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Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
Entstehung
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Abschnitt XIX.

Auch für die Geschichte der höheren Analysis hat der in Redestehende Zeitraum einige Früchte getragen. Indessen wird vomStandpunkte der Gegenwart aus nur noch Murhards Charakteristik 1 * )des ersten halben Jahrhunderts der Variationsrechnung höher gewertetwerden können. Kaestners zunächst theoretische Beleuchtungen desInfinitesimalbegriftes 8 ) berücksichtigen, wie bei ihm selbstverständlich,auch das geschichtliche Element. Die Entstehungsgeschichte deshöheren Kalküls hat mehrere Bearbeiter gefunden, von denen zwei,J. W. Christiani 3 ) und L. H. Tobiesen 4 ) (17711839), eben auchvon Kaestner, nach dessen eigener Aussage 5 ), zu diesem Thema hin-geleitet waren; er selbst führt seine Auffassung des Prioritätsstreitesziemlich umständlich hei dieser Gelegenheit aus und entscheidet sichdahin, Leibniz und Newton wären als vollkommen gleichberechtigtanzuerkennen 6 ). J. J. Meyer andererseits tritt uns als Kämpe desdeutschen Bewerbers entgegen 7 ). Christianis Dissertation war eineBeantwortung der 1782 von der Universität Göttingen gestelltenPreisfrage, inwieweit die Rechnung des Unendlichen ihre Wurzeln imAltertum habe, und dementsprechend ging der Autor hauptsächlichdarauf aus, die großen Geometer des Altertums auf Andeutungen imgedachten Sinne zu prüfen. Anhangsweise mag auch hier der Tat-sache Erwähnung getan werden, daß De LHöpitals Lehrbuch, das ob ganz selbständig oder mit starken Entlehnungen aus Joh. Ber-noulli I entstanden 8 ) jedenfalls der Einbürgerung der neuen Metho-den mächtigen Vorschub geleistet hatte, zweimal Kommentatoren ge-funden hat 9 ).

') Murhard, Specimeu historiae atque principiorum calculi quem vocantvariationum sistens, Göttingen 1796. *) Die einschlägigen Abhandlungen enthält

ein Sammelband: Dissertationes mathematicae et physicae, Altenburg 1771. Dortfinden sich: De vera infiniti notione, S. 3öff.; De lege continui in natura, S. 142tf.*) Christiani, Commentatio, qua explicantur fundamenta calculi, quem ab in-finito nominamus, et ostenditur, quomodo iis, quae tradiderunt Euclides, Archi-

medes, Apollonius Pergaeus , innitatur calculus infiniti, Göttingen 1792 (auch

in deutscher Sprache herausgekommen). Dem schloß sich an: Disputatio inaugura-lis exhibens supplementa ad commentationem de fundamentis calculi, quem abinfinito nominamus, Kiel 1793. 4 ) Tobiesen, Principia atque historia inventionis

calculi ditferentialis et integralis nec non methodi fluxionum, Göttingen 1793

6 ) Kaestner, Anfangsgr. d. Anal , unendl. Größen, S. 59. 6 ) Ebenda, S. 49.

Das billige Urteil ist! Jeder sey auf seine Methode für sich gekommen, zu-länglich war hiebey Nachdenken über das Verfahren vorhergehender Mathema-tiker. So urteilt auch Eduard Waring Meditationes analyticae, Cambridge 1785; man s. meine Rezension Gott . gel. Anz. 1786, S. 700. *) Meyer, De

fluxione fluxa sive de Leibnitio primo calculi infinitesimalis iuventore, Stettin 1773. Im gleichen Geiste ist selbstredend die nachstehend bezeichnete Schriftgehalten: Leibnitii elogium, ebenda 1777. *) Diese Vorlesungen IIP, S. 244tf.

®)A. H. Paulian, Commentaire sur lAnalyse des infiniment petits de lHöpital,