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Abschnitt XIX.
bekannten, schon im dritten Bande mehrfach genannten AbrahamGotthelf KaestnerM, entstand aber leider erst, und zwar in deräußerlich sehr stattlichen Gestalt von vier Bänden 2 ), in dem letztenLebensabschnitte des bereits in das hohe Greisenalter eingetretenen,außerordentlich produktiven Gelehrten. Man begnügte sich späterhinnur zu leicht bei dem absprechenden Urteile eines allerdings durchscharfen kritischen Geist ausgezeichneten Historikers 3 ), welches fürdiesen besonderen Fall völlig einem die ganze Tätigkeit des Mannestreffenden Sarkasmus des Princeps Mathematicorum zu entsprechenschien 4 ). „Von einem Eingehen in die Wissenschaft“, heißt es da,„ist fast nirgends die Ilede. Das Einzige, was man aus dem Buchelernen kann, ist einige Bücherkenntnis. Aber auch hierin scheint denVerfasser mehr der Zufall, als irgend ein bestimmter Plan geleitet zuhaben. Mit einem Worte, das Buch ist alles mögliche, nur keine Ge-schichte der Mathematik.“ Da heutzutage weit weniger mehr alsfrüher Veranlassung dazu gegeben ist, von dem Werke nähere Ein-sicht zu nehmen, und da es wohl keine große Zahl von Fachmännerngibt, die sich das Zeugnis geben können, eine solche Einsicht wenig-stens angestrebt zu haben, so möchte eine etwas eingehendere Wür-digung des „sonderbaren Buches“ gerade an dieser Stelle am Platzeerscheinen.
Im XIX. Jahrhundert sind zumal auf einem nahe verwandtenGebiete verschiedene geschichtliche Gesamtdarstellungen ans Licht ge-treten, von denen mau sagen kann, sie stellten das biographischeMoment allzusehr in den Vordergrund; manche „Geschichte der
‘i Über die Persönlichkeit des Mannes ist das Notwendige schon früherbeigebracht worden (diese Vorlesungen III S , S. 576). Eine gerechtere Würdi-gung derselben greift immer mehr Platz. Recht dankenswerte Beiträge zu einersolchen bietet auch die für die mathematische Hochschulgeschichte überhauptviel Interessantes enthaltende Göttinger Dissertation von C. H. Müller (Studienzur Geschichte der Mathematik; insbesondere des mathematischen Unterrichtes,an der Universität Göttingeu im XVIII. Jahrhundert, Leipzig 1904, S. 50 ff). Auchfrüher einmal ist ein darauf abzielender Versuch zu verzeichnen (Günther,Vermischte Untersuchungen zur Geschichte der mathematischen Wissenschaften,Leipz. 1876, Kap.I. Anhang). *) Kaestner, Geschichte der Mathematik,Göttingen ,1. Band 1796, 2. Band 1797, 3. Band 1799, 4. Band 1800 (erschienen im Todes-jahre des Autors). *) G. H. F. Xesselmann, Die Algebra der Griechen. Berlin 1842, S. 24ff. 4 ) Gauß, der Kaestner noch selbst gekannt hat, dessen Vor-lesungen aber begreiflicherweise keinen Geschmack abgewinnen konnte, soll ein-mal geäußert haben, derselbe habe immer Geist und Witz an den Tag gelegt,wenn er von irgendwelchen anderen Sachen redete; ganz hätten ihn diese seineEigenschaften auch dann nicht verlassen, wenn er von Mathematik im allgemeinensprach; nur bei seinen eigentlich mathematischen Arbeiten hätten ihn jenevöllig im Stiche gelassen.