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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Ursacht haben; sie gründen sich im Allgemeinen auf hohe Güterpreise,furiose Bahnhöfe, hohe Arbeitslöhne, kostbare Brücken und unter-lldische Strecken; lauter Umstände, die, mit Ausnahme des letztge-nannten, auf die Kannstadt-Ulmer Bahn keinen Bezug haben. Bei derBerlin -Potsdamer Bahn kostet die Stunde Grundentschädigung nichtweniger als 42-430 st., die Gebäulichkeiten verursachten einen Auf-fand von 220039 Thlrn. oder 385068 fl. auf nicht mehr als siebenStunden. Die Kölner-Bahn besizt eine Wegleitung auf Bogen vomStationsplatze bis zum Hafen, welche allein über eine halbe MillionThaler kostete. Die Uebcrschrcitung des Voranschlags schreibt sichhier ebenfalls von einer nachträglichen Vermehrung der Brücken undDurchlässe, sowie von den Schwierigkeiten eines unfesten, wellen-förmigen Terrains, von Tunnels, theurem Lohn, Holz, Steinen, her.

Von den französischen Bahnen schweige ich. Wer von denselbeneinen Beweis für die Kostspieligkeit deutscher E.B.B. entlehnt, scheintvorauszusetzen, daß die Effronterie bei öffentlichen Unternehmungendiesseits des Rheins ebenso zu Hause sey, wie jenseits. Die Ver-sailles-Bahn hat theuren Boden, theure Arbeitslöhne und eine Bau-administration, die sich vornweg an den Einnahmen wärmt.* ManMeiß allgemein, daß Köchlin, der Unternehmer der Straßburg -Base-ler Bahn, bei diesem Geschäfte einige Millionen gewann u. s. w.

Alle Vergleichungen hinken; man muß jede Bahn aus sich selbstbeurtheilen. Dazu muß man Techniker seyn. Da ich dieß nicht bin,so habe ich weit mehr Gründe, den auf Untersuchungen und Studiengegründeten Berechnungen eines Technikers zu trauen, als den vagenVergleichungen aller möglichen Bahnen mit einer projektirten.

Daß man übrigens auch woblfeil bauen kann, das beweist dieHeidelberg -Mannheimer Bahn mit 170598 fl. per Stunde, die Braun-schweig-Wolfenbütteler mit 85424 fl., die Ferdinand-Nordbahn mit! 143232 fl., dieMagdeburg-Köthen-Halle-Leipziger mit 187498 fl. (exel.Bahnhöfe und Betriebsmaterial). Daß Voranschläge auch nahe zutreffenkönnen, beweist die Wien -Brünner Bahn mit 5,300000 fl. Voranschlagund 5,379115 fl. Effektivkosten; daß mau endlich auch wenigerbrauchen kann als der Voranschlag berechnete, davon liefertdie badische Bahn den Beweis. Der Voranschlag zu der 4^ bad.Stdn. langen Heidelberg -Mannheimer Bahn war 889894 fl., dereffektive Kosten belief sich aber nur auf 767693 fl.; Minderauf-wand: 122201 fl. Siehe zweiter Geschäftsnachweiö für die Zeitvom April 1840 bis April 1841, S. 18. Derselbe Nachweis stelltbereits weitere Ersparnisse in Aussicht, an Schotterfundamenten,Quer- und Langschwellcn, Schienen w., von nicht weniger als 873000 fl.für einfaches, 1,746000 fl. für doppeltes Geleise. Ueberhaupt siehtMan bei Durchlesnng dieses Geschästsnachweises, wie sehr sich im

" Die Verwaltung der Bahn von Paris nach Corbeil , die, 8 Lieues lang, mit ei-nem Aufwand von 12,783000 Arc. erbaut wurde, liquivirte sich vor einigenJahren nicht weniger als 787000 Frc.