Band 
Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
Entstehung
Seite
162
JPEG-Download
 

162

Kapitel VIII.

und die gewohnte Darstellung ihn eben so wenig gehindert habenwird als Tausende, die vor ihm, die nach ihm bewundernd die bemaltenTempelwände anstaunten.

Der andere von Platon hochgestellte Geometer, Oinopides vonChios , ist uns weniger bekannt.. Er sei etwas jünger als Auaxa-goras, meldet das uns in jeder Beziehung glaubwürdige Mathematiker-verzeiclmiss. Eine annähernde Gleichaltrigkeit beider bestätigtDiogenes Laertius.') Oinopides soll gleichfalls in Aegypten gewesensein. Gekommen sei zu ihnen ingleichen Demokritus von Abdera undOinopides von Chios,*) meldet Diodor an einer früher (S. 128) vonuns angeführten Stelle. Geometrisches wissen wir von Oinopides nur,was Proklus in seinem Conmieutare zum ersten Buche der euklidischenElemente ihm zuschreibt, 3 ) dass er nämlich die beiden Aufgaben ge-löst habe,von einem Punkte ausserhalb einer unbegrenzten Geradenein Lotli auf Letztere zu fällen und an einem in einer Geradengegebenen Punkte einen Winkel anzulegen, der einem gegebenenWinkel gleich sei. Bei ersterer Aufgabe bedient sich Oinopides des„alterthiimlichen“ Wortes (S. 136) einer nach dem Gnomon gerichtetenLinie. Aus dem ungemein elementaren Gegenstände der ihm zu-geschriebenen Aufgaben einen Schluss auf die Verdienste des Oino-pides ziehen wollen, hiesse Platon jede Urtheilsfähigkeit absprechen.Er muss noch Anderes und Bedeutenderes geleistet haben, was wiraber nicht kennen. Seine Beziehung zu den beiden Aufgaben desLothes und der AVinkelanlegung ist gewiss dahin richtig gedeutetworden, 5 ) Proklus wolle nur sagen, die bei Euklid gelehrten Auf-lösungen rührten von Oinopides her, während andere Auflösungen der-selben dem Praktiker auf Weg und Steg vorkommenden Aufgabenlängst vorher in Aegypten wie in Griechenland bekannt gewesensein müssen.

Im Zusammenhang mit beiden Geometern, mit Anaxagoras wiemit Oinopides, haben wir einen dritten genannt: Demokritus . Ab-dera, jenes thräkische Krähwinkel des Alterthums, von dessen Be-wohnern die schnurrigsten Geschichten erzählt werden, war die llei-niatli des Demokritus , dessen Kulim, so bedeutend er war, nicht hin-reichte, das Abderitenthum in Schutz zu nehmen. Nach eigener Aus-sage 40 Jahre jünger als Anaxagoras 6 ) muss er um 460 geborensein. Nach Diodor sei er dagegen im 1. Jahre der 94. Olympiade,das ist 404 auf 403, im Alter von 90 Jahren gestorben, 7 ) was einenunlösbaren Widerspruch herstellt. Beglaubigt ist, dass Demokritus ein hohes Alter von mindestens 90 Jahren erreichte; manche Be-

') Diogenes Laertius IX, 37 und 41. 2 ) Diodor 1, 90. 3 ) Proklus

(ed. Friedlein) 283 und 333. 4 ) Euklid I, 12 und 23. 5 ) Bretschneider

S. 65. 6 ) Diogenes Laertius IX, 41. 7 .) Diodor XIV , 11.