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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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land anzuwenden. Ich glaube jedoch auf einige Punkte im Blon-deren aufmerksam machen zu müssen.

Zuerst scheinen mir E.B.B. einen Vortheil, dessen die deutlchonFabriken und Manufakturen durch den Zollverein theilhaftig gewissden sind, auch auf die Landwirthschaft überzutragen: ich meineFähigkeit, den erweiterten Markt wirklich benutzen zu können. Jr»^nämlich sind durch den Zollverein in den Stand gesetzt, ihre leichst»,werthvollen und dauerhaften Produkte auf dem ganzen VereinSgebiellzu vertreiben, ohne daß die vorhandenen Straßen die Waare zu sehtvertheucrtcn. Die Landwirthschaft dagegen hat zwar die Möglichkeü,aber bei den gegenwärtigen Transportmitteln eine beschränkte Wischlichkeit der Benutzung deS erweiterten MarkteS. Die landwirthschaftliehen Produkte gehen nämlich nur da, wo das Meer, schiffbare Flüsstund Kanäle den Transport erleichtern, auf entferntere Märkte; über-all sonst, also in einem sehr großen Theile Deutschlands , sind dieselbe»auf die Achse verwiesen, also der Markt mehr oder minder beschränkt-Außerdem besitzt Deutschland eine große Anzahl kleiner und mittlererLandwirthe, welche ausschließlich mit Erzeugung von Lebensrnittel»sich beschäftigen und im gewöhnlichen kleinen Marktverkehre ihre»Ueberschuß an die benachbarten Städte absetzen. Für das Bedürfnißentfernterer Konsumtionsorte zu produziren, gestattet die Waare nicht,welche weder einen langen noch theuren Transport erträgt. In bei-derlei Hinsicht bieten E.B.B. dem Landwirthe die nützlichsten Dienstean, Vortheile, die, weit entfernt, nur den Bahnanwohnern zuzuflies-sen, auch von denjenigen Gemeinden getheilt werden, weiche zehn undmehr Stunden von dem Bahnzuge entfernt liegen, indem die bereitsvorhandenen, obgleich erst kurz bestehenden und noch fragmentarische»Bahnlinien den Beweis liefern, daß Bodencrzeugnisse, Lebensrnittel re-als erste Waare auf einer in Gang kommenden Bahn sich Anfinden,und in kurzer Zeit einen Zwischenhandel veranlassen, welcher ausweiteren Entfernungen her die Lebensrnittel nach der Bahn schafft,um sie bevölkerten Städten und Distrikten zuzuführen. Es wärewohl nicht gerathen, bei den gegenwärtigen Transportverhältnisse»größere Quantitäten von Gemüse, Eiern, frischer Butter, Schmalz,Geflügel (todt oder lebendig) u. s. w. aus Baiern und Württembergz. B. nach den Rheinstädten oder nach den süddeutschen Seestädte»zu versenden. Bei E.B.B. hat die.Versendung nicht die geringsteSchwierigkeit, da diese Artikel den dortigen Preisen gegenüber immernoch einen guten Frachtzuschlag erlauben. Wer nun weiß, wie diegroße Mehrzahl des Volks seine Kreuzer zum Gulden zusammensezt,der wird mich entschuldigen, wenn ick sogar Eier und Butter mitdeutschen E.B.B. in Verbindung bringe.

Deutschland besitzt reiche Getreideländer, die einen jährlichen Ilc-berschuß dem Auslande anbieten können. ES sind hauptsächlich dieKüstenländer der Nord- und Ostsee und die in deren Rücken odertiefeinschneidcnden Strömen gelegenen Binnenländer, welche ihr Plus