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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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an die Seehäfen abgeben. Nun ist meine Meinung keineswegs, daßan diesem Handel auch andere deutsche Getreideländer, welche dieseWohlfeilen Transportgelegenheiten nicht besitzen, vermittelst E.B.B.regelmäßig Theil nehmen könnten; inzwischen haben wir in letzter ZeitMehrmals Getreide aus Snddcntschland den Rhein hinab für Englandeinschiffen sehen, das sobald noch nicht in den Stand kommen dürste,sich von fremdem Brode unabhängig zu machen, und es steht nichts>>n Wege, daß, bei guten Preisen auf dem englischen Markte, selbstBaiern und Böhmen ihr Getreide auf E.B.B. noch mit Vortheil zurAusfuhr nach Hamburg versenden. Jedenfalls ist in Fällen plötzli-cher Nachfrage der Kaufmann auf dem Seeplatze in den Stand ge-setzt, die Produktionsgegendcn in kürzester Zeit zu bereisen, seine Ein-käufe zu machen, und in wenigen Wochen ein Geschäft zu beendigen,welches sonst Monate Zeit erforderte. *

' Der Getreidehandel gehört aus vielerlei Gründen zu den subtilsten, die es gebenkann, zumal wenn er nach entfernten Märkten getrieben wird. Eine längerdauernde Aufspeicherung ist mit Unkosten aller Art und mit Gefahren für dasGetreide selbst verknüpft. Hält man keine großen Borräthe bereit, so ist esschwer, bei plötzlicher Nachfrage und günstigen Konjunkturen schnell die nöthigenQuantitäten beizuschäffen. Daher sind in Rotterdam , Hamburg , Danzig undKönigsberg große Magazine und eigene Einrichtungen zur Speicherung undBesorgung des Getreides vorhanden. E.B.B. können nicht verfehlen, in demBetriebe dieses Handels Veränderungen herbeizuführen und auch solchen Länderneinen Antheil daran zu gestatten, welche bisher nur ausnahmsweise sich dabeibetbeiligen konnten, da E.B.B. in der That im Stande sind, den Getreidetrans-port billig zu besorgen. Hier der Beweis.

Bekanntlich machte Polen von jeher die größten Zufuhren nach England.Nach Mac Culloch, Art. Korngesetze, stellt sich der niedrigste kostende Preis nachLondon folgendermaßen:

Schill. Den.

Einkaufspreis des Walzens zu Warschau. 28

In die Boote bringen, einladen, bedecken mit Matten st 6

Fracht nach Danzig .. . 5

Verlust während der Reise durch Diebstahl und Aus-wachsen des Getreides.3

Unkosten in Danzig für Umwenden, Trocknen, Reinigen,in die Speicher nehmen und Verlust beim Messen . 2Kommissionsgebühren dem Danziger Spediteur . . 1 6

Fracht, Kapplacken, Assekuranz- und Vcrschiffungsunko-

stcn von Danzig bis London.8 _

Kostender Preis in London 48 Schill. od. 28 st. 48 kr.

Hiebe« ist der Schaden durch Brandigwerden nicht eingerechnet, und dieFrachtpreise von Warschau nach Danzig und von da nach London sind aufs aller-niedrigste angenommen, da denn eine außerordentliche Bestellung die Frachtko-sten auf der Weichsel um 3040 Proz. steigern müßte. Der mindeste Preis,zu dem also der Walzen dem Londoner Kaufmann zn stehen komme» könnte, ist50, 53 bis 55 Schilling. Bekanntlich geht nach dem gegenwärtigen Zolltarifdas Getreide erst dann zollfrei ein, wenn dasselbe auf engl. Märkten die Höhevon 73 Schill. per Qnarter erreicht hat.

Berechnen wir nun, was der Qnarter Waizen, von der Donau durch E.B.B.nach Hambnrg gebracht, in London kosten dürfte. 1 Bushel Waizen wiegtnach Mac Culloch 55 Pfund (100 Pfd. engl. 97,016 württemb.), 8 Bushel 1 Qnarter, mithin 1 Qnarter -- 4 Ctr. 26hs Psd. württ. Dasselbe Resul-