684 Kapitel XXXVll.
niatik, zu welchem sie erst durch Regioinontan 1463 werdeusollte.
Wir haben gesagt, dass Gerhard von Cremona die Astronomiedes Ihn Allah etwa in der zweiten Hälfte des XII. S. übersetzte.Er hat die dazu nöthigen Kenntnisse in dem den Arabern bereitsabgerungeuen Toledo sich erworben, wo um jene Zeit eine wahreUebersetzuugsschule vorhanden war. Raimund, Erzbischof vonToledo zwischen 1130 und 1150, stand geistig au ihrer Spitze. Nichtals ob er selbst dabei thätig gewesen wäre, aber er veranlassteDominicus Gondisalvi in Gemeinschaft mit einem jüdischenSchriftgelehrten, Johannes von Luna oder Johannes vonSevilla (Johannes Hispalensis ) genannt, 1 ) arabische Bücher und zwarhauptsächlich solche, die sich auf aristotelische Philosophie bezogen,zu bearbeiten. Die Bearbeitung erfolgte auf einem Umwege, dernicht ohne Foliren blieb. Zunächst wurde nämlich aus dem arabischen Texte ein eastilianischer und erst aus diesem wieder ein lateinischerText hergestellt. Ueberlegt man nun, dass der arabische Text durchnicht über alle Zweifel erhobene Uebersetzungskunst dem Griechischenentnommen war, so lässt sich denken welcherlei aristotelische Philosophieaus solchen dreifacher Verpfuschung ausgesetzt gewesenen lateinischenDarstellungen dem Mittelalter zur Kenntniss kam. Weniger schlimmwaren die Veränderungen, welche solche Schriften erlitten, diewenigstens von Ursprung her arabisch waren und ihrem Inhalte nachnicht so dunkel wie philosophische Gegenstände, selbst in der Spracheeines Aristoteles, es einem Laien gegenüber immer sein mussten.Wir denken hierbei an diejenigen arabischen mathematischen Schriften,welche durch Johannes von Sevilla , welche etwas später durchGerhard von Cremona übertragen wurden.
Von wem die Originalien herrühren, wissen wir nicht. Wo sieverfasst wurden, ob im Westen ob im Osten, ist uns gleichfalls un-bekannt. Ebenso wenig wissen wir, ob wir gut daran thun grade iudiesem Zeitpunkte, also gegen die Mitte des XII. S., von ihnen zureden. Unsere Berechtigung entnehmen wir einzig dem Umstande,dass sie damals in Toledo vorhanden gewesen sein müssen undjedenfalls zu den geschätzten Schriften gehörten, weil sonst dochwohl nicht sie übersetzt worden wären, wenn eine Auswahl auchberühmterer Werke zu Gebote gestanden hätte. Die übersetztenSchriften sind ein Lehrbuch der Rechenkunst und eine Algebra.
') Nouvellc Biographie universelle XXVI , 565 (Paris , 1858). Jourdain,Becherches critiques nur l’agc et l’origine des traduetions latines d’Aristote .2. edition. Paris, 1843, pag. 115 flgg. hält den Namen Johannes Hispalensis fiir entstellt aus Johannes llispanensis de I.una d. h. Johannes der Spanier ausLuna. Ebenda pag 117, Anmerkung 1 ist eine Stelle aus einer Widmung desJohannes an Raimund abgedruckt, durch welche seine Lebenszeit gesichert ist.