Die Babylonier.
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von Milet gegründeten und stark besuchten Schule wegen rühmte. ’)Aelterer Zeit als alle diese Angaben gehört der biblische Bericht an,welcher von einer Sonnenuhr zu erzählen weiss. Er geht hinauf bisauf König Alias von Juda, dessen Regierung von 743 — 727 währte. 5 )Wenn in jenem Berichte der Schatten am Zeiger Alias 10 Stufen(oder Grade) hinter sich zurückgiug, die er war niederwärts gegangen,so ist diese Beschreibung von grösster Deutlichkeit, mag man überdas beschriebene Ereigniss selbst denken, wie man will. Wir könntenauf eben diese Stelle zum Ueberflusse noch hinweisen, um sie alsBeleg altasiatischer Kreiseintheiluug zu benutzen, wenn ein solcherBeleg noch irgend erwünscht scheinen sollte.
Fassen wir wieder zusammen, was auf geometrischem Gebieteden Babyloniern bekannt gewesen ist, so haben wir Gewissheit fürdie Theilung des Kreises in 6 Tlieile, dann in 360 Grade, Gewissheit fürdie Kenntniss von Parallellinien, von Dreiecken, Vierecken, Gewiss-heit für die Herstellung rechter Winkel. Wahrscheinlich ist dieKenntniss der Gleichheit zwischen Halbmesser und Seite des demKreise eingeschriebenen regelmässigen Sechsecks, wahrscheinlich dieBenutzung des Näherungswerthes n = 3 bei Bemessung des Kreis-umfanges. Möglich endlich ist die Prüfung rechter Winkel durchdie Seitenlängen des ein für allemal bekannten Dreiecks 3, 4, 5.
Die Hoffnung bleibt für Babylon wie für Aegypten nicht aus-geschlossen, dass Auffindung und Entzifferung neuer Denkmäler esnoch gestatten werden, die kaum erst seit wenigen Jahrzehnten festergestützte Geschichte der Geistesbildung jener Länder umfassender zugestalten. Für die Geschichte der Mathematik in den Euphratländernbergen, wie wir schon gesagt haben, vielleicht die Schutthügel vonSenkereh noch Unschätzbares. Es muss wohl die Mathematik dorteine erzählenswerthe Geschichte erlebt haben, wenn wir auch nurdaraus schliessen, dass sie alten Schriftstellern würdig däuchte sichmit ihr zu beschäftigen. So wird berichtet, ein gewisser Perigeneshabe über die Mathematiker von Chaldäa geschrieben 5 ), wenn dieseLesart der an sich viel weniger wahrscheinlichen „über die Mathe-matiker von Chaleidien“ vorzuziehen ist, und Mathematisches enthieltjedenfalls auch das umfassende Werk des Jamblichus von Chalcis über Chaldäisches, aus dessen 28. Buche eine Notiz sich erhaltenhat. 4 ) Nur um Missverständnissen vorzubeugen, welche auch bei
') Die von Bail ly, llistoire de Vastronomie ancienne. Paris , 1775, Livre IV,§ 35 und 36 ausgehende Meinung, als seien zwei Berosus zu unterscheiden,der von Kos und der Historiker, ist von neueren Fachgelehrten entschieden ver-worfen. s ) Jesaia 38, 8 und II. Könige 20, 11. Die Datirung nach Oppert,Solomon et ses successeurs. 3 ) Nesselmann, Die Algebra der Griechen, S. 1—2.J ) Zeller, Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwickelung111. Theil, 2. Abthlg. 2. Auflage. Leipzig , 1868, S. 615.