Die Perspektive vom Mittelalter bis zn Endedes 17. Jahrhunderts.
Unter dem Namen „Perspektive“ (von perspicere = klar sehen)haben die Alten die Grundbegriffe und Grundlehren der geometrischenOptik zusammengestellt; dies ergibt sich hauptsächlich aus einemWerke des Euklid, das wir noch besitzen 1 ). Diese Lehre wurde inEuropa von Ihn Alhaitam gelehrt und verbreitet (I 2 , S. 744). Sehrbald wurde sie ein Unterrichtsfach in den mittelalterlichen Universi-täten; infolgedessen fand Johann Peckham, Bischof von Canterbury,es für notwendig, eine für die Schulen bestimmte Behandlung der-selben zu schreiben (II 2 , S. 98); Bradwardin hat dann dieselbe ver-schlimmert (S. 111); auf ähnlichen Grundlagen ist eine Perspektivedes berühmten Witelo aufgebaut (S. 98).
Aber mit der Zeit und mit der Entwicklung der Kultur hat sichdie Bedeutung jenes Wortes gänzlich verändert. Da der Seh-prozeß sich durch geradlinige Lichtstrahlen vollzieht, welche von denverschiedenen Punkten des Objektes bis zu den Augen des Beob-achters gehen, so ist jeder Augapfel der Mittelpunkt eines „Seil- oderperspektivischen Kegels“. Man stelle sich nun vor, daß zwischen dieAugen und das Objekt eine durchsichtige Fläche („Tafel “) gesetztwerde, daß man den Punkt bestimme, wo dieselbe von jedem Seh-strahl geschnitten wird, und daß endlich dieser Schnittpunkt mit der-
Anmerkung zu Abschnitt XXV. Über die Geschichte der Perspektiveist die beste Quelle die „Histoire de la perspective ancienne et moderne“ (Paris 1864i, von M. l’oudra, mit den Zusätzen, welche L. Cremona („Sulla storiadella prospettiva antica e moderna“ in der Rivista italiana di scienze, lottereed arti, t.V , 1865, p. 226—231,241—245) dazu gemacht hat, und P. lticcardi („Dialcune opere di autori italiani ommesse nclla Histoire de la perspective diM. Poudra“; Bibi. math. 1889, p. 39—42). Über dasselbe Thema und die Ge-schichte der darstellenden Geometrie sehe man auch den I. Bd. von Chr.Wiener, „Lehrbuch der darstellenden Geometrie“ (Leipzig 1884).
‘) „Euclidis Opera omnia“, vol. VII, Lipsiae 1895; vgl. das IV. Kap. desIII. Buches des Werkes von G. Loria, „Le scienze esatte nell’ antica Grecia“(Mem. della R. Acc. die Modena , II. Reihe, XII. Bd., 1900).
Caxtob, Geschichte der Mathematik IV.
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