Kapitel XXV.
Aeltestc Rechenkunst mul Feldmessung.
Wenn wir die Geschichte der Mathematik, wie sie auf italieni-schem Boden geworden ist, zum Gegenstände unserer Untersuchungmachen, so müssen wir fast mehr als bei anderen Schauplätzenmenschlicher Gesittung uns hüten Verschiedenartiges durcheinanderzu mengen. Der Süden Italiens ist es gewesen, wo die hellenischeBildung des Pythagoräismus ihre Bliithe hatte. Das geographischvon Italien nicht zu trennende Sicilien hat die mächtige KüstenstadtSyrakus entstehen sehen, und es ist ein halbwegs berechtigter National-stolz italienischer Gelehrter, wenn sie Pj’tliagoras und Arcliimedesihre Landsleute nennen. Aber freilich mehr als nur halbberechtigtkönnen wir diese Ansprüche auf den Ruhm der grössten Mathe-matiker des Alterthums für die eigne Vergangenheit nicht nennen,weil unserer Auffassung gemäss das Volk und die Sprache vor deinLande die Zugehörigkeit bestimmt, und desshalh waren uns jeneMänner Griechen. Zwischen den von Norden kommenden Kriegernunter deren Streichen Arcliimedes verblutete, nachdem er seine Vater-stadt gegen sie lange vertheidigt hatte, und denen, die im gleichenDialekte mit Archimed sprachen und schrieben, muss die Kultur-geschichte einen, Gegensatz erkennen lassen. Wir denken diesenGegensatz recht laut zu betonen, wenn wir in diesem Abschnitteunseres Bandes überhaupt nicht von italischer, sondern von römi-scher Mathematik reden. Mag ja auf italischem Boden Mancherleian mathematischem Wissen vorhanden gewesen seiii noch bevor Rom entstand. Wir leugnen es so wenig, dass wir den Spuren nach-zugehen bemüht sein ^werden. Immer aber soll, was wir linden, unterdem römischen Sammelnamen vereinigt werden.
Ueber die älteste Geschichte der Bevölkerung .des Landes vonNordosten her sind die Akten noch keineswegs abgeschlossen, wenn manauch gegenwärtig der Annahme zuneigt, eine altitalische Nation habesich gebildet in der Ebene des Po, nachdem sie vorher von denHellenen, dann von den Kelten sich getrennt hatte. 1 ) Von dort