Band 
Dritter Band. Von 1668-1758. Zweiter Teilband. Von 1727-1758.
Entstehung
Seite
579
JPEG-Download
 

Algebra seit 1740.

579

Allgemeinheit der Betrachtungen her, und alle Zweifel schwänden beider Anwendung auf besondere Fälle. Es ist klar, dass diese Be-merkung die Lücken eines Beweises nicht auszufüllen im Stande istund nur dazu dienen kann, als Eingeständnis eines noch nicht ganzeinwandfreien Beweises zu gelten.

Der nächste Band der Veröffentlichungen der Berliner Akademiefür 1749 empfiehlt sich unserer Aufmerksamkeit durch zwei Ab-handlungen, deren erste von einer uns noch fremden Persönlichkeitherrührt. Johann Samuel König 1 ) (1712—17574 war der Sohneines Berner Theologen gleichen Namens, der wegen religiöser Streitig-keiten aus der Heimat verbannt als Hofprediger in Büdingen eineZuflucht gefunden hatte. Dort wurde der Sohn geboren, der aberdann in Bern erzogen wurde und durch seine dortige Beliebtheitwesentlich mitbewirkte, dass dem Vater die Rückkehr gestattet wurde.Seine mathematischen Studien machte König seit 1730 in Basel unterJohann und Daniel Bernoulli und Jacob Hermann, dann 1735in Marburg unter Christian Wolf. In Basel waren Alexis ClaudeClairault und Pierre Louis Moreau de Maupertuis seine Studien-genossen. Von 1738 an war König einige Jahre in Paris Hauslehrerder Marquise De Chätelet 1 1706—1749), an deren Arbeiten er nichtohne Antheil gewesen ist. Eine feste Anstellung zu finden gelangKönig weder im Auslande noch in der Schweiz. In der Schweiz trafihn sogar 1744 das Verbannungsurtheil aus Gründen der Politik.Nun bemühten sich Daniel Bernoulli und Euler für König. Stellungenin Berlin, in Petersburg wurden ihm angeboten, er entschied sich fürFranecker und verblieb nun bis zu seinem frühen Lebensende in Holland in verschiedenen Stellungen. Dort begann 1751 der heftige Streitmit Maupertuis über das Princip der kleinsten Action, welcherein Seitenstück zu dem Prioritätsstreite zwischen Newton und Leibniz genannt werden kann, und in welchem die Berliner Akademie demgleichen Fehler einseitiger Parteinahme für ihren Präsidenten verfiel,den 50 Jahre früher die Royal Society begangen hatte. Wir freuenuns, nicht genöthigt zu sein, unseren Lesern auch diesen hässlichenZwist ausführlich zu erzählen, diese Pflicht fällt nur dem Geschichts-schreiber der Mechanik zu. Gleichwohl durfte der Streit, der so vielgarstigen Staub aufgewirbelt hat, nicht ganz unerwähnt gelassen werden,wo der Name König’s uns begegnet. Er begegnet uns, wie schon gesagt,als Verfasser eines Aufsatzes von 1749 über den wirklichen Grund

0 Rud. Wolf, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz II, 147—18t!.J. H. Graf, Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften in Berni-schen Landen. III. Heft, 1. Abtheilung. S. t!3—62.