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Kapitel XLII1.
von Quadratzahlen zu gelangen. Jordanus ist der Einzige, der denentgegengesetzten Weg einschlug.
Genau denselben Charakter wie die Arithmetik trägt eine Schrift,welche unter Anderen in einer Basler Sammelhandschrift 1 ) aus derMitte des XIV. Jahrhunderts neben anderen Schriften des Jordanussich erhalten hat, und welche desshalb mit an Gewissheit streifenderWahrscheinlichkeit dem Jordanus zugewiesen -worden ist. 2 ) Wirmeinen den 1534 bei dem bekannten Drucker Petrejus in Nürnberg erschienenen Algorithmus demonstratus. Der HerausgeberJohannes Schöner berichtet in der Vorrede, 3 ) ihm stehe ein ausder Feder des Kegiomontanus geflossener Text zur Verfügung,welchen dieser wahrscheinlich aus einer in Wien befindlichen Hand-schrift abgeschrieben habe. Diese unzweifelhaft richtige Angabe hataber nicht zu verhindern vermocht, dass man die längste Zeit nurdaran sich hielt, dass das dem Drucke zu Grunde liegende Manuscriptvon Ilegiomontanus geschrieben war, und dass mau ihn, den Schreiber,auch für den Verfasser hielt, jedenfalls ein glänzendes Zeugniss fürdie Schrift seihst, wie wir im Verlaufe dieses Bandes erkennen werden.Vereinigen wir die Thatsache, dass Uegiomoutanus den Algorithmusdemonstratus abschrieb, mit der anderen nicht minder verbürgten,dass er eine von ihm sehr geschätzte andere Schrift des Jordanus,welche uns im folgenden Kapitel genau bekannt werden wird, heraus-zugeben beabsichtigte-, 1 ) so kann mau vielleicht darin eine Unter-stützung der hier festgelialtenen Ansicht von dem Ursprünge desAlgorithmus demonstratus finden. Eine unmittelbare Bestätigung desJordanus als Verfasser wird uns endlich begegnen, w r enn wir inunserer Geschichte an den Schluss des XVI. Jahrhunderts gelangtsein werden. Jordanus also setzt seinen Lesern zunächst das de-kadische Zahlensystem mit seinen zehn Zeichen auseinander, wobeidie Null cifra oder Kreis ( ciradus ) oder Zeichen für Nichts (figuranihili) genannt wird. Er unterscheidet nicht bloss in mittelalter-licher Weise Fingerzahlen ( digiti) von Gelenkzahlen ( articuli ), sondernauch Gelenkzahlen verschiedener Ordnung, wir würden heute sagenneben den Zehnern die Hunderter, Tausender u. s. w. 5 ) Die Zahlen
') Die oftgenaunte Handschrift F 11, 33 der Basler Stadtbibliothek. Jor-danus als Verfasser erkannt zu haben ist das Verdienst von II. P. Treutlein.Vergl. Zeitschi-. Math. Pliys. (1879) XXIV Supplementheft S. 132. 5 ) Vorrede
pag. 4: Incidi nuper in libdlum . . . exaratum max. et doctiss viri llegimontauidivina manu, quem in Vienensi quapiam bibliotheca audio assercari hoc titulu :Algorithmus demonstratus incerti autoris, unde suspicor hoc exemplum fuisse de-scriptum. Der Algorithmus demonstratus selbst besteht aus 57 nicht mit Seiteu-zahlen versehenen Druckseiten. Unsere Seitenangaben im Folgenden beruhen aufeigener Zählung, wobei die 4 Seiten Vorrede nicht mitgezählt wurden. 4 ) Treut -lein 1. c. S. 127 Kote und S. 128. 5 ) Algor. demonstr. pag. 4.