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Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
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Abschnitt XXV.

selben Farbe versehen werde, welche der entsprechende Objektspunkthat, so wird man eine Punktgruppe bekommen, welche im Auge die-selbe Empfindung hervorruft wie das gegebene Objekt. Nun bildeteben gerade die Bestimmung dieser Punktgruppe auf der Tafel denZweck der modernen Perspektive. Diese besteht aus zw^ei Teilen: der„Linearperspektive“, welche die Schnittpunkte der Lichtstrahlen aufder Tafel geometrisch zu konstruieren lehrt, und der „Luftperspektive“?welche den Zweck hat, die Farben der verschiedenen Punkte desBildes zu bestimmen. Nur die erstere kann als ein Teil der Mathe-matik betrachtet werden; daher werden wir hier nur auf die Werke,welche sie betreffen, eingehen. Ferner werden wir auch von unsererAnalyse alle für Künstler oder von Künstlern bearbeiteten Werke aus-schließen, welche nur empirische Zeichnungsvorschriften enthalten; siewerden von einigen als zur „praktischen Perspektive“ gehörig betrachtet.

Es erhellt aus dem eben Gesagten, daß die Perspektive diewissenschaftliche Grundlage der Malerei bildet; daher ist es wohlnatürlich, daß die Maler die ersten waren, welche sich damit be-schäftigt haben. Unter ihnen sind diejenigen, welche mit Euklid vertraut waren, zu endgültigen Schlüssen und rationellen Methodengelangt. Um das zu beweisen, genügt es, daran zu erinnern, daßJohann van Eyck (1395—1440), welcher in Deutschland als Lehrerder Lehrer der Malerei betrachtet wird, den Ruf eines vortrefflichenGeometers genießt 1 !. Andere Beweise derselben Behauptung liefertdie ganze Geschichte des ersten Entwicklungsstadiums der in Redestehenden Lehre. So verdanken wir dem vielseitigen Genius des LeonBattista Alberti (II 2 , S. 292) 2 ) den Grundbegriff von der „Perspek-tive eines Objektes“ als dem Durchschnitt der Tafel mit dem ent-sprechenden Sehkegel oder -Pyramide. Nach ihm begegnen wirPier dei Franceschi, gewöhnlich della Francesca genannt (1406oder 1416 geboren, 1492 gestorben), welcher, wahrscheinlich im Jahr-zehnt 1470—1480, ein vollständiges Handbuch der Perspektive schrieb,das erste, welches in Italien , vielmehr in der Welt, das Licht er-blickte; ein Handbuch, welches handschriftlich von vielen ausgenutztoder besser geplündert wurde, und das erst vor sieben Jahren ge-

5 S. Günther, „Geschichte des math. Unterrichts im deutschen Mittel-alter bis zum Jahre 1526“ (Berlin 1887), S. 331. Nach G. J. Kern („Die Grund-züge der linear-perspektivischen Darstellung in der Kunst der Gebrüder van Eyckund ihrer Schule“, I. Bd„ Leipzig 1904) hat Johann van Eyck die Existenzdes Fluchtpunktes gekannt und denselben verwertet; aber diese Behauptungwurde von K. Döhlemann im Aufsatze Die Perspektive der Brüder vanEyck (Zeitschrift f. Math, und Phys., III. Bd., 1905, S. 419—425) als unbegründetbewiesen. *) Vgl. G. Loria, „Per L. B. Alberti“ (Bibi. math. 1895, p. 9—12).