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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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29
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die Erklärung beschränken, daß die ganze Rüstkammer poetischer Mo-tive, welche das Alterthum und das Mittelalter darbieten mag, durchE.B.B. unverkümmert bleibt, daß aber die bürgerlichen Wirthschaftender neueren Staaten jene poetischen Gegensätze von Freien und Scla-ven, von Priestern und Laien, Rittern und Leibeigenen rc., auch wennE-B.B. nicht erfunden wären, an sich nicht mehr dulden würden;den sentimentalen Naturfreunden genüge der Rath, von E.B.B. sichentfernt zu halten, und der Trost, daß E.B.B. sich mit Felspartieen,Gebirgskolossen und Gletschern nie vertragen werden. Wer jedoch,die Leidenschaften des eigenen kleinen Herzens und die Beschränktheitdes eigenen Kopfes seinem Gotte andichtend, gegenseitige Achtungreligiöser Ueberzeugungen als Jndifferentismus, Toleranz und Glau-bensfreiheit als eine verdammliche Kälte gegen die Religion beschimpft,den wird, so wollen wir wenigstens hoffen, das Gelächter besser be-lehrter, ftiedlick verkehrender Völker treffen. Die Klage über einwachsendes Uebergcwicht der materiellen'Interessen und Bestrebungenwird hauptsächlich in Deutschland gehört. Sie ist, gegen Deutsch­ land gerichtet, eigentlich ein Vorwarf über dessen industrielles Auf-streben, und rührt von Philosophen, Philologen, Theologen und ge-wissen Sekten her. Man ist versucht zu glauben, daß die Anklagenicht ganz frei von Neid und Eifersucht sey, andrerseits Manchemzum Deckmantel des eigenen wohlbewußten Strebens nach Irdischemdiene. Man findet den richtigen Gesichtspunkt zu Beurtheilung derSache, wenn man davon ausgeht, daß die Menschen zu allen Zeiten,gleich eifrig nach materiellem Besitz strebten, daß aber die Mittel zumLeben und Wohlleben zu verschiedenen Zeiten verschiedene gewesensind. In unseren Tagen hat es sich ereignet, daß Hülfsmittel ent-deckt wurden, welche die Güterproduktiou zu einem Grad von Ergie-bigkeit und Mannigfaltigkeit steigerten, daß den physischen Bedürf-nissen der Bequemlichkeit, des Wohlbehagens und der Zerstreuungeine reichere Auswahl von Befriedigungsmitteln als früher dargebo-ten und der Genuß gewisser Güter auch solchen Volksklassen möglichgemacht ist, welche bisher davon ausgeschlossen waren. Man wäreaber sehr im Irrthum, wenn man daraus schließen wollte, das Strebennach solchen Gütern müsse deßhalb gieriger und heißer geworden seyn.Elisabeth von England trug dort die ersten seidenen Strümpfe: einGut, nach welchem alle Damenherzen damals den hitzigsten Wettlaufanstellten, worin natürlich nur die reichsten siegten. SeitdemStrümpfe von Seide in den Bereich geringerer Vermögensverhält-nisse degradirt worden sind, hat sich die Sehnsucht auf ganze Robengeworfen, und man wird nun wohl nicht behaupten wollen, daß dieBegierde nach einer Robe größer seyn müsse, als nach einem paarStrümpfen, so wenig als daß die früheren Deutschen größere Den-ker als die heutigen gewesen seyn müßten, weil sie nicht so viel Ge-legenheit zur Zerstreuung in Museen, Kasinos, Theatern rc. hatten. Von anderer Seite betrachtet, hat die Güterproduktion selbst eine