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Abschnitt XXV.
Werk 1 ) wurde 1530 verfaßt, ging handschriftlich durch viele Händeund wurde vom Verfasser mehrmals durchgesehen und umorearbeitet;der Sohn Yignolas übergab nach dessen Tode die letzte BearbeitungDanti zur Veröffentlichung. — Yignola setzt, den Gewohnheitenseiner Zeit folgend, immer voraus, daß die Tafel vertikal sei, unddaß man eine Horizontalebene als Träger aller betrachteten Figurenhabe; von jedem Punkt des Körpers nimmt er die Orthogonal-projektion auf dieser Ebene und die entsprechende Höhe als gegebenan; und um die Perspektive dieses Punktes zu finden, beginnt er mitder Bestimmung der Perspektive seiner Orthogonalprojektion. Die soentstehende Beziehung zwischen der Horizontalebene und der Tafelist 2 ) eine Homologie, die vom Verfasser auf zweierlei Weise kon-struiert wird. Mindestens eine von diesen Konstruktionen ist neu.Die Erläuterungen Dantis sind sehr bemerkenswert, nicht nur wegenihres streng euklidischen Stils und wegen der wertvollen geschicht-lichen Nachrichten, welche sie über die Untersuchungen der älterenPerspektiveforscher enthalten, sondern auch weil sie den Beweis vonder in einigen besonderen Fällen vorhandenen Existenz der sogenannten„punti di coneorso“ enthalten, die ein wenig später ihren siegreichen Ein-zug in unsere Wissenschaft halten sollten. Diese vortrefflichen Kommen-tare und der große Wert des Originals selbst verschafften der Arbeiteinen ungeheuren Erfolg: sie wurde mehrmals neu aufgelegt, fernerins Lateinische, Französische, Englische, Deutsche und Russische über-setzt; man sagt sogar, daß Peter der Große es nicht verschmähthabe, dieselbe zu kommentieren! 3 )
Auch Giambattista Benedetti (II 2 , S. 565) 4 ) muß unter denMathematikern aufgeführt werden, welche sich mit der Perspektivebeschäftigten; denn der II. Teil seines Werkes „Diversarum spe-culationum mathematicarum et physicarum über'' (Taurini 1585) istbetitelt „De rationibus operationuui perspectivae“ und scheint denZweck zu haben, einige bei den Malern übliche Verfahren zu berich-tigen. Schon vor Benedetti hatte zwar Danti bereits die Notwen-digkeit erkannt, derartige Berichtigungen zu geben; aber der Weg,welchen Benedetti einschlägt, um zum Ziele zu gelangen, ist zumTeil neu. Es möge noch bemerkt werden, daß der Verfasser fürjedes Problem eine „figura corporea“ und eine „figura superficialis“
b „Le due regole della prospettiva pratica di M. Jacopo Barozzi daVignola, con i commentari di Egnatio Danti “, Roma, I. ed. 1583; II. ed. 1644.*) Eine Bemerkung von Chasles („Apercju hiatorique“, II. Aufl., 1875, p. 348).
*) Tirahoachi, „Biblioteca modenese“, T. I (Modena 1781), p. 1761. Tramon-tini, „Elogio di G. Barozzi“ (Modena 1825). * *) Man sehe auch Libri , T. III,
p. 121 und Xote XXV.