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Gewiß wird Niemand von E.B.B. eine Totalwirknng erwar-ten, die nur daS Ergebniß eines Zusammenflusses vieler mitwirken-den Kräfte seyn kann; gewiß sind E.B.B. keine Panaeee gegen alleSchäden, kein Zauberstab, der die Flusse in Milch und Honig ver-wandelt. Zur Gründung einer großen und seibstständigen deutschenNationalindustrie muß auE ein kluges Schutzsystem mitwirken, wieder Verfechter eines deutschen Eisenbahnsystems (in der Vierteljahr-schrift 1841, Heft 4) richtig bemerkt. Und auch in dieser Beziehung
Verkehrsmitteln, wornach die gegenwärtigen Straßen Deutschlands für genügenderkannt werden. Ich will das lezte Wort über diesen Punkt sagen. Man michauf Prinzipien eingehen, weil sonst der Einwand immer wiederkehrt. — Es isteine bekannte Sache, daß man im geselligen Verkehr nur tauschwerthe Ge-brauchswerthe produzirt; ebenso bekannt, daß der ständige Betrieb einer Unter-nehmung von Nachfrage, Lieferungsfähigkeit und Gewinn abhängt. Lieferungs -fähig wird ein Produkt durch Wege und Transportmaschinen. Insofern sindalso Straßen unmittelbare Werkzeuge des Verkehrs, der Lieferung, also der Kon-sumtion, mittelbare der Produktion. Zum Beispiel: Eine isolirte Gemeindeerzeugt nicht mehr, als ste selbst bedarf; eine schwer zugängliche wenig mehrüber eigenen Bedarf, um dieses Plus gegen fremde Artikel auszutauschen. AlleProdukte, welche ste gibt und nimmt, müssen in die Kategorie derjenigen gehö-ren, welche den vorhandenen Wegen und Transportmaschinen zusagen. Manerleichtere ihren Verkehr durch gute Straßen, und wie mit einem Zauberschlagewird sich Konsumtion und Produktion verändern. Die Unternehmer werden sichangetrieben fühlen, die Produktion weit über den eigenen Bedarf auszudehnen,um mit dem Ueberschusse weit mehr als bisher fremde Konsumtionsartikel zu er-werben. Stoffe, welche bisher ein todtes Kapital waren, werden jezt genuzt,und entweder roh oder verarbeitet vertauscht, denn man kann ste jezt liefern, zuMarkte bringen. Was soll es denn heißen, wenn man so oft liest, daß es Spa nien und Portugal nur an guten Straßen fehle, um reiche Länder zu seyn? Of-fenbar will man damit sagen: daß gute Verkehrsmittel im Stande wären, dieProduktivität und die Konsumtibilität jener Länder zu steigern. Man traut ih-nen also die Kraft zu, das Volk thätiger,' gewerbsamer und dadurch auch gebil-deter zu machen. Es ist allerdings kein üamnum einerxen«, welches Spanien und Portugal aus ihren schlechten Verkehrsmitteln erwächst: die Leute wissennichts Besseres, ste leben bei dem beschränkte» Maß ihrer Bedürfnisse und Ge-nüsse sehr zufrieden; aber unleugbar ist es ein luornin eessnns, wofern manes als einen Gewinn, als einen Bestandtheil der menschlichen Bestimmung an-sieht, daß Kräfte sich entfalten, daß die Kultur fortschreite, der Genuß sich er-weitere, daß das Land seine Hülfsquellen erschließe und eine ordentliche Regie-rung die Mittel bekomme, eine dauernde Wohlfahrtspflege auszuüben. AlsDeutschland bessere Landstraßen baute, hätte man leicht sagen mögen: „laßt die-sen Lurus, die alten thun noch gute Dienste; der Zustand der Industrie fordertnoch keine besseren." Man verbesserte aber die Kommunikationsmittel und mitdem erleichterten Verkehre stieg Produktion und Konsumtion, insbesondere dieUrproduktion, welche den Einfluß guter Landstraßen am unmittelbarsten empfin-det. Seitdem wurde in Deutschland ein Netz trefflicher Landstraßen ausgebrei-tet, welche alle möglichen Verkehrsbeziehungen aus die wohlthätigste Weise för-dern und —- man blicke auf jeden Staat mit guten Straßen — dem Gewerb-fleiß jeder Art den mächtigsten Vorschub geleistet haben. Ist aber deßhalb an-zunehmen, daß diese Straßen bereits Alles so erschöpft haben sollten, daß durchein Transportsystem höherer Ordnung gar nichts mehr zu wecken und,zu nutzenübrig bliebe? Gewiß nicht I E.B.B. sind vielmehr so recht eigentlich ein Mittel,denjenigen nationalökonomischen Nutzen, welchen Landstraßen bisher in den ein-zelnen abgesperrten Staaten gestiftet haben, nunmehr aus dem große» freienVerkehrsgebiete zu stiften.