(Verliert.
737
mit Berufung darauf, dass der Abt Guarnerius ein Exemplar inAurillac zurückgelassen habe. Allein dass dieser ,,Spanier" ein Arabergewesen sei, ist aus seinem Namen ebensowenig wie aus sonstigenGründen zu schliessen. Die Sprache, in welcher der Betreffendeschrieb, war ohne Zweifel nicht die arabische, sondern die lateinische,denn was hätte sonst Adalbero mit dem Buche anfangen können,wesshalb hätte Guarnerius es in Aurillac zurücklassen sollen zu einerZeit, in welcher gewiss Kenntniss der arabischen Sprache in denKlöstern vergeblich gesucht worden wäre?
Auf ein arabisches Werk ist wahrscheinlich nur ein aus wenigenZeilen bestehender Brief zu beziehen,') welcher dem gleichen Zeit-räume wie die beiden ebenerwähnten Briefe angehören dürfte, undin welchem Gerbert von einem gewissen Lupitus von Barcelona ,um welchen er selbst sich keinerlei Verdienst erworben habe, vermögeseines hohen Geistes und seiner freundlichen Sitten das von ihmübersetzte Buch über Sternkunde erbittet und sich zu jeglichem Gegen-dienste bereit erklärt. Jenes Buch kann nicht leicht ein anderes alsein arabisches gewesen sein. Aber auch dieses hat Gerbert wohl niefrüher und ebensowenig auf seinen Brief hin zu Gesicht bekommen,wenn man diesen Schluss aus dem Umstande ziehen darf, dass wie infrüherer so in späterer Zeit keinerlei Spuren arabischer Sternkunde beiGerbert erkennbar sind. Dergleichen bedurfte es freilich auch nichtfür die Dinge, welche Gerbert vornahm, und welche von trigono-metrischen Bechmmgen, einem Gegenstände, bei welchem der Gegen-satz zwischen griechisch-römischen und arabischen Lehren sich be-sonders gezeigt haben müsste, vollkommen frei waren. Solcher be-durfte er z. B. nicht durchaus bei der Hervichtung einer Sonnenuhrin Magdeburg , welche er zwischen 994 und 995 vollzog, und zu derenllichtigstellung er Beobachtungen des Polarsternes machte. 2 )
Das Wanderleben Gerberts hatte mit der lteise nach dem Kaiser-lmfe keinen Ruhepunkt erreicht. Bald sehen wir ihn nach Frankreich zurückkehren, um auf der Synode zu Mouson sein Recht auf dasBistlmm Rheims persönlich zu vertheidigen, bald finden wir ihn inOttos Heerlager auf einem Feldzuge gegen slavische Stämme an Elbe und Oder, bald überschreitet er im Gefolge Otto III. die Alpen umdem wüsten Regimente ein Ende zu machen, welches in Rom herrschteund dem deutschen Könige sowohl Aergerniss bereitete als die er-wünschte Gelegenheit zur Einmischung gab. Am 9. Mai 99(1 starb PapstJohann XV., unter dem Drucke der Nähe des deutschen Heeres wurde
') Oeuvres de Gerbert (ed. Olleris) Epistola 00, pag. 36 . 2 ) ln Macjda-
Imrgh orologium feeit, illtul recte constituens considerata per fistulam quadamstella nautarum duce sagt darüber Thietmars Chrouik L. VI, cap. 61. Thietinart lol'J als Bischof von Merseburg . Vergl. Werner, Gerbert S. 2‘_>l.
Cantok, (ieschicht<‘ der Mathem. I. 47