner Fähigkeit, einen grofsen Sandzusatz zu vertragen. Mit„dem besten englischen Portland-Cement stimme derselbe hin-sichtlich der Farbe, Feinheit des Pulvers und des specifi-„ sehen Gewichts, sowie des Bindens, Erhärtens und des Sand-„ Zusatzes überein. “
Die bisher errichtete provisorische Fabrik, die den dop-pelten Zweck hatte, einmal schon vor Errichtung einer gro-fsen, gehörig organisirten Fabrik völlige Gewifsheit zu erhal-ten, ob die Darstellung des Cementes auch in gröfserem Maafs-stabe gelingen würde, und dann das neue Fabrikat bei dembauenden Publicum einzuführen und zur Geltung zu bringen,welche beide Zwecke vollkommen erreicht wurden, gestaltetesich nun auf Grund der in jeder Beziehung so erzielten gün-stigen Resultate, zu einer definitiven, auf einem ausgedehn-ten Betrieb basirten Fabrik.
Auf Anregung des Herrn Gutike bildete sich nun inStettin eine Actien-Gesellschaft zur Gründung der jetzigen„ Stettiner Portland - Cement - Fabrik “ in Züllchow beiStettin belegen, mit einem Grund-Kapital von 300,000 Thlr.,welche durch Königliche Bestätigung der Statuten, Corpora-tionsrechte erhielt. Die Fabrik wurde im Jahre 1855 invollen Betrieb gesetzt und ist seitdem in unterbrochener,schwunghafter Thätigkeit, bei einer Production von jährlich30—40,000 Tonnen Cement. Die Vorzüglichkeit des Fabri-kats hat sich allseitig im In- und Auslande schnell Anerken-nung errungen. Die Königliche Regierung in Stettin fand sichbereits 1855 veranlafst, das betheiligte Publicum auf dies Fa-brikat, „welches dem guten, unverfälschten Engli-schen Portland-Cement an Güte nicht nachsteht“,besonders aufmerksam zu machen. Auch auf der grofsen In-dustrie-Ausstellung in Paris, im Jahre 1855, wurde der Stet-tiner Portland-Cement-Fabrik die Preis-Medaille für ihren Port-land-Cement zuerkannt. Seitdem ist dieser Cement zu denmannigfaltigsten Wasser-, Brücken-, Kanal-, Häuser- und Ei-senbahn-Bauten, in Fabriken, Gas-Anstalten und Bergwerken,zu wirthschaftlichen Zwecken, wie zu Kunststein-Arbeiten u.s.w.mit gleich gutem Erfolge verwendet worden. So sind bei-spielsweise zum Bau der Stargard - Cöslin - Colberger Eisen-bahn allein circa 20,000 Tonnen Stettiner Portland - Cementverbraucht worden, und wie sehr derselbe sich dabei bewährthat, geht aus dem im Jahre 1859 der Direction der StettinerPortland-Cement-Fabrik ertheilten, sehr anerkennenden At-teste des Königlichen Geheimen-Bauraths Herrn Wiebe her-vor, welches dahin lautet:
„dafs dieser Cement bei den mannigfachen Ausführungen„sich überall dem besten englischen Portland - Cemente„gleich gezeigt und bewährt hat, dafs insbesondere das Fa-brikat immer frisch und in durchaus gleichmäfsiger Be-schaffenheit geliefert wurde, und dafs der daraus gebildete„Mörtel beim Erhärten weder ein Quellen, noch ein nach-„theiliges Schwinden gezeigt hat. Im Allgemeinen wurde„noch bezeugt, dafs alle Lieferungen pünktlich ausgeführt„wurden und die Verpackung sich besser als die, der eng-lischen Tonnen, sowohl auf dem Seewege, als auch bei„weiterem Landtransporte stets als fest und dicht bewährt„ hatte. “
Gleiche öffentliche Anerkennung hat das Fabrikat durchden Bau-Inspector und Professor am Königl. Gewerbe-Institutin Berlin Herrn Manger, in Folge der verschiedenartigstenPrüfungen und Versuche bei baulichen Ausführungen, im Ver-gleiche mit englischen Portland-Cementen, gefunden.
Bei den Militair-Bauten in Berlin, die der Verfasser aus-zuführen hatte, ist der Stettiner Portland-Cement seit Jahrenzu den verschiedenartigsten Arbeiten gleichfalls zur Verwen-
dung gekommen, und schliefst sich der Verfasser in Allemden obigen Zeugnissen an.
