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Kapitel XXXII.
Aus dem Syrischen , aus dem Persischen, aus dem Griechischen, ausdem Indischen wurden durch eingeborene Andersgläubige werthvolleWerke in das Arabische übertragen. Die Regierungen der ChalifenAlmansftr 754—775, Harun Arraschid 786—809, Almamftn813 — 838 sind für solche Thätigkeit ganz besonders günstig ge-wesen, und hier beginnt auch die Geschichte der Mathematik bei denArabern.
Vielleicht sollte man zu Gunsten einer Persönlichkeit noch umeinige Ohalifate weiter hinaufgreifen bis zu dem Omaijadeu 'AbdAlmelik 684—705, während die drei obengenannten dem Geschlechteder Abbasiden angehörten. Unter 'Abd Almelik, welcher gleich denanderen Omaijadeu in Damaskus residirte, war ein Christ von echt-griechischer Herkunft, Sergius, Schatzmeister, und dessen SohnJohannes von Damaskus folgte in noch jugendlichem Alter wahr-scheinlich dem Vater bei dessen Tode in dieser Stellung nach. Raidaber zog er sich nach dem Kloster Saba zurück, wo er nach denEinen 760, nach den Andern gar erst 780 starb. 1 ) Wir habenfrüher (S. 395) gesehen, dass ihm, dessen schriftstellerische Thätig-keit allerdings auf theologischem Gebiete liegt, nachgerühmt wird,er sei in der Geometrie so bewandert gewesen wie Euklid , in derArithmetik wie Pythagoras und Diophautus, aber das ist auch Alles,was wir von ihm als Mathematiker wissen.
Die Abbasiden folgten im Ohalifate auf die Omaijadeu imJahre 750 in der Person des grausamen, undankbaren, rachsüchtigenund meineidigen Abü’l 'Abbäs, dessen blutgetränkte Regierung nur4 Jahre dauerte. 2 ) Wir erwähnen aus dieser Zeit nur eine Neuerung.Die Heiligkeit des Nachfolgers des Propheten gestattete nicht mehreinen unmittelbaren Verkehr zwischen ihm und dem Volke. EinTräger seiner Befehle musste die Vermittelung hinfort übernehmen,und ein solcher Träger, arabisch Wazir, wurde demgemäss ernannt.Wir stehen jetzt wieder an dem Regierungsantritte Almansürs, dernach den verschiedensten Richtungen eine neue Zeit eiuleitete undwie zum äusseren Zeichen derselben seinen Wohnsitz von Damaskus nach Bagdad an den Tigris verlegte, an die Stelle wo im Umkreisenur weniger Meilen einst Babylon und Ktesiphon mächtigen Königenzum Mittelpunkt ihrer Herrschaft gedient hatten. Der Handel be-lebte sich sichtlich. Die Schifffahrt im persischen Meerbusen unddarüber hinaus brachte den Kaufleuten namentlich von Al-Basra ander Mündung des mit dem Euphrat vereinigten Tigris jene Reich-thümer, von denen vorübergehend die Rede war, brachte ihnenMenschenkenntniss und Welterfahrung und Wissen der mannig-fachsten Art.
') Kremer II, 402. J ) Weil S. 131.