Mathematiker ausserhalb der pythagoreischen Schule.
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Alterthume schweigen entweder über einen Lehrer, dem er gefolgtwäre, oder sie nennen ihn Schüler des Anaximenes. Wieder Anderewissen von einer Studienreise nach Aegypten zu erzählen. Die erstereAngabe lässt sich mit dem gemeiniglich auf 499 angesetzten Todes-jahr des Anaximenes nicht vereinigen. Die zweite ist an sich nichtunwahrscheinlich, da, wie wir bei Thaies und Pythagoras gezeigthaben, ein Handelsverkehr zwischen den ionischen Städten und Aegypten stattfand und selbst Studienreisen wohl beglaubigt sind.
Von dem was Anaxagoras als Mathematiker leistete sind wir soziemlich, davon wie er es leistete gar nicht unterrichtet. Dass esetwas Hervorragendes gewesen sein muss, lässt sich zum Voraus er-warten, da dem Mathematikerverzeichnisse zufolge Platon ihn einenberühmten Geometer nennt, Platon , der selbst von Geometrie verstand,was nur damals von ihr vorhanden war.
Plutarch erzählt, Anaxagoras habe im Gefängnisse, das wärealso um 434, die Quadratur des Kreises gezeichnet. 1 ) Sofraglich dieser Gericht früher erscheinen mochte, jetzt ist er sehrglaubwürdig geworden, nachdem wir wissen, dass die Aegypter mehrals ein Jahrtausend vor Anaxagoras die Quadratur des Kreises zeich-neten, d. h. eine Figur construirten, welche als Quadrat die Flächedes Kreises mehr oder weniger genau darstellte. Dass Anaxagoras der mangelnden Genauigkeit sich voll bewusst gewesen sein sollte,ist nicht- anzunehmen. Er wird wohl, wie Viele nach ihm, die volleQuadratur zu erreichen gesucht haben. Aber auch darin liegt einVerdienst, eine Aufgabe an die Tagesordnung gebracht zu haben,welche später als fruchtbringend sich erwies.
Ein anderes Verdienst schreibt Vitruvius dem Anaxagoras zu.Als Aeschylus in Athen Dramen aufführen liess, also etwa um 470,habe ein gewisser Agatarchus die Schaubühne hergerichtet undeine Abhandlung darüber geschrieben. Daraus haben sodann Anaxa-goras und Demokrit Veranlassung genommen den gleichen Gegen-stand zu erörtern, wie man die gezogenen Linien den aus den Augenkommenden Sehstrahlen bei Annahme eines bestimmten Mittelpunktesentsprechend ziehe, so dass z. B. Gebäude auf Dekorationen dar-gestellt werden konnten, und was in einer Ebene gezeichnet war baldzurück zutreten, bald vorzurücken schien. 2 ) Das ist wenn auch in un-genügender so doch in nicht misszuverstehender Weise beschriebeneine Perspektive. Deren Erfindung oder Ausbildung ist sicherlichnicht ohne Bedeutung, namentlich wenn die Reise des Anaxagorasnach Aegypten als wahr gelten darf, da er dort sein Auge nur anunperspektivisch entworfene Gemälde zu gewöhnen im Stande war,
') l’lutarchus, 7)c exiho cap. 17 «H’ ’j4va%ay6(>a$ u'sv tv uö äeautozTjQÜorav t ov Kvxlov TiTQecyavtGuöv fyQaipt. *) Vitruvius VII, praefat. 11.
Caxtor, (»eschiclite der Matliem. I.