Arithmetik.
Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war für Frankreich eineZeit der Aufklärung, in welcher kühne Schriftsteller neue Ideen ent-falteten. Die französische Revolution zerstörte die Feudalinstitutedes Mittelalters in allen Gebieten der weltlichen Einrichtungen. DieWissenschaften und das Schulwesen wurden von diesen welthistori-schen Ereignissen tief beeinflußt. Die Schriften von Rousseau undCondillac , von den Enzyklopädisten und von Condoreet brachtenneue Gedanken, nicht nur über philosophische Sachen im allgemeinen,sondern auch über die Erziehung und Mathematik im einzelnen. IhrEinfluß auf den Elementarunterricht in der Mathematik wurde gegendas Ende des Jahrhunderts überwiegend. Diese Zeit weist in Frank-reich neue Rechenbücher auf, deren Autoren sich auch mit derhöheren Mathematik beschäftigten. Dennoch finden wir, daß hier,wie auch in anderen Ländern, veraltete Rechenbücher noch großenAbsatz fanden. Das bekannteste unter den letzteren war L’Arith-metique du S'Barreme .. augmentee .. de plus de 19U pages.par X. Barreme, Paris 1704, Rouen 1779. Die erste Auflage von-Francois Barreme erschien 1(177. Nicolas Barreme war „einNachkomme des Autors“, wie wir aus der Auflage von 171H ent-nehmen, welcher den Umfang dieses populären \\ erkes verdoppelteund deshalb erwähnt zu werden verdient.
Ein zweites Werk dieser Art war L’Arithmetique en saperfection . . par F. Le Gendre, arithmeticien. Die erste Auf-lage erschien in Paris lfilti, eine zehnte D391. Während des18. Jahrhunderts wurden wenigstens sieben gedruckt. Eine erschienzu Paris 1774, eine andere zu Limoges 1781. Eine Vergleichungder Ausgabe von Lons le Saulnier 1812 mit denjenigen von 1774 und1705 zeigt, daß die drei sich nur im Anhang voneinander unter-scheiden und daß der Hauptteil während mehr als 100 Jahren ohnenennenswerte Abänderungen beharrte. Ein solches Beharren beimAlten in diesen und anderen Schulbüchern wirft ein düsteres Lichtauf die Schulverhältnisse damaliger Zeit.