Erfindung von Methoden. Wahrscheinliclikeitsrechn. Kettenbrücke u. s. w. 701
Jean Leurechon 1 ) (etwa 1591—1670) hiess, ein Jesuit, welcher imKloster seines Ordens in Bar-le-Duc in Lothringen Theologie, Philo-sophie und Mathematik lehrte. Leurechon hat in seine Sammlungdie leichteren Aufgaben Bachets übernommen, daneben eine Mengeanderer Dinge, welche zum Theil aus Cardano’s Büchern De sub-tilitate stammen mochten; an Bachet’s wirklich werthvollen Kapitelnist er vorbeigegangen.
Claude Mydorge gab 1630 im Anschlüsse an die rasch ver-breiteten Recreations ein Examen du livre des recreations mathematiqueset de ses problcmes heraus, vielleicht etwas höher zu schätzen als dasBuch, dessen Prüfung ausgesprochene Aufgabe war, aber den geo-metrischen Leistungen Mydorge’s (S. 617) nicht ebenbürtig.
Leurechon’s Buch kam auch nach Deutschland . Ein GönnerSchwenters, wer es war, wissen wir nicht, schickte es ihm vonParis aus zum Geschenk. Schwenter, welcher in der Vorrede zuseinen Erquickstunden dieses erzählt, fügt hinzu, er sei der franzö-sischen Sprache nicht so mächtig gewesen, dass er sofort Alles ver-standen hätte, aber der Inhalt habe an und für sich zum Verständ-niss der Sprache mitgeholfen, und sodann habe er Mühe und Kostennicht gescheut, eine Persönlichkeit aufzufindeu, welche des Französi-schen vollkommen kundig gewesen sei und ihn gegen Bezahlung beimUebersetzen unterstützte. Anderes habe er lange Zeit vorbereitet undgesammelt gehabt, und so sei endlich dieser Baud zusammengekommen,der an Fülle des Inhaltes mit jenem französischen Musterwerkchengar nicht mehr verglichen werden könne. Dass diese BehauptungSchwenters nicht auf Ruhmredigkeit sich zurückführt, beweisen die574 Druckseiten der Mathematischen Erquickstunden, beweisen Be-rufungen auch auf solche Werke, welche in hebräischer Sprache ver-fasst nur einem so gewandten Orientalisten, wie Schwenter es war,sich erschlossen, beweisen ihm eigene Untersuchungen, von welchenwir die über Kettenbrüche oben erörtert haben. Auch von den aushebräischen Vorlagen stammenden Dingen wollen wir wenigstens einBeispiel geben. Die Aufgabe von den 30 Menschen, welche so ge-schickt geordnet werden müssen, dass ein gewisses Abzählen eine zumVoraus bestimmte Hälfte derselben dem Tode weiht, während dieAnderen gerettet sind, und der Beziehung dieser Aufgabe zu Josephus haben wir wiederholt gedacht. Bei Schwenter tritt sie gleichfallsauf.-) Auch ihr Vorkommen bei Christoph Rudolff, bei Leu-rechon wird erwähnt, die Stelle des Josephus wieder angeführt.Ueberdies aber ist eine älteste Quelle der Aufgabe als solcher ge-nannt, welche Schwenter aufgestöbert habe. Elias Levita derDeutsche 3 ) (1472—1549) verfasste ein 1518 in Rom gedrucktes Buch
') Poggendorff I, 1438. *) Mathematische Erquickstunden S. 79 — 82.
s ) Allgem. deutsche Biographie XVIII, 505 — 507, Artikel von Ludw . Geiger.