10 Abschnitt XIX.
sachlich ist manche Einschaltung gar nicht wertlos, wie etwa diePrüfung der Parallelentheorie des Nasir EddinO. Mit den Quadra-turversuchen des Xikolaus Cusanus befaßt sich Kaestner 2 ) weitgründlicher, als irgend sonst ein früherer oder späterer Geometer vorder zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Auch die „Geschichte derTrigonometrie“ wird noch in der Jetztzeit von Historikern nicht un-gerne zu Rate gezogen, weil sie in ihren Mitteilungen über die seltenenFolianten und Quartanten eines Rheticus, Pitiscus, Broscius u. a.treu und zuverlässig ist, so daß man über die abstruse Form leichterhinwegsieht. Ebenso ist der Abriß der Geschichte der Feldmeßkunstnicht arm an brauchbaren Einzelheiten.
An der Spitze des zweiten Bandes steht die Geschichte der Per-spektive, und ihr folgt die „Geschichte der geometrischen Analysisund höheren Geometrie“, in welch letzterer die Xotizen aus Com-mandino, Werner und Maurolico einen etwas höheren Standpunkteinnehmen. Wenn auch eine Übersicht über die „Matheinatica Col-lectio“ des Pappus strenge genommen nicht an diese Stelle gehört,so mußte sie 3 ) doch damals, da die antike Mathematik noch zu denrecht wenig bekannten Dingen gehörte, einen erwünschten Bestandteildes Werkes bilden. Auch über die Urgeschichte der Lehre vonasymptotischen Gebilden erfährt man Wissenswertes 4 '). Die Geschichteder Mechanik legt zu viel Gewicht auf Xebensachen, z. B. die Maschi-nenkunde, die doch nur sehr bedingt hierher gehört, und dasselbedarf von der auf Optik bezüglichen Abteilung ausgesagt werden.Dagegen darf der Geschichte der älteren Astronomie wiederum dasLob sorgfältigen Eingehens auf bibliographische Seltenheiten —Nonius, Gemma Frisius, Reinhold und ganz besonders TychoBrake — nicht abgesprochen werden, und auch für die Anregungen,welche der reinen Mathematik aus der Himmelskunde zuflossen, fälltmancherlei ab. Wer jemals die wissenschaftlichen Bewegungen desZeitalters, welches durch die Xamen Coppernicus und Tycho ge-kennzeichnet ist, im Zusammenhänge zu durchforschen unternommenhat, wird nicht anstehen, einzuräumen 3 ), daß ihm die KaestnerscheMaterialiensammluim für seinen Zweck von entschiedenem Nutzen ge-
o
wesen sei.
Der noch jetzt brauchbarste Band ist ohne Zweifel der dritte,der in der Hauptsache das XVII. Jahrhundert, d. h. dessen erste Hälfte,abhandelt; über das Jahr 1650 wird nur insofern hinausgegangen, als
‘) Kaestner I, S. 374ff; vgl. diese Vorlesungen P, 8. 734. *) Ebenda 1,
S. 4001F.; vgl. diese Vorlesungen II 8 , S. 192 tf. *) Ebenda II, S. 82 if. 4 ) Ebendali,
S. 94 ff.; vgl. diese Vorlesungen II 8 , S. 571. 6 ) Es sei namentlich auf die Behand-
lung Jlaestlins ^Kaestner II, S. 44611’.) hingewiesen.