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ausgingen, die Intelligenz beeinträchtigt habe. Zu verschiedenen Zei-ten hat der Deutsche mit seinem weltbürgerlichen Sinn sremde Mo-den, Sitten, Waaren, Künste, Wissenschaften begünstigt und aufge-nommen, am Ende aber die fremden Elemente stets seiner Individua-lität auf eine Weise angeeignet, daß er dabei sich selbst nicht verlor.Und noch in neuester Zeit hat das Natioualgefühl über die Kriegs-lust Frankreichs und über den Handelsegoismus Englands so lautgesprochen, daß alle sonstigen Neigungen für diese Völker plötzlich inden Hintergrund traten. Was aber jede Nation, die sich einmal alssolche historisch bethätigt hat, vor auflösenden Einflüssen und vorschädlicher Nivellirung mit anderen am wirksamsten schützt, das ist dieSprache: das innerste geistige Centrum, das, in sich selbst unauflös-bar und jedem fremdeu Fuße unnahbar, ewig zwischen den Nationeneine Scheidewand bildet. Deutschland kann durch E.B.B. nur dieHoffnungen vollendet sehen, zu welchen der Zollverein in der kurzenZeit seines Bestandes schon das vollste Recht gegeben hat. Dennwie dieser das der geistigen Einheit des deutschen Volkes, der Einig-keit seiner Stämme entsprechende äußere Band ist, so ist der Garantseiner Dauer und Unauslöslichkeit, der Garant der vollsten Entwick-lung seiner internationalen Wirkungen ein deutsches E.B.system. —Was ein europäisches E.B.shstcm unserem Welttheil zu leistenvermag, ist Fortschritt des Kosmopolitismuö. Sollte dieß ein Un-glück seyn? Man fürchte darum nicht, daß es in Europa je an Antikos-mopolitismus fehlen werde. Der Mensch, welcher den ersten Weg bahnte,einen Baumstamm zur ersten Brücke machte oder zum ersten Schiffhöhlte, um mit Seinesgleichen Gemeinschaft zu Pflegen, folgte einemkosmopolitischen Instinkt und schuf Werkzeuge des Kosmopolitismus.Straßen, Brücken, Schiffe haben sich unterdessen unendlich verbreitetund verbessert, aber ich habe noch wenig Gelegenheit gehabt zu be-merken, daß darum der Kosmopolitismus den Menschen lästig oderden Nationalitäten gefährlich geworden wäre, und die Gegner derE.B.B. dürsten alt werden, bis sie dieß erlebten, d. h. bis der wun-derliche Widerspruch in des Menschen Brust gelöst wäre, den Kantin die feinen Worte einkleidet: „die Menschen können des friedlichenBeisammenseyns nicht entbehren und dabei dennoch einander be-ständig widerwärtig zu seyn nicht vermeiden."
Auch für Poesie und Religion wird gefürchtet. — Schienen-wege und Dampfwagen, sagt man, sind unpoetische Werkzeuge; dieunsinnige Geschwindigkeit raubt den Naturgenuß; die durch das Ge-triebe des Verkehrs herbeigeführte Vermischung der Stände machtden geselligen Verein färb- und tonlos; die Vermischung verschiedenerReligionsverwandten im vermehrten Austausch ihrer Ideen und Güterbefördert den bereits überhandnehmenden religiösen Jndifferentismus,der gesteigerte JndustrialiSmus die Herrschaft der materiellen Inter-essen. — Zum Glück ist die Zahl dieser Parnaß- und Zionswächterebenso schwach als ihre Ueberzeugungsfahigkeit. Man kann sich daher aus