Band 
Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
Entstehung
Seite
595
JPEG-Download
 

Einleitendes. Arabische Uebersetzer. 595

nninner sich einer besonderen Kleidung zu bedienen hätten. ') Aberviele dieser Gesetze standen nur auf dem Papiere und wurden massen-haft umgangen. Wenn wir hören, dass llärün Arrasclud selbsteinen nestorianischep Christen Dschibril ihn BachtisclnY zum Leibarzthatte, der sich bei ihm jährlich auf 280 000 Dirham (das sind überiM. 200 000) stand'), wenn Chalife Almuktadir 809—870 das VerbotAndersgläubige anzustellen mit der Klausel versah: es sei denn alsAerzte oder Geldwechsler, so wird uns der Grund nicht lange ver-borgen bleiben, warum man so schonend in mancher Beziehungverfuhr.

Unter den echten Arabern war die Schreibkunst noch wenig ver-breitet. Es ist zweifelhaft, ob Muhammed selbst in späteren Jahrensie sich aneignete. 3 ) Gewandtheit mit dem Schreibrohre umzugehenbesassen noch lange Zeit nur Christen und Juden, und so mussteman wohl oder übel sich ihrer bedienen. .Namentlich die nestoriani-sclien Christen waren es, die das staatliche Rechnungswesen fastallein besorgten und ebenso als Aerzte unentbehrlich w T areu. Auch.luden, Perser, Inder betrieben die praktische Medizin, aber das christ-liche Element war entschieden vorherrschend. Erst der grosse Räzi,dessen Todesjahr auf 932 fällt, eröffnet den Reigen der mohammedani-schen Aerzte. 3 ) Dagegen war schon unter den persischen Sassaniden-königen im V. S. ungefähr in der Stadt Dschundaisäbür in der ProvinzChuzistan eine von Nestorianern geleitete und besuchte medizinischeSchule gegründet worden. Diese Schule wurde durch die Eroberung inihrer Bliithe keineswegs gehemmt, aus ihr gingen die besten und be-rühmtesten Aerzte ihrer Zeit hervor, aus ihr insbesondere die Leib-ärzte der Chalifen, und wir haben an einem Beispiele gesehen, wiedieselben bezahlt wurden. Die ungeheuren Geldsummen, w'elche rasch ihren Besitzer zu wechseln pflegten, bilden überhauptein kennzeichnendes Merkmal der damaligen Verhältnisse, und manhat gewiss mit Recht auf diesen Umstand hingewiesen * 6 ), um dieRaschheit der Entwicklung, die eben so grosse Jähe des Verfalls derorientalisch-arabischen Bildung zu erklären. Wo nicht bloss derBeherrscher der Gläubigen über ungezählte Schätze verfügte, wo nurals ein Beispiel unter vielen von einem Kaufmanne in Al-Basra unterAl-Mahdi 775—785 uns berichtet wird, der ein tägliches Einkommenvon 100 000 Dirham (beinahe 30 Millionen Mark jährlich!) besass, sobegreifen wir, welche Treibhaustemperatur durch solche Mittel denPleiss anzufeuern geschaffen wurde.

Eine ungemein fruchtbare übersetzende Thätigkeit begann,sobald das Arabische die allgemeine Literatursprache geworden war. 8 )

') Kremer II, 107. ’J Ebenda 179. 3 ) Weil S. 3. 4 ) Kremer II, 183

6 ) Ebenda 190. r ') Ebenda 169.

38 *