Band 
Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
Entstehung
Seite
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Geschichte d. Mathematik in selbst. Werken, monograph. Arbeiten usw. 9

Physik ist in Wirklichkeit eineGeschichte der Physiker. Nichtdas biographische, wohl aber das bibliographische Element über-wuchert nun allerdings bei Kaestner die Entwicklungsgeschichte ineinem auch für die billigste Beurteilung tadelnswerten Maße. Alleinda doch nun einmal, seltene Ausnahmen abgerechnet, die geistigeArbeit eines Zeitalters in seinen Preßerzeugnissen ihren natürlichenAusdruck findet, so ist das Übel doch nicht so sehr groß, und weres einmal über sich gewonnen hat, den senilen Stil des Verfassers,seine Neigung zu oft sehr unangebrachten Scherzen, das Hereinziehenfremdartigster Dinge als gegebene Tatsachen hinzunehmen, der kann und hier liegt für uns ein bewußter Gegensatz im Verhältnis zuder oben verlautbarten Geringschätzung vor aus den vier Bändendoch sehr viel Nützliches lernen. Die zahlreichen Buchauszüge sindteilweise verständnisvoll gearbeitet und bringen dem modernen Leserdurch Einkleidung älterer Methoden in das neuzeitliche Gewand dasWesen der ersteren doch oft weit näher, als dies für den Fernerstehen-den auch beim eifrigsten Studium der Originale erreichbar ist. Undwer sich die Mühe gibt, die Spreu vom Weizen zu sondern, der findetmanches wertvolle Korn, dessen Besitz ihn für die aufgewandte Müheentschädigen mag.

Der erste Band geht aus von den Anfängen der Positionsarith-metik und sucht deren Ausbildung durch Hervorhebung wichtigerEtappen, durchaus nicht immer ungeschickt, ins richtige Licht zustellen; eine kurze Geschichte der Algebra reiht sich an. Die Lehr-bücher und Bearbeitungen, welche der Bearbeitung unterstellt werden,erschöpfen zwar nicht die Fülle des vorhandenen Stoffes, geben aberdoch ein ganz gutes Bild von der Literatur des XVI. Jahrhunderts,und zumal die etwas umständliche Schilderung der Werke von Chri-stoph Rudolf, Stifel und Cardano orientiert über deren reichen,angesichts der Seltenheit dieser Werke den meisten unzugänglichenInhalt. Der AnhangGelehrter Tand von Zahlen wird jedem modernenLeser unschmackhaft sein, entbehrt aber keineswegs einer gewissenkulturgeschichtlichen Bedeutung. DieGeschichte der theoretischenElementargeometrie sucht möglichst viele Nachrichten über Klassiker-ausgaben und Übersetzungen, auch solche in die arabische Sprache,zusammenzustellen; daß Kaestner nicht gar so unkritisch war, be-weisen seine Bemerkungen über die angeblicheIvatoptrik Euklids .Dem dritten Paragraphen 1 ) wird kein Bibliophile das Lob einer ge-nauen und verständigen Buchcharakteristik streitig machen, und auch

*) Kaestner I, S. 2s9tf.Die erste gedruckte Ausgabe von Euklids Ele-menten.