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Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
Entstehung
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Abschnitt XX.

reichen Arztes zu Carabiano. Durch gewagte Unternehmungen verlorder Vater sein Vermögen. Der junge Lagrange interessierte sichanfangs für Cicero und Virgil; erst später zeigte sich Neigung fürMathematik. Zuerst studierte er die Geometrie der Griechen, daunerregte eine Abhandlung des Astronomen Halley, worin die Vorzügeder Analysis hervorgehoben wurden, in ihm großen Eifer für dieAnalysis. Er machte so ausgezeichnete Fortschritte, daß er vorseinem 20. Jahre 1 ) die Stelle eines Professors der Mathematik an derKöniglichen Artillerieschule zu Turin bekleiden konnte. In Verbin-dung mit einigen seiner Schüler gründete er die Turiner Akademie.Zu dieser Zeit bearbeitete er seine neuen Methoden für die Maximaund Minima, schrieb über rücklaufende Ileihen und Wahrscheinlich-keitsrechnung. In der Abhandlung über die Fortpflanzung desSchalles behandelte er einen schwierigen Gegenstand, an welchemNewton, Taylor, Daniel Bernoulli und D’Alembert gearbeitethatten, und trat gleichsam als Schiedsrichter auf, der jedem zeigte,worin er in diesem Streite recht oder unrecht hatte. Lagranges Ar-beiten veranlaßten Euler ihn in die Berliner Akademie aufnehmenzu lassen. Am 2. Oktober 1759 meldete Euler seine Aufnahme an.

Lagrange sehnte sich die Pariser Gelehrten, mit denen er inBriefwechsel war, persönlich kennen zu lernen. Er nahm eine Ein-ladung seines Freundes Carraccioli an, mit ihm über Paris nachLondon zu reisen. Tn Paris wurde er von D’Alembert, Clairaut ,Condorcet , Fontaine, Nollet, Marie und anderen gut aufgenommen.Plötzlich erkrankt, konnte er seinem Freunde nicht nach London folgen. Nach Turin zurückgekehrt, widmete er sich mit neuem Eiferder Mathematik. Als Euler sich entschied, Berlin zu verlassen, umnach St. Petersburg zu gehen, bot Friedrich der Große die Prä-sidentenstelle seiner Akademie D’Alembert an. D’Alembert hatteaber keine Lust Paris zu verlassen und schlug Friedrich vor, La-grange an Eulers Stelle zu setzen. Diesen Vorschlag hatte schonEuler selbst gemacht. Lagrange wurde berufen. Sein Aufenthaltzu Turin hatte ihm wenig mehr gefallen. Er fand dort niemand, derMathematik mit Erfolg studierte. Er schrieb: „Je suis determine äme tirer d’ici ä quelque prix que ce soit.“ 2 )

Lagrange nahm die Stelle in Berlin am 6. November 1766 an.Während seines zwanzigjährigen Aufenthaltes in Berlin lebte er soganz seiner Wissenschaft, daß ihm die Händel der Welt beinahe un-bekannt blieben.

*) Nach Yirey im 15 ., nach Delambre im 16 ., nach Forti im 18 . Jahre.r ) Yide Bollettino di Bibliografia e Storia delle Scienze Matematiche, EditoreCarlo Clausen, Torino, T. IY, 1901 , p. 4 .