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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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92
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E.B.B., in Verbindung mit Dampfschiffahrt, sind eine Asseku-ranz gegen Thcurnng und Hungersnoth, und die Kosten ihrer Her-stellung verschwinden im Vergleich zu den Opfern, welche im Laufeeines Jahrhunderts solche Unglücksfälle der Nation bisher auferlegthaben. Deutschland erlebte innerhalb 50 Jahren zweimal (1770 bis1772 und 1816 und 1817) bittere Hnngerjahre. Rechnet man mitMalchus für's Jahr 1817 das jährliche Erzeugniß der deutsche»Bundesstaaten (mit Ausschluß Oestreichs) aus 252,922000 ScheffelGetreide, oder bei der inzwischen stattgcfundenen Zunahme der Be-völkerung auf 262 Millionen, den Scheffel aber zu 6 sl. im Durch-schnitt aller Getreidearten, so stellt diese Masse einen Werth von1572 Millionen Gulden dar, welchen das Ilnglücksjahr 1816 zumtat erlangt man: Iw/, Quarter I Last, 1 Last 36 Amsterdamer Scheffel,

1 Amsterdamer Scheffel 128 Pfd., mithin t Quart. 4 Ctr. 38°/? Pfund.Ich nehme den Quarter in runder Summe zu 4 Ctr. 30 Pfd. Von München bis Hamburg rechnet man nach Vorlage der theils fertigen, theils projektirte»E.B.B. 220 Stunden. Den Ceniner E.B.fracht rechne ich zu kr. zier Stde.(Verschiedene engt. E.B.B. transportiern von '/», V-, V», 1 bis 1^/, kr. per Ctr.nnd Stunde.) 1 Quarter 13(g Simri württ.; 13fg Simri Waizen22 st. 28 kr. (1 Scheffel 13 st. 35 kr. durchschnittlich) ^ 36'/, Schilling-Nach der Versicherung eines im Getreidehandel viele Jahre beschäftigten Kauf-manns darf die Fracht von Hamburg nach London durchschnittlich nicht über .3 Schilling per Quarter angenommen werden.

Einkaufspreis.22 st. 28 kr.

Aufladen rc. 12

Verlust während der Reise >c. . .

E.B.fracht nach Hamburg rc. . . 7 53

Unkosten in Hamburg .... 1 12

Kommisfionsgebühren .... 54

Fracht >c. nach London .... 1 48

34 st. 27 kr. od.'57S/i(Schill.Nach Jacobs Angabe» kostet der Quarter Waizen von Prag bis Hamburg 17 Schilt., sage: 10 st. 12 kr. Fracht auf der Elbe (man klagt über zunehmendeVersandung dieses Flusses), daher die Zufuhr nur bei hohen Preisen gestattetist. Nun liegt aber Prag von Hamburg 142 Stunden entfernt, so daß die E.B.bei dem angenommenen Frachtsätze das Quarter um 5 fl'. 12 kr. dahin fördernkann. Hiebei entgeht mir die Differenz, welche die Qualität des WaizenSbegründet, nicht, da z.B, der Londoner Kaufmann den Danziger Waizen vorzieht,selbst wenn der Holsteiner u. der von der Niederelbe (oft um 20 Schill. n. Mac Cull.)billiger in die Waarenhäuser hergestellt werden kann. Allein ich wollte nur zei-gen, daß es selbst tief im Binnenlands liegenden deutschen Ländern durch E.B.B.möglich wird, an dem Getreidehandel der Nordsee unter gewissen Konjunkturen,und zwar häufiger als bisher der Fall war, Theil zu nehmen. Jedenfalls könn-ten die weniger entfernten Getreidegegenden ihren Ueberschuß regelmäßigzur Ausfuhr bringen, wobei freilich Hambnrg sich entschließen müßte, die Hin-dernisse zu entfernen, welche dort diesem Geschäftszweige im Wege stehen. Dahingehören lästige Privilegien der Kornträger und Messer-Gilden, Mißbrauche beimMessen des Getreides selbst und höchst unzweckmäßige Magazine (meist Böden invormaligen Brau-Erben oder Zucker-Fabriken): Unbequemlichkeiten, Verlusteund Kosten, welchen sich bis jetzt der auswärtige Consignirende nur im äußerstenNothfall unterzog, so daß, wenn nicht gerade ein rascher Umsatz zu erwarten ist,die Lagerung von Getreide in Hamburg und der Umsatz nur unbedeutend ist,während er bei ordentlichen Kvrnlagern und billigerer Bedienung ein sehr an-sehnliches Geschäft werden müßte. (S. auch Krüger Handelsgeogr. Bd. 2, S. 63)