Geschichte d. Mathematik in selbst. Werken, monograph. Arbeiten usw. ]7
Schubert, Ährens u. a. zu neuem Leben erweckten — Art vonSeitenzweig der exakten Disziplinen Sorge getragen.
Wir wenden uns nun denjenigen Arbeiten zu. welche sich in derZeit zwischen 17li0 und 1800 mit Einzelfragen aus dem Bereiche dermathematischen Wissenschaften beschäftigen. An die Spitze wollenwir diejenigen stellen, deren Gegenstand selbst wieder ein historischerist, und es versteht sich von selbst, daß hier auch das biographischeMoment, dessen Wertschätzung in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahr-hunderts eine immer ausgesprochenere wird, Beachtung finden muß.Den Reigen mag L. Dutens (1730—1812) eröffnen, der sich in dreistarken Bänden 1 ) bemühte, dem Altertum die Kenntnis so ziemlichaller gewichtigeren Erfindungen und Entdeckungen der Folgezeit zu-zuschreiben, der aber — ähnlich wie Bailly ;s. S. 14) — diesemseinem Streben die Regeln der Kritik ganz und gar zum Opferbrachte 2 ). Immerhin ein geistvoller Versuch, wie er von dem erstenHerausgeber 3 ) der Werke des großen Leibniz nicht anders zu er-warten war. Die Schrift steht ziemlich vereinzelt da, wogegen an Lebens-beschreibungen und Elogien durchaus kein Mangel ist. Ob die Übersicht,die wir darüber im folgenden geben, eine vollständige ist, bleibe dahin-gestellt; wiclitigere Arbeiten dürften wohl kaum außer acht geblieben sein.
Bleiben wir vorerst bei Deutschland stehen, so fällt uns zuerstR. E. Raspes (1730?—1794) Vorschlag 4 ) zu einer Herausgabe derLeibnizschen Werke ins Auge, der freilich einstweilen keine Folgenhatte. Äußerst eifrig auf diesem für den Historiker immer reizvollenGebiete erwies sich Kaestner, dem die Gedenkreden auf drei hoch-verdiente Lehrer der Göttinger Hochschule zu danken sind 5 !. DasJahr 1783 brachte aus der Feder deutsch schreibender Gelehrter dreihierher gehörige Arbeiten, von denen zwei nur als Nekrologe zugelten haben 6 ), wogegen die dritte 1 ) sich als ein tief greifendes, aufeigene Studien sich stützendes biographisches Denkmal für den Märtyrer
*) Dutens, Recherches sur l’origine des deeouvertes attribuees aux mo-dernes, Paris 1760, 1776, 1812. *) Wir lesen darüber bei Poggendorff (Ge-
schichte der Physik, Leipzig 1879, S. 11): „Wohl zu merken ist indeß, daß,während Dutens in dem Nachweise bekannter Thatsachen bei den Alten soüberaus glücklich erscheint, er doch nicht eine einzige neue, zu seiner Zeit nochunbekannte bei ihnen aut'zufinden weiß, wie wenn die Alten genau so viel ge-wußt hätten und nicht mehr, als die neueren Physiker im Jahre 1766.*) J. H. G.Leibnitii Opera omnia, ed. Dutens, Genf 1769. ') Raspe, Programme
de edendis Leibnitii Operibus philosophicis et mathematicis, Nova Acta Erudi-torum Lipsiensia, 1762, 8. 196ff. 5 ) Kaestner, Elogium Tob. Mayeri, Göt-
tingen 1762; Elogium Albr. Ludov. Fr. Meisteri, ebenda 1789; Elogium G. Ch.Lichtenbergi, ebenda 1799. 6 ) AL David, Das Leben Newtons, Prag 1783;
N. v. Fuß, L’eloge de L. Euler, St. Petersburg 1783. 7 ) C. J. Ja ge mann, Ge-
schichte des Lebens und der Schriften von Galilaeo Galilaei, Weimar 1783.
Cantor, Geschichte der Mathematik IV. 2