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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Wie nämlich Deutschland seit Erweiterung seines Marktes mitErrichtung von>E.B.B. sich beschäftigt, so erbaute England, unterÄhnlichen Verhältnissen, in einem ähnlichen Aufschwünge seiner mate-riellen Kräfte seine ersten Kanäle.

Man wird mir alsbald entgegenhalten, daß ich inkongruenteGrößen zusammenstelle; daß Englands Industrie um die Mitte desvorigen Jahrhunderts bereits eine höhere Bedeutung gehabt habe,als die Oekonomie Deutschlands im gegenwärtigen Augenblicke; daßalso „eine vcrhältnißmäßig hochgesteigerte Industrie" den Inselstaatin den genannten Anstalten allerdings- berechtigt habe. Es wurdein weit führen, wenn ich meiner Parallele erst durch eine geschichtlicheAuseinandersetzung ihre Berechtigung erkämpfen wollte; daher be-schränke ich mich auf einige einfache Thatsachen, deren Verständniß

die halbe Maßregel sich so stark genirt fühlen würde als durch die ganze, und daßes sich am Ende nur um die Schmerzen des UebergangS handelt. Sind denndie englischen und französischen Seehäfen weniger bedeutende Auflagerungsplätze,als die hanseatischen Freihäfen? besitzen sie weniger scharfsichtige und gewandteKaufleute, weniger disponible Kapitale? hänfen sie weniger Waaren auf, derenMangel bei Krisen schmerzlich empfunden werden könnte? Und sollte der Kreditder Hanseaten sich verringern, wenn sie aus Handelsrepubliken zu Seehäfeneiner Nation werden, deren Kredit und Macht ihnen auf fremden Märkten zurSeite steht? Sollte es für nichts gelten, daß der Bund Verträge zu ihrenGunsten mit fremden Mächten abschließt, nach welchen ihre Schiffe in fremdenHäfen auf gleichen Fuß mit den einheimischen rücksichtlich der Schiffahrtsabgabenbehandelt werden? Sollten ihre Verbindungen mit überseeischen Märktenlockerer werden, wenn sie künftig unter einer Nationalflagge Handel trieben?Diese Fragen scheinen doch wohl auch einer Berücksichtigung werth. Man über-treibt die Vortheile eines Freihafens hinsichtlich des merkantilischen Betriebs.Hunderte von Städten blühen durch Eigen- und Zwischenhandel unter Beschrän-kungen, die sie mit ihren übrigen Landesschwestern theilen. Es will mich bedien-ten, daß die Gründe für die Wichtigkeit der Freihäfen ein minder souveränesAnsehen angenommen haben würden, wenn die Regenten jener Städte nicht demHandelöstande angehörten. Sollte übrigens der Zollverein Gründe haben, die-selben als Freihäfen dem Bunde einzuverleiben, so scheint mir die Gerechtig-keit zu fordern, daß auch Stettin rc. dieser Charakter verliehen werde.

Neuerdings spricht man selbst von einem Beitritt Oestreichs für seine 3718Qnad.M. deutscher Länder. Diese Vereinigung würde den schönsten Marktbilden, den je eine Zolilinie umschlossen hat. Die Industrie Böhmens , Mährensund des Erzherzogtums stände gewiß nicht, diejenige der Erbstaaten schwerlichim Nachtheil. Allein Oestreich ist eine aus heterogenen Bestandtheilen zusam-mengesezte Monarchie, zugleich so reich an mannigfaltigen Produkten, seinegeographische Lage und seine inneren Kommunikationen so günstig, daß es eineWelt für sich bilden kann und der beneidenswerthesten Unabhängigkeit genießt.Es scheinen also weniger nationalökonomische als vielmehr politische Rücksichtenzu fordern, daß es von der nationalen Entwicklung der materiellen InteressenDeutschlands nicht ausscheide, da in diesem Falle eine zunehmende Entfremdungdie nothwendige Folge seyn müßte, nachdem bereits, je weiter gegen den NordenDeutschlands , desto mehr eine Ansicht, eine Art Empfindung herrschend gewordenzu seyn scheint, Oestreich gehöre eigentlich nicht mehr zu Deutschland . OestreichsEinfluß auf deutsche Angelegenheiten steht auf dem Spiele, wenn es der nationa-len Einigung der materiellen Interessen Deutschlands und deren Fortbilvung,welche nothwendig eine Entwicklung der nationalen Machtverhältniffc in sichbegreift, ferne bliebe.