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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XVI.

Afrikas , Era tosthenes, Solm des Eglaos geboren.') Er verbrachteden grössten Theil seines Lebens in Alexandria . Dort ward er er-zogen unter der Leitung seines Landsmannes Kal lim ach us, desgelehrten Vorstehers der grossen Bibliothek, sowie eines anderensonst unbekannten Philosophen Lysanias. Dann wandte er sich nachAthen , wo er der Schule der Platoniker sich näherte, sodass er selbstals Platoniker bezeichnet wird, und wo er wahrscheinlich auch zu-erst in das Studium der Mathematik eindrang. Ptolemäus Euergetes — der dritte Ptolemäer, wie Suidas erzählt, dem die Notizen für dasLeben des Eratosthenes fast ausschliesslich zu verdanken sind — be-rief Eratostlienes wieder nach Alexandria zurück als Nachfolgerseines Lehrers Kallimachus in der Vorstandsstellung bei der Biblio-thek , und von da an scheint sein Verhältniss zu diesem Fürsten wiezur Fürstin Arsinoe ein besonders freundschaftliches geworden zusein. Es ist folglich keinerlei Grund vorhanden anzunehmen, Era-tosthenes sei in späteren Jahren von der Bibliothek entfernt in’sElend gerathen, wenn auch andrerseits die Nachrichten allzu über-einstimmend sind um sie zu verwerfen, dass Eratosthenes augen-leidend, vielleicht sogar erblindet, seinem Leben ungefähr 194 v. Chr.durch freiwilligen Hungertod ein Ende machte.

Die wissenschaftliche Bedeutung des Eratosthenes war eine man-nigfaltige. Das Hauptgewicht scheint er selbst auf seine literarischeund grammatische Thätigkeit gelegt zu haben, wenigstens gab ersich den Beinamen des Philologen. Allein auch in den meistenanderen Lehrgegenständen trat Eratosthenes als Schriftsteller auf, wiedie erhaltenen Ueberschriften seiner Werke bezeugen, und sicherlichnicht mit Unrecht nannten ihn desslialb die Schüler des MuseumsPentathlon, den Kämpfer in allen fünf Fechtweisen, welche beiden Kampfspielen in Gebrauch waren. Um diese V ielseitigkeit zukennzeichnen mag nur der Schrift über das Gute und Böse nebender Erdmessung, des Werkes über die Komödie neben der Geo-graphie, der Chronologie neben dem Buche über die Würfel-verdoppelung gedacht sein.

In der Erdmessung war zum ersten Male von einem Griechender Versuch gemacht die Grösse der Erde genau zu bestimmen. Erfand den Grad zu 12G000 Meter, während die wahre Länge des-Breiten-grades in Aegypten 110802,6 Meter beträgt, so dass also Eratosthenesbei seiner Schätzung um fast 13 3 , Procent irrte, ein Irrthum, denman aber nicht so beträchtlich linden wird, wenn man erwägt, dass

') Vergl. Fabricius, llibliotheca Graeca (cd. Harless) IV, 120—127.Eratosthenis geogruphicorum fragmenta (ed. Seidel) Göttingen , 1789. G. Bern-hardy, Eratosthenica. Berlin , 1822 und desselben Verfassers Artikel EratoBt-henes in Erseh und Grubers Encyklopiidie. Eratosthenis Carmimun reliquiae(ed. Hill er) Leipzig, 1872.