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Abschnitt XIX.
eigenen Wege wandelnden Schriftsteller begegnen werden. Die Ele-mentargeometrie als Ganzes ist endlich Kaestner dafür verpflichtet,daß er die „Geometrie“ Gerherts, dieses merkwürdige Denkmalaltersgrauen Mittelalters 1 ), einem größeren Leserkreise zugänglich ge-macht und in ihrer historischen Bedeutung festzulegen getrachtethat*), mag ihn auch die damals noch allgemein vermißte Erkenntnisdes Wesens einer längst vergangenen Zeit nicht zu ganz triftigemUrteile haben kommen lassen. Die Trigonometrie verzeichnet J. Ber-noullis III. (s. S. 21) Bemerkungen 3 ) über die großen Tafelwerkedes XVI. Jahrhunderts. J. M. Matsko (1721—179(5) war auf dieRichtigstellung anderweiter Angaben über den ersten Gebrauch dersogenannten Prosthaphaeresis bedacht 4 ). Und vor allem verdientehrende Erwähnung C. F. v. Pfleiderer (1736—1821), dessen Auf-sätze 5 ) höchste Vertrautheit mit den Originalschriften bekunden.
Die höhere Geometrie kommt für uns in Betracht mit einer Ab-handlung 6 ) des schwedischen Mathematikers D. Melanderhjelm(1726—1810) über Newtons Quadrierungsmethode und mit einernoch jetzt recht häufig zitierten Dissertation 7 ) von N. Th. Reimeril772—1832), welch letzterer sich nachher eine selbständige Schriftüber den gleichen Gegenstand 3 ), das Delisehe Problem 9 ), anschloß 10 ).
') Diese Vorlesungen I 2 , S. 809 ff. *) Kaestner, Geometrische Abhamilgn. I,
S. 1 tf. *) J. Bernoulli, Analyse eie l'Opus Palatinuni de Rheticus et du The-
saurus Mathematicus de Pitiscus, Nouv. Mein, de l’Acad. de Berlin . 1788, S. 10ff.*' Matsko, Progrsiinma, quo prosthaphaeresis inventori suo Cbr. Rottmannovindicatur, Rinteln 1781. Vgl. dazu Kae stner Gesch. d. Math. I. S. 560; II, S. 874)
und A. v. Braunmühl, Vorlesungen über Geschichte der Trigonometrie I,Leipzig 1900, S. 135ff.), wo die Auffindung dieses für die logarithmenlose Zeit sowichtigen Rechnungsvorteiles ausführlich behandelt wird. 5 ) v. Pfleiderer ,Geschichte der ersten Einführung der trigonometrischen Linien, Tübingen 1785,1790. Aus dieser Einleitung heraus entstand jenes wertvolle Werk (Ebene Tri-gonometrie mit Anwendungen und Beiträgen zur Geschichte derselben, Tübingen 1802), welches zwar, wenn das strenge chronologische Ausmaß zur Anwendunggelangt, nicht mehr in den Rahmen dieses vierten Bandes gehört, als reife Fruchtjener Erstlingsschriften aber doch nicht ungenannt bleiben kann. Es wird vonmaßgebender Seite (diese Vorlesungen II-, S. 182' betont, daß es ,.allzu selten zuRate gezogen“ werde; in diesem Worte mag die Entschuldigung der Über-schreitung der Zeitgrenze gesucht werden. 6 ) Melanderhjelm, Isaaci Xewtouitractatus de quadratura curvarum . . . illustratus, Stockholm 1762. *) Reimer,
Dissertatio exhibens specimen libelli tractantis historiam problematis de cubiduplicatione, Göttingen 1796. 8 ) Über die Frage, mit welchem Rechte die
Würfelverdoppelung den bekannten Beinamen erhielt, verbreitet sich v. Wi-lamowitz-Moellendorff (Ein Weihgesehenk des Eratosthenes, Gott . Gel.Xachrichten, 1894, Xr. 1). ®) Diese Vorlesungen I 2 , S. 198ff. ’°) Reimer,
Historia problematis de cubi duplicatione, Göttingen 1798. Nur als Plagiatdavon kann gelten: Biering, Hist-oria problematis cubi duplicandi, Kopenhagen