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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Allem die Meinung der Gegner ist: daß das gegenwärtige Land-rrausportsvstem vollkommen ausreiche, daß gutunterhaltene Chausseendem gegenwärtigen Standpunkte der Industrie.genügen, da nur einehochgesteigerte Industrie, wie sie in England und Belgien be-stehe, .daselbst das Bedürfniß nach E.B.B. hervorgerufen habe unddie Befriedigung desselben rechtfertige.Es kann nicht geleugnetwerden, daß ein Bestreben, die Kommuuikatiouö- und Transportmittelzu vervollkommnen, da am meisten rege ist, wo der Menschen- undWarenverkehr der lebhafteste ist. Allein ich behaupte, daß Englandseine E.B.B. nicht aus dem Grunde baute, um eine lästige Span-nung iir seinen bisherigen Verkehrsverhältnissen aufzuheben und bloßdie Cirkulation der vorhandenen Gütermasse zu erleichtern; sondernich glaube vielmehr und dieß ist der Nerv der englischen undbelgischen E.B.unteruehmnngcu daß durch E.B.B. dem Landeneue Hülfögüellen eröffnet, die wirthschaftlichen Thätigkeiten nochmehr, als sie es bereits sind, belebt und dem Nationalvermögen neueWerthe zugefügt werden sollen. ES ist von einem Engländer fürEngland geschrieben, wenn Makintosh sagt:E.B.B. vertreteneine Urbarmachung im Großen; sie roden das Land zum zweitenmal,vervielfältigen seinen Ertrag und lassen den Besitzer größere Erntenmachen ohne größere Mühe." Von einer Vcrkehrsspannung, die, ummich so auszudrücken, nothwendig in E.B.B. erplodircn »Hißte, sagtdie englische Geschichte bis zum Jahr 1830 nichts, und die Frequenzder englischen und belgischen Bahnen schließt nicht bloß die bisherigeVcrkehrsmasse in sich, sondern bereits zahlreiche neue Elemente desVerkehrs und neue Beschäftigungen. Man muß daher die deutscheNationalindustrie mit sehr genügsamen Augen ansehen, wenn manMeint, ein Hebel, welcher die englische noch zu erhöhen vermag, seyein Deutschland eine Superfötation. Fügen England und Belgien durch E.B.B. auch nur 10 Proz. hinzu, so darf Deutschland sicherauf 50 rechnen, wenn man die Art vergleicht, wie dort und hier dieHülfsquellen der Natur und der Arbeit ausgebeutet werden. AberEngland und Belgien , sagt man, arbeiten so sehr viel für den aus-ländischen Bedarf; Deutschland dagegen hat keine fremden Märkte.Weiß man denn auch, wie viel Prozente seines NationalproduktsEngland an die Fremde abtritt? Nach Dupin 13, nach Moreau deJones nur 8. Und soll denn Deutschland seine Industrie nur deß-wegen nicht mehr höher treiben, weil ihr auswärtige Märkte fehlen?Ist sie denn von fremder Industrie schon so unabhängig, um aufeine Steigerung der eigenen verzichten zu können? *

Wünsche nach politischer Einheit Deutschlands in dem Maß verstummten, inwelchem die Einigung der materiellen Interessen an Umfang gewann und ihreWirkungen kund that. Ja dieser Zollverein, dem ich in der ganzen GeschichteDeutschlands kein gleich wichtiges und wohlthätiges Ereigniß an die Seite zusetzen wüßte, ist der sicherste Garant der Throne, wie er auch den deutschen Staatenbund in industrieller u. nierkanttlischerHinsicht zum Bundesstaate macht.

* Man sieht, es ist immer wieder die Leugnnng der produktiven Wirksamkeit von