In Folge der stetig zunehmenden Nachfrage nach ihremFabrikat, hat die Direction der Stettiner Portland-Cement-Fabrik ihre Productions-Kraft gegenwärtig auf 60,000 TonnenCement pro Jahr erhöht, so dafs sie auch bedeutenden An-forderungen jederzeit zu genügen im Stande ist.
Seit dem Jahre 1856 trat an die Stelle des Herrn Dr.Bleibtreu, als technischer Dirigent der Herr Dr. Delbrück,und nach dem Ausscheiden des Herrn General-Consuls Gu-tike in demselben Jahre, wurde Herr Lossius zur Führungder Direction von den Actionären der Fabrik gewählt.
Herr Dr. Bleib treu hat mit der Stettiner Cement-Ge-sellschaft vertragsmäfsig eine Demarcationslinie vereinbart,wonach Derselbe für den Norden und Osten Deutschlands seinVerfahren der Cement-Fabrikation ausschliefslich an die ge-nannte Gesellschaft übertrug, während er für den Westen undSüden zur Anlage von Cement-Fabriken sich freie Hand vor-behielt, in Betracht, dafs durch die räumlichen Entfernungendie Concurrenz beiderseitiger Unternehmungen ausgeschlos-sen wird.
Nach Vollendung der Aufgaben, welche Derselbe sich inStettin gestellt, hat Hr. Dr. Bleibtreu nunmehr auch in demreservirten Bezirke seine Erfahrungen in der Cement-Fabri-kation zur praktischen Geltung gebracht. Seine persönlichenBeziehungen zum Bonner Bergwerks- und Hütten-Vereine ga-ben den Anlafs, diesem Actien-Institute die Ausbeutung derCement-Industrie vorzugsweise anzubieten, und in Folge des-sen ist seit 1857 in grofsartiger Weise
die Portland-Cement-Fabrik bei Bonn
am Rheine belegen, von diesem Vereine gegründet worden.
Durch Auffindung geeigneter Materialien und vorgenom-mene Versuche, gelangte der Herr Dr. Bleibtreu zu derUeberzeugung, dafs hier ein Product von gleicher Güte, wiedas in der Stettiner Fabrik von ihm dargestellte, gewonnenwerden könne, und dafs die Productions-Kosten sich bei demerheblich wohlfeileren Brennmaterial geringer herausstellenwerden, als in der Stettiner Fabrik, die auf theure englischeSteinkohle angewiesen ist.
Die Absatz-Frage ist gleichfalls einer sehr reiflichen Prü-fung unterzogen, und es ist namentlich erwogen worden, inwie weit der am Rhein vorkommende Trafs einem ausgedehn-ten Cement-Verbrauche hinderlich entgegenstehen könnte. Esstellte sich indefs unzweifelhaft heraus, dafs für den massen-haften Verbrauch des Portland-Cements vorzugsweise einFeld des Absatzes sich eröffne, welches der Trafs-Mörtelwegen seiner Eigenschaften überhaupt nicht zu betreten ver-mag. So schätzbar auch immer der Trafs, in Ermangelungbesserer Cemente, zu Bauten ganz unter Wasser oder in derErdfeuchtigkeit ist, so hält derselbe doch gegen Portland-Cement, was die Zeit der Erhärtung und den Härtegrad anbe-trifft, bei Weitem nicht den Vergleich aus, und zu Mauer-werk, welches abwechselnd der Luft und dem Wasser, oderfeuchter Luft ausgesetzt ist, ist der Trafs unzuverlässig, indemer dem Froste nicht gehörig Widerstand leistet.
Zu solchem Mauerwerk aber wird der allen Witterungs-Einflüssen Trotz bietende Poi'tland-Cement vorzugsweise an-gewandt; sodann zu solchen Constructionen, die eine beson-dere Festigkeit bedingen; ferner als Mörtel zum Ausfugen undzum Bewurf, und endlich zur Darstellung künstlicher Stein-Massen, einer neuen Industrie, die schon bei den hohen Prei-sen der englischen Cemente, gegen die Steinmetz-Arbeit invieler Beziehung lebensfähig aufzutreten begann, und der dieErmäfsigung der Cement-Preise durch die inländische Pro-
18