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beschäftigt ist, da gibt eS kein Mittel, eintretende Geschäftspausen denbrodlosen Arbeitern erträglich und für den Staat ungefährlich zuMachen, als Armentaren.
Eine vergebliche Mühe dürfte es seyn, auS E.B.B. einen Bil-dungseinfluß auch für die Landleute herausdemonstriren zu wollen.3u Bildungsreisen nach Art der Gewerbskandidaten ist der Bauer,wenigstens in Europa , nicht aufgelegt und geeignet. Er ist durchBesitz „nd Beschäftigung am meisten an die Scholle gebunden, dahersein Festhalten am Hergebrachten im Guten und Schlimmen, daherlsin Widerstreben gegen jede Neuerung im Betrieb. Landwirthschaft-"che Schulen, Vereine rc. haben in manchen Ländern mit Erfolggegen Vorurtheile, Schlendrian, schädliche Wirthschastssysteme ange-kämpft und einem rationelleren Verfahren Eingang verschafft; alleinso wohlthätig und achtungswerth diese Bemühungen bei einem Standeand, dessen Intelligenz so sehr einer Pflege bedarf, so ist — ganzabgesehen von den politischen, Fesseln der Landwirthschast — zurGründung einer blühenden Bödenindustrie noch mehr nöthig. Fragenwir, was in Belgien und Holland schon seit 600, in England seit"0 und 70 Jahren jene bewunderte Blüthe des Ackerbaus hervor-gerufen habe, so antwortet uns die Geschichte, daß es die demAckerbau zur Seite gehende Gewerbsindustrie war uüd ist, welche,swch dazu fürs Ausland beschäftigt, für sich und für eine großeMenge von Arbeitern Rohstoff und Nahrung heischt, so daß derBauer stets viele nahe und bleibende Käufer findet.* Dieser
* Nach den neuesten offiziellen Zählungslisten leben von den 3,414175 FamilienGroßbrittaniens (Englands, Schottlands und Wales ) nur 961134 ausschließlichvom Ackerbau, von deren Produktenüberschuß 2,453041 Familien erhalten werdensollen, was in sehr guten Jahrgängen wirklich wenig Anstand hat, in mittlerenund schlechten aber fremdes Getreide einzuführen nöthigt. Natürlich kann meineAbsicht nicht seyn, das in England herrschende Mißverhältniß zwischen acker-bauender und fabrizirender Bevölkerung in Schutz nehmen zu wollen (1831 leb-ten in England und Wales 28 Proz. der Bevölkerung von Ackerbau, 42 vonManufakturen und Handel, 30 von Kapitalien und persönlichen Diensten; 1811war das Verhältniß noch 35 : 44 : 21, 1821 noch 33 : 46 : 21); so viel aberbegreift man, daß in diesem Verhältniß für den englischen Gutsbesitzer derstärkste Sporn liegt, dem Boden den höchstmöglichen Ertrag abzugewinnen.England besaß 1786 noch 250000 selbstständige Gutsbesitzer, 1816 nur noch32000, darunter fast 6000 Korporationen und fast ebensoviele Collegien, Kapi-tel und Kirchspiele, 1831 aber, ungerechnet die Korporationen und Kirchen,nur noch 7200 selbstständige Grundbesitzer, unter welchen 600 sehr reiche.Diese Veränderung im englischen Grundbesitz hat ihren Ausgangspunkt genauin der Epoche des hohen industriellen Aufschwungs. Kapitale und Arbeiterströmten, durch hohe Gewinne und Lohne angezogen, in die Fabriketabliffements,und obgleich Grundstücke und Lebensmittel von Jahr zu Jahr mehr im Preisestiegen, so übte der neue Jndustrialismus doch eine solche Gewalt über die Ge-müther, daß die kleinen freien Grundbesitzer, die Freeholder, so wie die verschul-deten Copyholder, lieber um hohe Preise ihre Grundstücke verkauften und inindustrielle Unternehmungen steckten, während die reiche Nobility und die durchIndustrie reich gewordene Gentry , in einem ganz richtigen Instinkt der Erhaltungihres Familienglanzes, mehr und mehr Boden an sich kauften, so daß nachWiederherstellung des Friedens die Zahl der englischen Grundbesitzer aus ein