448 Kapitel XXV.
nicht deckt, aber eine entschiedene Familienähnlichkeit zu demselbennicht verkennen lässt.
Nächst dem Fingerrechnen war bei den Römern das Rechnenauf dem Rechenbrette üblich und bildete einen Gegenstand deselementaren Unterrichtes. Auch dafür ist eine ganze Anzahl vonStellen gesammelt worden, 1 ) welche meistens auf einen mit Staubüberdeckten Abacus Bezug nehmen, auf welchem man alsdann geo-metrische Figuren aller Art entwerfen konnte, welchen man aberauch im Stande war durch Ziehen gerader Striche in Kolumnen ab-zutheilen, welche mit Steinclien, calculi, belegt zum Rechnen dienten.Neben diesem somit für römische Uebung gesicherten Kolumnen-abacus gab es aber auch einen Abacus mit Einschnitten und in diesenEinschnitten verschiebbaren Knöpfchen. Vier solcher Vorrichtungen 2 )haben sich bis in die neuere Zeit erhalten, darunter wenigstens eine,deren alterthiimlicher Ursprung von dem Beschreiber ganz besondershervorgehoben worden ist . :i )
Eine solche römische Rechentafel, eigens zum Rechnen, nicht zumehrfachem Gebrauche hergerichtet, war von Metall und hatte8 längere und 8 kürzere Einschnitte, je einen von jenen mit einemvon diesen in gerader Linie. In den Einschnitten waren beweglicheStifte mit Knöpfen, in einem der längeren 5 Stück, in den übrigen 4,in den kürzeren je 1. Jeder längere Einschnitt war oben, also nachder Seite, wo der kürzere Einschnitt ihn fortsetzte, mit einer Ueber-schrift versehen. Der Gebrauch der Rechentafel ergibt sich vonselbst. Sie wurde mit zu dem Rechner senkrechten Einschnitten aufeine beliebige Unterlage aufgestellt, zu welchem Zwicke unten ander Tafel Füsschen angebracht waren. Dem Rechner am Nächstenwaren, wie wir schon andeuteten, die längeren Einschnitte; diekürzeren waren weiter von ihm entfernt. Die Marken in den längerenEinschnitten bedeuteten einzelne Einheiten ihrer Klasse; die in denkürzeren Einschnitten galten 5 solcher Einheiten. Nur der erstekürzere Einschnitt von rechts bildete dabei eine Ausnahme, indemdessen einzelne Marke G Einheiten bedeutete. Dieser äusserste Ein-schnitt (sofern mau die beiden Einschnitte, den längeren und denkürzeren, nur als Abtheilungen eines einzigen in der Mitte unter-brochenen Einschnittes betrachtet) war nämlich mit ö bezeichnetund enthielt die Unzen, deren 12 auf eine Ass gingen. Die übrigenfür die Asse bestimmten Einschnitte trugen in nach links dekadischaufsteigender Reihenfolge die Bezeichnungen I, X, (J u. s. f.bis zu IXI oder einer Million. Der erste Einschnitt von rechts
') Itocco Bombelli 1. c. pag. 116 sqq. 2 ) Deren Beschreibung beiBecker-Marquart, Handbuch der römischen Alterthiimer V, 100. 3 ) Claude du
Molinet, Le cabinct de la bibliotheque de Ste. Genevieve. Baris, 1092, pag. 25.