Band 
Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
Entstehung
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614
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Abschnitt XXV.

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Um unseren Lesern eine Idee der von Lambert angewandtenVerfahren zu geben, möge die Auflösung der V. Aufgabe dienen:„Sind AC und BI ) die Geraden, die in einem Punkte außerhalb derTafel zusammenlaufen, und IC der gegebene Punkt; durch E zieheman zwei Geraden A H, GB und dann AB, GH, bis zu ihrem Durch-schnitt K\ aus K ziehe man die Gerade KCl) und dann CH undG D] ist F der Durchschnittspunkt der letzteren, so ist EF die ge-suchte Gerade.“

Die Ideen und Methoden Lamberts, welche, wie wir sahen (S. 60t3 ),wahrscheinlich schon auf E. Zanotti einen Einfluß ausübten, bliebenohne jegliche Wirkung auf einen italienischen Architekten, Maler undProfessor Baldassare Orsini (1732—1810), welcher hier eine bei-läufige Erwähnung verdient als Verfasser eines dreibändigen Werkes„Deila geometria e prospettiva pratica“ (Rom 1773), in dem wir nichtsNeues gefunden haben. Dagegen haben jene Ideen und Methoden einenwarmen Bewunderer an einem deutschen Universitätsprofessor J ohannGustav Karsten (1752-—1787) (vgl. S. 357) gefunden, der aus ihnendie Anregung zur Abfassung eines Teils seines kolossalen (achtbän-digen) Werkes „Lehrbegritf der gesamten Mathematik“ (Greifswald1707—1777) schöpfte, das er während seines Professorats in Halle a.S.herausgab. 1 ) Es ist der vorletzte Band (1775) dieses Handbuchs(„Die Optik und die Perspektive“), noch genauer sein II. Teil (S. 110bis 028), wo der auch vom Verfasser zugestandene Einfluß vonLambert unverkennbar ist. 2 ) Aber Karsten hat, wenn er auchBegriffe und Verfahren auseinandersetzt, die nicht sein Eigentumwaren, in dieselben ein Element eingeführt, dessen Hilfe Lambertabgelehnt hatte, nämlich die Rechnung; auf diese Weise gelang esihm, zu den Resultaten seines Vorgängers manches hinzuzufügen.

Nicht alle Kapitel der genannten Karstenschen Arbeit verdieneneine besondere Erwähnung in einer Geschichte der Linearperspektive;keines aber darf von dem außer Betracht gelassen werden, der eine

wir derselben keine Erwähnung getan, da sie eher zur Physik als zur Geometriegehört (vgl. S. 580).

*) Mit liecht bemerkt Karsten, daß die von Lambert vorgeschlagenenKonstruktionen so einfach sind, daß sie nicht von der Kritik betroffen werden,die die Inauguraldissertation A. L. F. Meisters (1724—1788) „Instrumentumscenographicum, cujus ope ichonographia et ortkographia invenire scenographiamexponit“ (Göttingen 1753) enthält. * *) Die Perspektive in das System der ge-samten Mathematik einzufögen, entspricht einer Gewohnheit, die man bis aufdas Mittelalter zurückführen kann, und welcher sich, schon vor Karsten, A. G.Kästner 1719—1780) in seinemünterricht getreulich anschloß; man sehe (vgl.S. 355) seine „Anfangsgründe der Arithmetik, Geometrie, ebene und sphärischeTrigonometrie und Perspektive“ (I. Auf!, Göttingen 1758).