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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XII.

makedonischen Reitermantels war der Plan der Stadt entworfen.Den Namen führte sie nach dem, dessen Machtgebot sie entstellenliess, Alexandria . 1 )

Hauptstadt Aegyptens hatte Alexandria alle Anlage das zu werden,als was Alexander selbst sie vielleicht dachte, die Hauptstadt einerWeltmonarchie von kulturbringendem Charakter, einer Monarchie,welche die verschiedenst gearteten Völker einander näher bringen,ihre Gegensätze ausgleichen, ihnen allen den Schliff griechischerFeinheit gemeinsam machen sollte. Wir brauchen gewiss nicht aus-einanderzusetzen, wieso gerade in Aegypten der geeignete Ort fürdie Anlegung einer solchen Hauptstadt sich fand. Ilahen wir dochin der Wissenschaft, auf deren Geschichte es uns allein ankommt,Aegypten als ein Mutterland, wenn nicht als das Mutterland, erkennendürfen. Gereift und gekräftigt kehrte die Mathematik nach demLande ihres Entstehens zurück, und es war, als ob die Sage vondem lliesen, der die Muttererde berührend aus ihr neue Stärke zieht,zur Wahrheit werden sollte. Hier auf ägyptischem Boden erprobtensich Kräfte, wie sie bisher der Mathematik noch nicht zugewandtworden waren.

Eine in der Weltgeschichte mehr als einmal sich wiederholendeErfahrung lehrt, dass es in der Wissenschaft eine Mode gibt. Siepflegt nicht ohne Grund aufzutreten, sie entstammt nicht gerade denLaunen eines unberechenbaren Geschmackes, aber sie ist vorhanden,und ihrem Gesetze beugen sich die hervorragendsten Geister in demSinne, dass sie vorzugsweise der Modewissenschaft sich widmen. Sogibt es Zeiten, in welchen theologische Geisteskämpfe die grossenMänner beschäftigen, und Zeiten, in welchen der Kriegsruhm nur dieWissenschaft des Krieges des Denkers würdig macht; Zeiten, inwelchen vorzugsweise die Rechtsbildung gelingt, Zeiten, die zur Ent-wicklung des Schönen dem Gedanken und der Ausführung nach führen.Das war in dem Athen des Perikies der Fall gewesen, das hatte inder Schule Platons nachgelebt. Aristoteles und die Peripatetikerverbreiteten ein vielfach gediegeneres, vielfach nüchterneres Wissen,und Nüchternheit um nicht zu sagen Trockenheit ist der Stempel,welcher der ganzen alexandrinischen Literaturperiode aufgedrückt ist,einer Zeit, welche man etwa von den Jahrzehnten nach dem TodeAlexanders des Grossen bis kurz vor die Einverleibung Alexandrias in das römische Reich, etwa von 300 bis 50 v. dir., durch volle250 Jahre zu rechnen hat.

') lieber die alexandrinisclie Entwicklung vergl. die Abhandlung „Alexan-driner“ von 11. Volkniann in Pauly’s liealencyklopädie der classischen Alter-tumswissenschaft (II. Autlage) mit reichen Quellenangaben alter und neuerLiteratur.