Band 
Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
Entstehung
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Geschichte d. Mathematik in selbst. Werken, monograph. Arbeiten usw. 11

die Publizierung älterer Schriften nach jenem Termine noch statt-gefunden hat. Die Darstellung der Kreisrechnung in ihrer interessan-testen, einen Ludolf, Metius, Adrianus Komanus aufweisendenPeriode 1 ), die ins einzelne gehende Beschreibung der zu Raritätengewordenen Xapiersehen Logarithmenwerke 2 ), die freilich selber oftetwas ausschweifende Schilderung des ebenso genialen wie wunder-liehen Faulhaber®), der vorher niemals geführte Xachweis 4 ), daßsich bei Gregor ins a Sto. Yincentio bereits die Quadratur derHyperbel im Keime erkennen lasse, und eine Reihe anderer Para-graphen sichern dem Bande eine auch bei Anlegung eines strengerenMaßstabes nicht verschwindende Bedeutung. An der behaglich breitenAuslassung über Yisierkunst und Proportionalzirkel nimmt vielleichtein Leser, der sich von jenen Lieblingsobjekten der Yergangenheitkeine Yorstellung machen kann, einigen Anstoß; wer aber weiß, welcheRolle diese geometrischen Anwendungen in damaliger Zeit spielten,und daß ein Kepler, ein Galilei ihnen ihre vollste Beachtungschenkten, der wird nichts dawider haben, hier ganz bequem in eineLiteraturgattung eingeführt zu werden, deren Bestandteile er sich sonstmühsam zusammenzusuchen genötigt wäre. Daß Kaestner sich danngelegentlich verleiten läßt, auch von weniger bedeutenden Produkten,wie z. B. von den auf einem ziemlich niedrigen Xiveau stehendentechnischen Skizzen des Ingenieurs Furttenback 5 ), sehr ausgiebigBericht zu erstatten, muß man mit in Kauf nehmen.

Wiederum der angewandten Mathematik gehört der vierte Band.Hier bilden für Mechanik, Optik und Astronomie die beiden Dioskurendes beginnenden XVI. Jahrhunderts recht eigentlich die Mittelpunkte,und vornehmlich ist es Kepler , den der Verfasser gründlich durch-gearbeitet hat. Daß er sich in ziemlich gleichgültige Episoden in derLebensgeschichte seines Helden mehr als nötig vertieft, mag man mitseiner berechtigten Vorliebe für den in der Geschichte der Mensch-heit so einzigartig dastehenden Mann entschuldigen. Auch die durchdie Bekanntmachung derdrei Keplerschen Gesetze entfesselte Be-wegung, deren Signatur die Polemik zwischen den Anhängern descoppemicanischen und des tychonischen Weltsystemes darstellt, hat keineüble Kennzeichnung erfahren, so daß neuere Schriftsteller, welche sich

') Kaestner III, S. 50tf. *) Ebenda III, S.TOff.; vgl. diese Vorlesungen II : ,S. 730ff. 8 ) Ebenda III, S. 111 tT. *) Ebenda III, S. 245. Vgl. diese Vor-lesungen II ! , S. 896. 5 ) Ebenda III, S. 419 ff Wohl nirgendwo sonst machen

sich die Zerfahrenheit, der Mangel an Rücksicht auf die wirklich interessantenFragen und die Redseligkeit des Alters unangenehmer geltend, weil von allenFurttenbachscheuErfindungen höchstens die Anstellung ballistischer Ver-suche über das platte Alltagsleben hinausgeht.